Voland & Quist, 159 S., 18,00 EUR
Der Herr Fischer hat sich mit dem dritten Teil seiner "Menschenhasser"-Reihe - und zu einer solchen scheint sich das Thema ja schließlich, ähm, auszuwachsen – ein wenig mehr Zeit gelassen. Die erste "Abschweifung" (über eine furchtbare Zugfahrt nach Köln) erschien 2018, drei Jahre später dann eine seltsame "Art Liebesgeschichte" und nun: "Eine Fortpflanzung". Letzteres darf, ja muss man wörtlich nehmen, denn der Autor hat genau das getan: sich fortgepflanzt. Inzwischen sogar schon zweimal. Und mit dem so überhaupt nicht zum Nachtschlaf bereiten Zweitling im Kinderwagen streift Fischer nun durch seine Heimatstadt Leipzig. Dabei begegnet er seltsamen Leuten, auch Leidensgenossen, und strandet im Morgengrauen auf einem einsamen Spielplatz (menschenleer - der einzige Zustand, in dem sich ein Spielplatz heute offenbar ertragen lässt). Die zwischen Wut und Resignation alle klassischen Stadien des Umgangs mit unglücklichen Umständen durchlaufende Nacht mit dem putzmunteren Kind bietet dabei wunderbare Ansätze für Abschweifungen und Reflexionen über das Leben und die Menschen und die Welt an sich. Nicht immer ist das "nur" lustig, nein: oft durchweht ein durchaus melancholisches Element oder auch ein Schrei nach (Welt)Veränderung den GedankenStrom des müden Vaters. Oft darf aber herzlich gelacht werden, nicht nur, weil auch Fischers alter Kumpel "Enni" (der geschäftstüchtige Dynamo-Dresden-Ultra) wieder einige seiner stets in tiefstem Sächsisch vorgetragenen Weisheiten absondern darf. Trotzdem hat der Text hier und da seine Längen, was dem Autoren womöglich am Ende des ersten Drittels selbst klar geworden ist. Da nämlich möchte er mit den Worten "Ich will Patissier werden. Tschüs." das Buchprojekt beenden. Bis ihm auf der nächsten Seite eine "Editorische Notiz" folgende bittere Wahrheit in Erinnerung ruft: "Der Verlag Voland & Quist und der Autor Julius Fischer haben eine vertragliche Vereinbarung über eine Mindestlänge des Buches von 150 Seiten abgeschlossen." und also noch 100 weitere Seiten aus den mit Kinderkacke oder einem Brei aus gut durchgespeichelten Maisstangen verklebten Fingern zu saugen sind. Was schließlich gelang, auch wenn man den Text werdenden Eltern besser nicht empfehlen möchte. Und wir wollen um keinen Preis spoilern, aber der vorletzte Satz dieses Buchs lässt erahnen, dass es nicht bei dieser "Fortpflanzung" bleiben wird.Weitere Infos: www.voland-quist.de/werke/ich-hasse-menschen-eine-fortpflanzung/

