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VARLEY

Tanzbare Gedanken

VARLEY

Wie war das noch mit dem Spruch, dass das Ganze größer ist, als die Summe seiner Teile? Irgendwie kann man sich des Eindruckes nicht erwehren, dass genau dieses Prinzip im Falle des Irisch/Deutschen Trios Varley gegriffen hat. Denn Claire-Ann Varley, Joschka Bender und Matthias Heising waren alle schon alleine musikalisch tätig, bevor sie sich in der Folge einer Songwriter-Week im beschaulichen Berliner Vorort Hammelberg trafen und dann beschlossen, gemeinsam unter dem Projektnamen Varley genau die Musik zu machen, zu der sie selber Lust hatten – ohne sich an irgendwelchen Trends oder Moden zu orientieren. Nachdem sie zunächst ihre EP's „Roamer“ und „Phantom Studies“ noch als Testballons und musikalische Spielwiese begriffen, haben sie sich auf ihrem Debütalbum „Smalltalk & DMC's“ für ein weitestgehend organisches Pop-Setting entschieden.

"Es sollte auf jeden Fall ein bisschen tanzbarer sein“, erklärt Joschka, „das was wir vor zwei, drei Jahren rausgebracht haben, waren ja eher ruhige Balladen. Und auf unserer EP 'Phantom Studies' hatten wir sogar noch mehr elektronische Sachen drauf. Das war für uns eine Phase, in der wir viel ausprobiert haben, weil wir auch viele unterschiedliche Musik mögen. Und dann haben wir uns am Ende dafür entschieden, lieber organisch arbeiten zu wollen und mit einer richtigen Band zu spielen und nicht mit Playback oder so etwas."

Wäre es dann keine Maßnahme, das Material auch live einzuspielen

"Wir haben öfter darüber gesprochen“, berichtet Claire-Ann, „ich glaube, wir finden das alle richtig geil. Es wäre aber für diese LP nicht möglich gewesen. Aber vielleicht für eine andere."

"Das liegt daran, dass wir für diese Scheibe schon nach einem bisschen produzierteren Sound gesucht haben“, wirft Joschka ein, „wenn man das aber will, dann würde es schon funktionieren. Wir haben schon ein paar Live-Sessions gemacht, die jetzt auch online sind – da kann man das schon erkennen."

Davon beredtes Zeugnis legten im Vorfeld schon die Singles wie „Pressure“ oder „Push & Pull“ ab, die eine Tendenz zu organischer, Old-School-Popmusik bereits erkennen ließen. Fleetwood Mac wären in diesem Zusammenhang keine unpassende Referenz. Wovon lassen sich Varley denn tatsächlich inspirieren?

"Vieles passiert beim Machen“, führt Joschka aus, „die Klangästhetik, die wir bevorzugen ist zwar Band-orientiert ausgerichtet – aber auch reduziert. Also jetzt nicht 20 Sachen übereinander, sondern auf das Wesentliche reduziert im Sinne des Songs. Weil wir jetzt seit langem die Sachen erstmals live spielen können, merken wir auch, dass das viel besser funktioniert, als wenn jeder Song einen bestimmten Sound hätte und wir dann alles durcheinanderwürfeln müssten."

Kommen wir mal zu den Texten. Was ist denn da das Anliegen? Und was sind eigentlich die im Titel des Albums besungenen „DMCs“? Wenn man den Begriff googelt, stößt man ja auf so Einiges.

"Als ich jünger war, haben wir diesen Begriff verwendet für 'deep meaningful conversations'“, gesteht Claire-Ann, „es geht also um den Kontrast zwischen 'Smalltalk' und inhaltlich relevanten Unterhaltungen."

Eine Botschaft wollen Varley ja eigentlich gar nicht vermitteln. Geht es in den Texten dann vielleicht um einen autotherapeutischen Ansatz? Das könnte man bei Songtiteln wie „The Pressure“, „Bubble Up“, „Push Pull“ oder „Feel It“ ja fast schon vermuten.

"Also ich finde es immer sehr schwierig, meine Gedanken zu sortieren“, führt Claire-Ann aus, „ich will das immer in den Hintergrund drängen oder mich nicht im Augenblick damit beschäftigen. Wenn ich aber Texte schreibe, weiß ich oft gar nicht, was ich genau zu einer bestimmten Sache denke. Dann jamme ich auf der Gitarre und dann entstehen Textzeilen, von denen ich denke – 'oh – ich wusste gar nicht, dass ich das so und so sehe oder fühle'. Für mich ist das Text-Schreiben eine Art, meine Gedanken zu verarbeiten. Es ist manchmal richtig, die Sachen einfach rauszulassen ohne vorher großartig drüber nachzudenken. Man lernt dabei ja auch viel über sich selbst."

Oder auch über die anderen Bandmitglieder. Jedenfalls vermitteln Varley den Eindruck einer eingeschworenen Gemeinschaft dreier Musiker(innen), die in der gemeinsamen Arbeit ihren Weg bereits gefunden haben.

Aktuelles Album: Smalltalk & DMC´s (FerryHouse)

Foto: Jen Krause

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