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JEFF PARKER

07.11.2022, Urania Theater, Köln

Der Ort für Jeff Parkers Köln-Gastspiel ist gut gewählt. Im Urania Theater, einem früheren Kino, sind die Grenzen zwischen „aus der Zeit gefallen“ und „hip“ gewissermaßen fließend, und das gilt auch für die Musik des lange in Chicago heimischen, inzwischen aber ins Los Angeles lebenden Gitarristen, der schon vor 25 Jahren als Mitglied von Tortoise und Teil der Supergruppe Isotope 217 für Furore sorgte und an diesem Abend das bunt gemischte Publikum im fast vollbesetzten Saal rund 75 Minuten lang mit seinen betont atmosphärischen und doch melodisch fließenden Instrumentals im Dunstkreis von Jazz, Improv und Ambient fesselt. Auf der Bühne zeichnet der grundsympathische 55-Jährige impressionistische Skizzen, wenngleich kein Zweifel daran besteht, dass seine Liebe zu Klarheit in puncto Melodie, Harmonie, Klangfarbe und Rhythmus größer ist als sein Interesse, das Publikum allein mit technischen Spielerein zu fesseln. So vielseitig und innovativ er auch zu Werke geht, versucht Parker dennoch nicht, den Einfluss der Giganten zu verhehlen, die ihn einst erst auf den Weg gebracht haben. Wie schon auf seiner umwerfenden LP ´Forfolk´ (2021) adaptiert er auch in Köln brillant Jazz-Standards wie ´My Ideal´ und – bei der Zugabe – Thelonious Monks ´Ugly Beauty´ für seine Klangwelt, verharrt allerdings auch nicht nur im Vorgestern, wenn er sich Frank Oceans ´Super Rich Kids´ vor einem eigenwillig-genialen Backdrop aus Großstadt-Field-Recordings zu eigen macht und dabei unterstreicht, dass ihm selbst Pop, R&B und Hip-Hop nicht fremd sind. Doch so unterschiedlich die Inspirationsquellen auf den ersten Blick auch sein mögen, tief im Verborgenen finden sich doch immer wieder konzeptionelle Zusammenhänge, mit denen Parker die Art von subtilem Humor beweist, die man ihm ob seiner leisen, bisweilen geradezu bedächtigen Art gar nicht unbedingt zutrauen würde. So lässt der Familienmensch Parker ausgerechnet auf ´Super Rich Kids´ das an diesem Abend erstmals ohne Bandbegleitung gespielte ´Here Comes Ezra´ folgen, das er einst für seinen damals dreijährigen Sohn geschrieben hat, an das sich dann nahtlos – und ohne weitere Erklärung – seine Interpretation von Monks ´Ruby, My Dear´ anschließt. Warum das ein Schmunzeln wert ist? Na, Ruby ist der Name seiner Tochter!


Weitere Infos: › www.jeffparkersounds.com


Dezember 2022
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