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SVETLANA LAVOCHKINA

Puschkins Erben

Voland & Quist, 367 S., 24,00 EUR

Als Puschkin (für Russland-Ferne: sowas wie der russische Goethe) 1820 wegen einiger Frechheiten zwar nicht nach Sibirien, aber immerhin in die ukrainische Provinz verbannt wird, macht er einen Zwischenstopp in Zaporoschje. Dort nimmt er nicht nur ein Bad im Dnjepr, sondern hinterlässt seiner jüdischen Gastwirtin etwas sehr Reales, nämlich ein Kind. Historisch ist das alles etwas ungenau, aber schon in den 17 Seiten Prolog finden sich die (Vorgänger der) wesentlichen Figuren des eigentlichen Romans. Denn gut 150 Jahre später feiert man in "Zap" Silvester, wozu sogar die blasierte, später ihrem Hemingway-Wahn auch pathologisch verfallende Doktorantin Alka aus Moskau und der verführerische SchwarzmeerSchwarzmärktler Mark in das Haus der Familie Winter kommen. Dann geht es gut 300 S. um derbe Flüche, AlltagsRassismus und Sex jeder Art, aber auch um Kunst, Frauenheilkunde, Antisemetismus und mutierte Tiere sowie um den (sur)realen SowjetAlltag – das aber auf eine Weise, die mit "rasant und abgedreht" noch vorsichtig umschrieben ist. SehnSüchte, Ressentiments, WollLust und diverse Abgründigkeiten konzentriert auf eine Familie in einer brachial-tragischen Satire, nicht unähnlich den Texten von Bulgakow oder Gogol.
Weitere Infos: › www.voland-quist.de


März 2020
KNARF RELLÖM
SVETLANA LAVOCHKINA
VALESKA GERT
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