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ALI BARTER

Adrenalin-Junkie

ALI BARTER

Ali Barter gehört – wie Alex Lahey, Stella Donelly, Olympia, Julia Jacklin oder Tia Gostelow - zu jener Gruppe junger Damen, die sich – jede auf ihre Weise - ausgerechnet von Down Under aus aufmachen, die Regeln für die Indie-Pop-Szene nach ihren eigenen Vorstellungen neu zu schreiben bzw. zu definieren.

Ali hat sich dabei für eine druckvolle Powerpop-Variante entschieden, die sie auf der Bühne wie auch auf dem Album ´Hello, I'm Doing My Best´ mit viel Witz, Charme und Selbstironie in Reinkultur auslebt. Eine Debütantin ist Ali hingegen nicht, denn bereits 2017 erschien ihr Debütalbum ´A Suitable Girl´ - zufällig in jener Zeit, als die #MeToo-Debatte gerade hochkochte – was dazu führte, dass dieses mit einem politischen Unterton versehen rüberkam. Zwischenzeitlich leistete sich Ali bereits eine Identitätskrise und zweifelte an dem bisher erreichten – und insbesondere am Sound ihres ersten Albums. Sie erwog sogar, die Sache dranzugeben – bis sie dann wieder Freude am Musizieren gewann und nun ein recht persönliches Album vorlegt.

Betrachtet sich Ali heutzutage vielleicht sogar als eine Art Vorbild? Immerhin gibt es immer noch nicht genügend weibliche Identifikationsfiguren in der Rockmusik.

„Ach weißt Du“, zögert Ali, „ich würde eher mal sagen, dass ich Teil einer coolen Szene bin, die sich gerade entwickelt. Als ich jung war, fühlte ich mich gar nicht zum Schreiben von Songs hingezogen, weil ich niemals auf die Idee gekommen wäre, dass ich selber Musik machen könnte. Wie z.B. die Acts die damals angesagt waren – die Spice Girls und All Saints oder Kylie Minogue – denn denen hat ja jemand anderes die Songs geschrieben. Es hat dann ziemlich lange gedauert, bis ich überhaupt auf die Idee gekommen bin, dass ich selbst auch Songs schreiben könnte.

Das war bei mir dann so, dass ich erst mit 24 angefangen habe, Songs zu schreiben und mit 26 erste Stücke veröffentlichte. Ich bin also jetzt – mit 33 – schon ziemlich alt. Vorher hatte ich dann aber auch gar nichts, über das ich hätte singen können. Ich kann also froh sein, dass ich zu einer Zeit lebe, in der viele Mädchen Musik machen.“

Was ist denn dabei das Wichtigste?

„Nun, dass ich ich selbst sein kann“, meint Ali, „ich spiele z.B. auch mit meinem Mann, Oscar Dawson, in einer Band. Ich brauche aber nicht zu spielen, wie er, sondern ich kann spielen, wie ich es möchte. Aus diesem Grund ist es gut für Mädchen andere Frauen musizieren zu sehen: Um zu zeigen, dass sie sie selbst sein können. Und so lange man mich noch lässt und mir noch Touren bucht, werde ich das auch weiter machen.“

Das heißt also: es gibt auch keinen Plan B?

„Doch – den gibt es schon“, räumt Ali ein, „ich komme gerade aus Indien zurück und ich habe diese kleine Firma, die kleine Gruppen von Touristen durch Indien führt – wie meine Mutter auch. Aber ich werde immer irgendwie Musik machen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, das dranzugeben.“

Gibt es ein musikalisches Ziel für Ali Barter oder macht sie das, was sie tut zur eigenen Erleuchtung und Unterhaltung?

„Ein wenig schon“, räumt sie ein, „ich mag es aber auch einfach Songs zu schreiben und live zu spielen. Auf der Bühne zu stehen ist ein magisches, schreckliches Biest. Manchmal ist es erhebend und manchmal niederschmetternd. Ich bin vielleicht ein Adrenalin-Junkie. Und außerdem ist das doch eine nette Art, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Niemand kann Dir hier schließlich Vorschriften machen. Und das ist etwas, was ich mit dem Alter gelernt habe. Wem will ich eigentlich gefallen? Ich muss ja eigentlich niemandem außer mir gefallen - und das ist auch ein wenig das Thema der Scheibe. Ich brauche mir von niemandem sagen zu lassen, was ich zu tun habe.“

Aktuelles Album: Hello, I’m Doing My Best (PIAS / Inertia)

Foto: Kane Hibberd


November 2019
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