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ROBERT FORSTER

Solist wider Willen

ROBERT FORSTER

Was hat Robert Forster in den 90er Jahren für hervorragende Soloalben veröffentlicht! Gleich sein erstes, „Danger In The Past“, war ein Meisterwerk, seine Platte mit Coverversionen, „I Had A New York Girlfriend“, gehört zu den unbestrittenen Klassikern des Genres. Dennoch war der hühnenhafte Australier stets ein Solist wider Willen. Es war sein kongenialer Partner Grant McLennan, der Ende der 80er der gemeinsamen Band The Go-Betweens eine rund zehn Jahre währende Auszeit verordnete. Seit McLennans unerwartetem Tod im Mai 2006, kurz nach Beginn der Arbeit am geplanten nächsten Go-Betweens-Album, ist Forster nun wieder auf sich alleine gestellt.

Dennoch ist sein aktuelles Werk, das betont gelassen klingende „The Evangelist“, das Forster ab Ende September auch live auf deutschen Bühnen präsentiert, kein reines Soloalbum. Zum einen bat er mit Adele Pickvance und Glenn Thompson die Rhythmusgruppe der letzten Go-Betweens-Besetzung ins Studio, zum anderen vollendete er drei von McLennan hinterlassene Songfragmente für das Album. Letzteres ist besonders interessant, wenn man bedenkt, dass die zwei zwar nach dem Vorbild der Beatles immer Forster/McLennan als Komponisten aller Songs angegeben, ihre Songs aber stets alleine geschrieben hatten. Erst in den letzten Jahren gab es vereinzelte echte Kollaborationen wie „Too Much Of One Thing“, was Forster bei unserem Treffen in Köln rückblickend als glückliche Fügung betrachtet:

„Ist das nicht unglaublich? Bei ‚Too Much Of One Thing’ war es ja so, dass ich Grant den Song praktisch weggenommen habe. Wir hatten tagsüber an dem Song gearbeitet, abends habe ich zu Hause den Text geschrieben und ihn Grant am nächsten Morgen unter die Nase gehalten. Er hätte ihn natürlich ablehnen und selbst einen Text dazu schreiben können, aber er war einverstanden! Das war auch der Grund, warum ich für die neue Platte Texte zu seiner Musik schreiben konnte – weil wir es in der Vergangenheit bereits erfolgreich praktiziert hatten.“

Trotz der drei Forster/McLennan-Songs auf „The Evangelist“: Das ohne Frage ungewöhnlichste Stück ist die Solonummer „From Ghost Town“, die das Album beschließt und bei der wir das Debüt von Forster am Klavier erleben. Per Zufall übrigens, denn eigentlich wollte er nur ein 90-Sekunden-Demo für den Pianisten einspielen, der einige Tage später im Studio erwartet wurde.

„Ich setzte mich hin und fing an zu spielen“, erinnert sich Forster, „und obwohl ich den kompletten Song noch nie von Anfang bis Ende durchgespielt hatte, machte ich einfach weiter. Den Text habe ich praktisch beim Singen editiert. Deshalb macht er an manchen Stellen nicht wirklich Sinn. Das waren einfach die Worte, die in dem Moment aus meinem Mund kamen. Als ich am Ende angekommen war, hatte Mark [Wallis, der Produzent] ein breites Grinsen auf dem Gesicht und ich selbst dachte nur: ‚Das war überwältigend!’“

Welch ein Glück, dass Produzent Wallis Profi genug war, selbst für diese kleine Demo-Session peinlich genau darauf zu achten, dass das beste Equipment benutzt wurde und alles bestmöglich verkabelt war! Dabei war Forster zunächst unschlüssig, ob Wallis, der auch das letzte Go-Betweens-Album und in den 80ern den Klassiker „16 Lovers Lane“ am Mischpult betreut hatte, der Richtige für die Umsetzung von „The Evangelist“ sei.

„Marks Sound ist normalerweise ziemlich dicht und künstlich, und ich wollte dieses Mal einen organischen, natürlichen Sound“, erklärt er. „Die Platte sollte nicht überladen klingen. Ich wollte, dass man sich beim Hören wohlfühlt, denn sie erzählt praktisch eine Geschichte und die Texte sind wichtig.“

Herausgekommen ist so keine konventionelle Platte, bei der jeder Song darauf aus ist, den Hörer zu begeistern, sondern ein leises Gesamtkunstwerk, das all die besonders reich belohnt, die genau hinhören.

Aktuelles Album: The Evangelist (Tuition / Alive)


Weitere Infos: www.robertforster.net Foto: Andy Gotts

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