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DAN BROWN

The Secret of Secrets

(Lübbe, 800 S., 32,00 Euro)

Der neue Roman des Bestsellerautors Brown (ihr wisst es, ich erwähne es dennoch: ihm verdanken wir u.a. die Pageturner "Illuminati" und "Sakrileg – The Da Vinci Code") landete nach Fitzeks "Nachbar", dem neuen "Asterix" und zwei, ähm, Romanen von Caroline Wahl auf Platz 5 der Liste der meistverkauften Bücher 2025. Kommerziell ist das Buch, dem in einigen Rezensionen der zumindest in meinem Exemplar nirgends zu findende deutsche (Unter)Titel "Zwischen Leben und Tod – Das letzte Geheimnis der Menschheit" beigegeben wird, also schon mal ein Erfolg. Was neben dem zugkräftigen Autorennamen vielleicht auch an der wirklich edlen Aufmachung liegen kann: blutroter Buchschnitt, Lesebändchen, feines Papier, eine schön gesetzte Caslon und ein Umschlag mit goldenem Prägedruck und raffiniertem Ausschnitt, der das Zifferblatt der berühmten Aposteluhr am Prager Rathaus zeigt – das ist schon schick gemacht. Inhaltlich dreht sich #6 der Abenteuer des Harvard-Symbologen Robert Langdon um Hirnforschung und menschliches Bewusstsein: seine langjährige Bekannte, die "noetische Wissenschaftlerin" Katherine Solomon hat nämlich ein Buchmanuskript verfasst, das bahnbrechende, möglicherweise sogar welterschütternde Erkenntnisse zum menschlichen Bewusstsein, seiner Herkunft und Verfasstheit und auch zu Manipulations- und Missbrauchsmöglichkeiten enthält (gegen Ende des Romans fasst sie ihre Grundthese ganz kurz so zusammen: "Der Tod ist nicht das Ende. Das ist die Botschaft … Sie ist das Geheimnis aller Geheimnisse."). Nebenbei ist sie gerade auch Langdons Geliebte geworden und die beiden wollen eigentlich nur ein nettes Wochenende in Prag verbringen, als die Ereignisse sich überschlagen. Wir erzählen hier natürlich nicht den ganzen Plot der tatsächlich eindrucksvoll und hochspannend konstruierten Geschichte, aber zwei Offiziere des tschechischen Geheimdiensts und eine leicht sadistische Prager Neurowissenschaftlerin spielen ebenso wichtige Rollen wie die dortige US-Botschafterin, Mitarbeiter des Verlags, in dem Solomons für manche Kreise offenbar höchst gefährliches Buch erscheinen soll (rein zufällig Browns US-"Heimat" Penguin Random House) und nicht zuletzt die CIA. Und was darf bei einem solchen Plot in Prag nicht fehlen? Richtig, der Golem. Geschickt führt Brown seine Leser auf immer neue (falsche) Fährten: wer ist gut, wer böse? Wer ist überhaupt wer? Nicht immer ist das sofort klar und wenn doch, irrt sich der Leser möglicherweise. Auch das Prager Stadtmarketing darf sich freuen, denn die Sehenswürdigkeiten der alten Kaiserstadt werden prominent in die Handlung eingebaut (man bietet wohl schon themenbezogene Stadtführungen an). Dennoch geht es Brown zuallererst immer um Spannung, unnötige Ausschmückungen, feinsinnige Abschweifungen oder detaillierte Arabesken (wie sie z.B. der von einigen – meines Erachtens zwar zu unrecht, aber egal - als "geistesverwandt" angesehene Umberto Eco meisterlich beherrschte) können da nur stören und werden also streng vermieden. So entstand ein durchaus tiefgründiger, eine wichtige wissenschaftliche Sparte gekonnt popularisierender, keineswegs versponnener und – wir haben es nun oft genug erwähnt – hochspannender Roman, der zumindest mich über die Weihnachtstage bestens unterhalten hat. Und der lustige Druckfehler "Cyperpunkt-Film" auf S. 587 macht(e) mir dieses Werk beinahe noch sympathischer.
Weitere Infos: www.danbrown.com


Februar 2026
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