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ACUA

Kein Versteckspiel mehr

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In Zeiten, in denen immer mehr Acts auch in Deutschland den immergleichen US-amerikanischen Vorbildern nachzueifern scheinen, sind ACUA eine wohltuende Ausnahme. Mit ihrem hypnotisierenden Psych-Pop/Indie-Rock, bei dem sphärische Gitarren, knochige Synthesizer, ein sägender Bass und alles andere als gewöhnliche Schlagzeugrhythmen für das gewisse Etwas sorgen, war die Kölner Band, die inzwischen ein Quartett ist, schon immer ungewöhnlich. Jetzt allerdings veröffentlichen ACUA mit "Flood My Eyes" ein Album, das eine radikale Weiterentwicklung markiert.

Dass ACUA eine etwas andere Band sind, zeigt bereits der Blick auf ihre Tourdaten. Während es für viele deutsche Indie-Bands zunehmend zur Herausforderung wird, selbst eine Deutschland-Tour mit einer Handvoll Konzerte auf die Beine zu stellen, touren Sänger und Gitarrist Patrick, Schlagzeugerin Caro, Bassist Igor und die seit dem letzten Album neu hinzugekommene Keyboarderin Maja seit Jahren immer wieder durch die ganze Welt, als gäbe es nichts Leichteres. Egal ob Kanada, Japan oder Großbritannien – die Band aus dem Rheinland fühlt sich offenbar wohl auf den Bühnen fernab der Heimat.

Dass ACUA im Ausland oft schneller verstanden werden als in der Heimat, liegt vor allem an ihrer musikalischen Sozialisation und Ausrichtung. "Der Gitarrensound und die lebendigen Drumsounds – das ist nicht so das deutsche Ding", sagt Patrick im WESTZEIT-Interview. "Deshalb klappt es z.B. in Kanada besser. Das ist dort einfach mehr in der DNA. Wir fühlen uns da megawohl und die Leute und Bands sind total interessiert am Austausch. Es ist etwas mehr Rock 'n' Roll, weniger perfektioniert, und das macht dann auch richtig Spaß."

Dieses unkonventionelle Tourleben abseits ausgetretener Pfade prägt die kreative Identität der Band nachhaltig, und das kann man auf "Flood My Eyes" auch hören. Während die ersten beiden Alben der Band – "Head Under Water" (2020) und "Is There More Past Or More Future" (2022) – in recht schneller Folge entstanden, ließ sie sich für den Nachfolger bewusst mehr Zeit. Nach der Veröffentlichung des ersten Single-Vorboten "Nightwalks", der bereits im Herbst 2023 erschien, zog sich die Band zurück, um intensiv am neuen Sound zu feilen.

Das Ergebnis ist eine hörbare Transformation: Der schüchterne, wattierte Dream-Pop der Anfangstage weicht einer kompromisslosen Direktheit. "Wir wollten diesmal einen Sprung machen. Songwriting und Sound. Die neuen Sachen sind mehr in your face. Nicht mehr so schüchtern", betont Patrick. Der Fokus lag dabei auf Entschlackung und Konfrontation: "Die Songs sollten direkter sein. Weniger Schnörkel, persönlicher. Weniger verstecken. Das war die Idee."

Musikalisch öffnet sich die Band auf "Flood My Eyes" völlig neuen Welten. Knarzende, aggressive Synthesizer treffen auf komplexe lateinamerikanische Rhythmen und dreistimmigen Chorgesang. Patrick nennt einerseits Arcade Fire, aber andererseits auch Peter Gabriel oder Santana als Einflüsse, und das ist nicht geflunkert.

Diese neue Offenheit spiegelt sich auch auf der visuellen und textlichen Ebene wider. Die Ästhetik von ACUA ist düsterer, urbaner und spürbar nächtlicher geworden. Das Fundament hierfür legt die enge Verknüpfung der Bandmitglieder mit visuellen Medien.

"Die Texte werden immer wichtiger und wir denken, dass sie auch interessanter werden. Wir haben schon immer in Bildern gesprochen, Teile aus der Band kommen vom Filmset, das kommt vielleicht daher. Wir beschreiben manchmal Szenen aus Filmen, die es nie gegeben hat", gewährt Patrick Einblick in den kreativen Prozess.

Textlich sehen sich ACUA derweil vor allem in der Rolle der Fragenstellenden.

"Nach Zeitlosem, nach Grundsätzlichem. Nach Gesellschaftlichem. Nach Fragen", antwortet Patrick dann auch folgerichtig auf die Frage, wonach die Band beim Texten sucht. "Wir stellen uns selber immer nur laute Fragen oder weisen auf etwas hin – wenn wir eine Antwort geben würden, wäre das vermessen, irgendwie arrogant. Das ist nicht so unser Ding."

Doch ACUA haben sich nicht nur klanglich verändert, denn inzwischen ist die Band nicht nur künstlerisch, sondern auch personell zum Quartett angewachsen. Den entscheidenden Impuls dazu lieferte eine zufällige Begegnung im Vorprogramm einer Show.

"Maja hat mit ihrer Band bei uns als Support gespielt. Zack – 'Die ist ja megacool' – und dann waren wir zu viert", erinnert sich Patrick kurz und bündig an den ersten Kontakt mit der Frontfrau der Plastic Peaches.

Maja spielt bei ACUA aber nicht nur Synthesizer und Keyboards, sondern bereichert die Band als kreatives Allround-Talent an allen Ecken:

"Maja singt, spielt Synth und eigentlich auch noch megagut Gitarre, Bass und Schlagzeug", verrät Patrick. "Wir finden es immer besonders cool, wenn Leute mehrere Sachen machen und dadurch einen multidimensionalen Blick auf Musik bekommen."

Apropos Blick auf die Band: Tatsächlich zeichnet Maja auch für die visuelle Gestaltung und das mystische Artwork des neuen Albums verantwortlich.

Gleichzeitig bricht das neue Album auch sonst mit alten Rollenverteilungen und präsentiert sich als echtes Kollektivwerk. Zum ersten Mal steuern Bassist Igor und Keyboarderin Maja eigene Kompositionen bei, während Drummerin Caro beim Song "Fearing And Facing The World" sogar erstmals die Lead-Vocals übernimmt – und wenn es nach Patrick geht, war das erst der Anfang, wie er abschließend unterstreicht: "Alles ist möglich – und ab jetzt noch viel mehr."

Aktuelles Album: Flood My Eyes (Papercup Records)


Weitere Infos: https://acuamusic.com Foto: Alina von Zittwitz

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