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JENOBI

Zwischen Intuition und Perfektion

JENOBI

Als die in Hamburg lebende schwedische Musikern Jenny Apelmo Mattson 2020 die erste LP „Patterns“ ihres Projektes Jenobi veröffentlichte, hatte sie damit nach langer Suche ein Format gefunden, mit dem sie sie ihre eigenen Bestrebungen als Songwriterin und Performerin in geeigneter Weise gestalten konnte. Jenny hatt ihre musikalische Laufbahn ja hierzulande dereinst als Bassistin – etwa für Torpus & The Art Directors – begonnen, nachdem sie 2010 nach Deutschland gezogen war. Demzufolge spielt der Bass bis heute und auch auf dem zweiten Jenobi-Album „Irregularity“ eine wichtige Rolle. Wie ist Jenny in diese Rolle hineingewachsen?

„Ich spiele Bass, seit ich 11 Jahre alt bin“, erklärt Jenny, „in Schweden hatte ich immer Bass-Unterricht gehabt. Nach Deutschland bin ich eigentlich wegen etwas Anderem gezogen – wollte aber weiterhin Musik machen. Es hat sich dann alles zufällig ergeben: Ich wohnte damals in Berlin und habe den Schlagzeuger von Torpus & The Art Directors kennengelernt und der hat mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, bei Torpus mitzumachen, denn die suchten gerade einen Bassisten. Und dann haben sich durch Social Media automatisch mehr Möglichkeiten ergeben – zum Beispiel als Bassistin bei der Jazz-Band Danube's Banks. Meine eigenen Songs schreibe ich heute aber meistens auf der Gitarre. Für das neue Album habe ich mich aber entschieden, im Heimstudio mit Computertechnik zu arbeiten. Das war neu für mich."

Jenny sagt, dass es ihr auf „Irregularity“ hauptsächlich um das Thema Empowerment von Frauen in der Musikzene geht, was ihr als Feministin logischerweise am Herzen liegt. Dabei berichtet sie dann – beispielsweise in dem Track „The Procucer“ von den eher negativen Folgen der Zusammenarbeit mit Männern im Musikbiz, die ihre Entscheidungen gerne ein Mal in Frage stellen – was dann ja auch der Grund dafür ist, dass sie auf dem neuen Album – vom Songwriting, bis zur Aufnahme und der Produktion - alles selber gemacht hat. Ist dann davon auszugehen, dass alle ihre Texte einen autobiographischen Charakter haben – oder geht es auch mal um abstraktere Ideen?

„Es ist eine Mischung“, erklärt Jenny, „alle Songs kommen von eigenen Erlebnissen her. Aber manchmal ist das so, dass man dann doch einige Sachen ändert, wenn man Songs schreibt – vielleicht damit es besser passt oder nicht unangenehm persönlich wird. Aber es geht schon um erlebte Sachen. Während es in 'The Producer“ tatsächlich um meine persönlichen Erfahrungen bei der Zusammenarbeit mit Männern geht, habe ich den Song 'Overthink' zum Beispiel über die allgemeine Idee geschrieben, dass man sich als Frau schämt, wenn man viele Sex-Partner gehabt hat – während das für Männer eher normal ist."

Damit sind wir schon beim nächsten Thema, denn dieser Song ist in einem ungewöhnlichen 7/8tel Rhythmus angelegt, der in der westlichen Welt eher ungewöhnlich ist. Wovon lässt sich denn Jenny – außer von persönlichen Erlebnissen auf der inhaltlichen Ebene – zum Beispiel auch auf der musikalischen Ebene inspirieren?

„Ich weiß nicht, ob Du Noga Erez oder Rosalía kennst? Das sind Künstlerinnen, die ich zur Zeit am liebsten höre, weil sie mit ungewöhnlichen kurzen Reggaeton-Rythmen arbeiten. 'Irregularity' ist deshalb auch weniger skandinavisch ausgerichtet, sondern sehr von Jazz- und Latin-Rhythmen inspiriert. Das ist etwas, was sich entwickelt hat, weil ich das wirklich liebe und auf dieser Scheibe kommen diese Vorlieben deutlicher zum Vorschein."

Geht es dabei vielleicht darum, der eigenen Intuition zu folgen?

„Ja – das glaube ich schon auch“, meint Jenny, „die ganze Scheibe ist ja ein wenig wie ein Jam mit mir selber. Das schwierige für mich ist dann, wenn ich weiß, wie ein Stück klingen soll und wie ich das haben möchte, das dann produktionstechnisch umzusetzen, denn da bin ich dann nicht mehr frei und intuitiv, sondern werde sehr perfektionistisch – und stehe mir damit auch mal selbst im Weg. Das thematisiere ich übrigens in dem Song 'The Perfectionist', wo ich diesen Prozess beschreibe."

Heißt das dann, dass Jenny ein verkappter Control Freak ist?

„Ich weiß nicht“, zögert sie, „aber es kann schon sein, dass wenn jemand von außerhalb ins Spiel kommt – zum Beispiel beim Mastern – ich schon immer ganz gerne selbst dabei sein möchte, weil ich ja will, dass alles genauso wird, wie es mir gedacht habe. Dabei ist mir schon klar, dass das für mich selbst und auch für andere ein bisschen anstrengend sein kann. Deswegen bin ich auch nicht so dafür, dass etwa meine Musiker in der Band Sachen ändern, weil ich sehr zufrieden bin mit dem, was ich mir ausgedacht habe. Da bin ich nicht zu sehr zu Kompromissen bereit."

Deswegen hat Jenny die neue Scheibe ja selbst bei sich zu Hause im Heimstudio aufgenommen und produziert. Dadurch diese viel mehr elektronische Bestandteile und Effekte als das Debüt-Album „Patterns“. Wie wird sich das denn auf die Live-Präsentation auswirken?

„Nun ich habe ja nach wie vor die gleiche Band, mit der ich schon bisher aufgetreten bin und wir haben schon gemerkt, dass es einige Stücke gibt, die auf der Bühne schwierig genauso umzusetzen sind, wie auf der Scheibe. Wir überlegen noch, ob wir noch eine Musikerin in der Band haben müssen, weil ich ja im Studio doch viel mit dem Computer gemacht habe. Es wird sich also einiges ändern – aber was ich auch immer schön finde, ist akustische Konzerte zu spielen, weil sich da immer zeigt, ob das wichtigste von einem Song irgendwie umgesetzt werden müssen, dass es auch in einem reduzierten Umfeld schön klingt oder groovt. Da wird sich auf jeden Fall etwas verändern. Wir haben zum Beispiel eine Version von 'Queen Of The Night' probiert, bei der ich zur akustischen Gitarre singe und die Band dann die Chöre singt – was auch wunderschön klingt."

Bevor es dann im Herbst auf Band-Tour gehen wird, wird Jenny die schwedischen Landsleute Golden Kanine im Juni als Solo-Künstlerin supporten.

Aktuelles Album: Irregularity (popup records)


Weitere Infos: https://jenobimusic.com/ Foto: Sophia Rossberg

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