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GIACOMO SARTORI

Göttliches Tagebuch

Launenweber, 294 S., 24,00 EUR

Dass der HErr seine allgegenwärtigen Augen nicht von einer im "Postpunk-Motorrad-Outfit" gekleideten Kuhbesamerin lassen kann, die ihren kargen Lohn als befristet im Institut für Molekulargenetik Angestellte mit einer so unsinnlichen wie effizienten Tätigkeit aufbessert, verwundert ihn selbst. "Bohnenstange" nennt ER die fanatische Atheistin in seinen Aufzeichnungen zärtlich, hilft hier und da ihrem verwirrten Liebesleben auf die Sprünge (unter penibler Auflistung der Orgasmus-Resultate – in der Regel leider oft 2 oder 3:0) und benutzt sein Tagebuch doch vor allem dazu, der Menschheit aufzuzeigen, wie verkommen und unsinnig ihr Dasein ist. Auch der Umstand, dass der von ihr bewohnte Planet nur ein verschwindend kleines im großen Nichts ist, wird immer wieder gern unterstrichen. Und doch muß GOtt sich arg disziplinieren, um im Wirbel der Gefühle nicht den kühlen (allwissenden) Kopf zu verlieren. Sprachlich so anspruchsvoll wie kurzweilig ist diese gut übersetzte Satire ein furioser Lesespass, allein der Titel scheint mir im Original (Sono Dio) wie in der englischen Fassung (I Am God) treffender.
Weitere Infos: › www.launenweber.de


Februar 2020
GIACOMO SARTORI
MIKE BERNERS-LEE
NORA GOMRINGER/REIMAR LIMMER
PETER WAWERZINEK
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