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PETERLICHT

Wir werden ganz schön viel ausgehalten haben müssen

(Tropen, 256 S., 22,00 Euro)

PeterLicht erinnert mich immer wieder an Max Goldt. Warum, weiß ich selbst nicht so genau, denn er gehört einer anderen Generation an und sein Stil unterscheidet sich deutlich von dem des Meisters (sowohl was das Schreiben wie auch das Musizieren angeht). Und dennoch! Es ist wahrscheinlich das kunstvolle Abschweifen, das vom-Hundertsten-ins-Tausendste-kommen, das stete Umkreisen des Eigentlichen, das sorgfältige Beschreiben des vermeintlich Nichtigen, das leicht Melancholische und nicht zuletzt das Darstellen der Absonderlichkeiten des (sogenannten) Alltags, das meinen Synapsen schmeichelt. In dieser Geschichtensammlung schildert der Kölner z.B., wie ihn ein CDU-Wahlplakat mit dem Slogan "Uns reicht’s! Wir wählen CDU." dazu anregt, "Vorschläge für die Weiterführung und Verfeinerung" dieser Losung zu unterbreiten "(nach Lebens- bzw. Sozialbereichen geordnet)". Da finden sich dann so schöne Ansagen wie "Mir reicht’s! Ich kauf mir eine Tüte Milch." oder "Mir reicht’s! Ich gucke die Straße entlang." (aus der Rubrik "Privatleute"), "Gruppen" könnten beschließen "Uns reicht’s! Wir schneiden uns die Fußnägel." Im "Gewerbliche(n) Bereich" heißt es "Mir reicht’s! Ich hab die Schnauze voll! Ich kauf mir eine Rolex. Oder eine Patek Philippe." oder "Mir reicht’s! Scheiß System! Ich schließe jetzt eine Lebensversicherung ab.". Und auch für den "Alltag" hat PeterLicht Vorschläge, u.a. diese beiden: "Mir reicht’s! Mir geht alles auf den Sack! Ich esse ein Marmeladenbrot und ernähre mich ansonsten ausgewogen." und "Mir reicht’s! Ich geh auf’s Klo.". Genau so sieht’s aus, liebe Freunde! Ansonsten wird hier en passant noch "Der aktuelle Stand des Kapitalismus" analysiert (der geniale erste Satz dieses Textes lautet: "Alle Produkte sind böse."), ein "Sozialer Mindestabstand" definiert, "Bitte keine Leichen!" gerufen und geklärt "Wie das ist, wenn Diktatoren sterben". Auch der US-Präsident mit der ungesunden Gesichtsfarbe und den schlechten Manieren bekommt das Nötige (an)gesagt, wobei PeterLicht durchaus weiß: "T ist kein Unfall eines Politsystems, sondern macht ein System kenntlich. Da stehen wir und betrachten, wie unbegreiflich schnell und überdeutlich die Dinge sich ändern. Nein, sie ändern sich nicht, man kann sie nur auf einmal glasklar erkennen. Wir sehen mit DT die Flagshipfigur des aktuellen Weltwirtschafts- und Weltgesellschaftsystems. Auf offener Straße und im Onanier-Modus." Es geht also um Alles. Und ums Ganze. Oft gar nicht mal ums Große, aber meistens ums Ganze. Dazwischen streut der Mann mit lockerer Hand hingeworfene Zeichnungen (auch hier zeigt sich beachtliches künstlerisches Talent!). PeterLicht ist großartig.
Weitere Infos: www.klett-cotta.de/produkt/peterlicht-wir-werden-alle-ganz-schoen-viel-ausgehalten-haben-muessen-978


Februar 2026
ANNE BRORHILKER / TRAUDL BÜNGER
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