
Indie-Rock ohne Filter: Das Amsterdamer Kollektiv Personal Trainer fängt auf dem neuen Album die Qualitäten seiner inzwischen geradezu legendären Live-Shows ein. "Human Assholes" verbindet rohe, chaotische Energie mit unwiderstehlichen Hooks, getragen von scharfem Witz und einer erfrischenden Prise spielerischer Absurdität.
"Ich habe die Rolle der Musik in meinem Leben immer mit großer Begeisterung betrachtet, aber auch auf eine ganz bodenständige Art und Weise", verrät Personal-Trainer-Mastermind Willem Smit in den Pressematerialien zum neuen Album seiner Band. "Sie ist meine größte Leidenschaft, aber es ist auch nur Musik, und genau deshalb ist sie mir wichtig. Sie ist eine Art Sandkasten, in den ich mich setzen kann, wann immer ich will. Ich konnte mich durch sie schon immer als Ventil ausdrücken, aber nie war mir das so offensichtlich wie während dieses Prozesses. Es fühlte sich wirklich wie ein 'sicherer Hafen' an, in den ich mich tagelang vertiefen konnte, während alles andere nicht so gut lief."Obwohl Smit und sein langjähriger Co-Produzent Casper van der Lans auch dieses Mal die Richtung vorgaben, war der Entstehungsprozess von "Human Assholes" doch ein ganz anderer als bei den beiden Vorgängern "Big Love Blanket" (2022) und "Still Willing" (2024). Statt die Lieder aus einer Vielzahl verstreuter Sessions nur mit van der Lans an seiner Seite zusammenzubasteln, verfolgte er dieses Mal von Anfang an einen kollaborativen Ansatz, während er textlich auf den Klang der Worte und sein Bauchgefühl vertraute, statt verkopfte Botschaften vermitteln zu wollen. Das führt Personal Trainer, wie der Kollege Achim Fischelmanns in seiner Album-Rezension zu "Human Assholes" so treffend schrieb, zu "gemütlich daherschleichenden Songs wie 'Punch Drunk Love', quirligen Uptempo-Nummern wie dem unwiderstehlichen 'Moping' und dem in jeder Hinsicht hitverdächtigen 'Hõle'."
"Bei diesem dritten Album wollte ich einfach mal etwas Neues ausprobieren", gesteht Smit im WESTZEIT-Interview mit Blick auf die neue Herangehensweise. "Wir hatten getourt, und ich hatte das Gefühl, dass wir eine ziemlich gute Live-Band waren. Ich dachte, es könnte interessant sein, zu versuchen, das Live-Feeling ein bisschen stärker einzufangen. Normalerweise schicke ich der Band die fertige Platte und sage ihnen: Das ist das Endprodukt, das werden wir jetzt auf die Bühne übertragen. Dieses Mal haben wir das gewissermaßen schon vor den eigentlichen Aufnahmen gemacht. Wir haben die Songs so geprobt, als würden wir sie live mit fünf Paar Händen spielen. Anschließend haben wir fast alles in fünf Tagen aufgenommen – etwa 80 % wurden innerhalb dieser fünf Tage fertiggestellt – und es war so gut wie alles live. Der größte Unterschied war also, dass wir den Sound gewissermaßen gemeinsam im Raum entwickelt haben, während Casper versucht hat, das, was im Raum passierte, so originalgetreu wie möglich aufzunehmen."
Es ist geradezu überraschend, dass es drei Platten gedauert hat, bis sie sich zu diesem Schritt entschieden haben, denn wer Personal Trainer kennt, weiß, dass ihre absolute Superkraft auf der Bühne liegt. Die unbändigen Live-Qualitäten der Formation sind unbestritten: Auf der Bühne verwandelt sich die Gruppe in ein mitreißendes, schweißtreibendes Kraftwerk, bei dem Instrumente fliegen, die Energie ungefiltert ins Publikum schießt und kein Stein auf dem anderen bleibt. Im Oktober ist die Band beim Nürnberg-Pop-Festival und bei einem Konzert für den Rockpalast des WDR in Bonn auch wieder auf deutschen Bühnen zu erleben, bevor es im November für den Rolling Stone Weekender an den Weissenhäuser Strand geht.
Zuvor allerdings steht noch ein ganz besonderes Release-Konzert in der Amsterdamer Heimat der Band an. Nachdem die ersten beiden Personal-Trainer-Werke im Paradiso Premiere gefeiert hatten, wagt die Band nun den Schritt ins Royal Theatre Carré, wo plüschige rote Sitze statt wildem Herumgehüpfe angesagt sind.
"Ich kenne das Carré hauptsächlich von Comedians, die ich dort auftreten sah, und wahrscheinlich war ich irgendwann mal mit der Schule dort bei einer Theateraufführung", verrät Smit. "Wir fanden es lustig, dort zu spielen, weil der Ort irgendwie eine etwas vornehme Atmosphäre hat, und dachten uns, dass es vielleicht gut wäre, nicht einfach nur eine Band zu sein, bei der man herumhüpft. Wir wollten einfach mal ausprobieren, wie wir eine Show gestalten können, die auch interessant ist, wenn man sitzt."
Obwohl Personal Trainer inzwischen an einem Punkt angekommen sind, an dem Smit und Co. durchaus von mehr träumen dürften, bleiben die Ziele des Frontmannes sympathisch bodenständig. Seine Erwartungen haben sich nämlich bereits vor der Veröffentlichung erfüllt.
"Ich finde, für mich ist das Album in gewisser Weise schon jetzt ein Erfolg", sagt Smit. "Ich denke, es ist ein gutes Album. Mir gefällt es besser als die ersten beiden, und dem Rest der Band geht es zum Glück genauso. Mehr kann ich eigentlich nicht verlangen! Es wäre toll, wenn wir weiterhin viele Konzerte spielen könnten und die Leute darauf abfahren. Das würde wirklich helfen, denn dadurch wäre es einfacher, ein weiteres Album aufzunehmen und noch mehr Konzerte zu spielen. Das ist definitiv alles, was ich zu erreichen versuche: daraus eine dauerhafte Sache zu machen, denn ich möchte einfach weiterhin Musik machen!"
Aktuelles Album: Human Assholes (Bella Union / Bertus)
Weitere Infos: https://personaltrainertheband.com Foto: Sophie Koterus-Korting

