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FRANK SCHÄFER

Rolf Dieter Brinkmann

(Verlag Andreas Reiffer, 156 S., 18,00 Euro)

Frank Schäfer kennen wir als (Hard)Rock-affinen Verfasser diverser (oft mehr oder minder sinnvoller und nicht immer ernst gemeinter) Lexika und anderer popkultureller Verlautbarungen, aus denen ich bisher nicht unbedingt eine Nähe zum (nicht nur von mir) hochverehrten Dichter Brinkmann abgeleitet hätte. Und doch hat Schäfer ein sehr (wirklich sehr!) lesenswertes Buch über den vor 50 Jahren (viel zu) jung verunfallten Lyriker geschrieben, das völlig zurecht den Untertitel "Ein Zettelkasten" trägt. Womit er ganz nebenbei und hoch elegant den (Assoziations)Bogen in Richtung Arno Schmidt und/oder Niklas Luhmann auffächert. Doch primär und überhaupt geht es hier um eine sehr persönliche Annäherung an Rolf Dieter Brinkmann. Keine Biografie, auch keine germanistische Analyse, eine persönliche Annäherung. Denn Schäfer liest (im wörtlichen wie im übertragenen Sinn) das Sein und Werden, die Explosion und das Verglühen dieses Ausnahme-Lyrikers vor dem Hintergrund eigener (Lese)Erfahrungen, subjektiver Eindrücke und Empfindungen. Das schließt auch kritische Anmerkungen ein und das Bekenntnis, nicht immer alles wirklich zu verstehen: Brinkmann war zwar ein durchaus penibler SprachArbeiter, konnte aber seine tiefenscharfen Alltagsbeobachtungen auch zu kryptischen Zirkelschlüssen ausufern lassen (und jede Menge höchst impulsiver Ausbrüche hatte er bekanntlich auch). Kapitelüberschriften wie "Tausende von blühenden Penissen", "Obersturmbannführer Brinkmann" oder "Der Schrecken über die Sprache" (und das ist eine ziemlich willkürliche, zufällige Auswahl) zeigen die Grundtendenz des Texts: es geht um "Rausch Rock und Revolution", um "Die Wucht des Augenblicklichen" – Schäfer nennt das sehr treffend "profane Epiphanien". Eine solche hat auch mich vor vielen Jahren "erleuchtet": Brinkmann zählt seither zum engsten GötterKreis meines kleinen lyrischen PrivatOlymps. Auch die prekäre Tristesse des DichterAlltags aus Geld-, Wohnungs- und Familienproblemen wird gestreift – ganz ohne voyeuristischen oder gar herablassenden Unterton. Außerdem gilt auch hier das Diktum Brinkmanns, das mir beinahe so etwas wie ein Lebensmotto geworden ist: "Ich bin überhaupt nicht verpflichtet, jetzt hier das große Licht anzumachen!". Auf die von Schäfer abschließend gestellte Frage "Wo warst du, als Brinkmann vors Auto lief?" muss ich trotzdem antworten: "Weiß nicht, bestimmt im Bett!".
Weitere Infos: www.verlag-reiffer.de/produkt/brinkmann

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