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LINA MALY

Aufgeblüht

LINA MALY

Nachdem Lina Maly bereits als junge Frau einen Plattenvertrag bei einem Major-Label ergattern konnte – auf dem sie dann auch ihre ersten beiden LPs veröffentlichte – wollte sie für ihr drittes Album einen anderen Weg gehen. Sie gründete ihr eigenes Label „Drei Tulpen“ und veröffentlichte darauf zunächst ein Mal zwei EPs – eine Akustik-EP auf der sie u.a. ein Duett mit Antje Schomaker sang und die Kollaboration „Winter“ mit dem Elektronik- und Hip-Hop-Spezialisten Martin „Dead Rabbit“ Göckeritz. Nachdem das ganz gut geklappt hatte, wagte sie nun den nächsten Schritt und veröffentlicht ihre neue - dieses Mal in Kollaboration mit Florian Sievers entstandene - LP „Nie zur selben Zeit“ in Eigenregie. Wie der Titel der vorab veröffentlichten Single „Die Liebe blüht“ verrät, hat Lina's drittes Album gleich mehrere Leitmotive, denn neben der Zeit und der Liebe scheint die Natur eine gewisse Inspirationsquelle für Lina's - wie gewohnt poetisch aber nicht allzu romantischen Lyrics gewesen zu sein.

Wie kamen die ganzen Natur- und Blumen-Referenzen und die immer wieder angewandte Metapher des „Aufblühens“ zusammen? Arbeitet Lina Maly auf solche Leitmotive hin?

"Ich glaube, meine Platten sind eher so eine Sammlung von dem, wie ich mich zu einer bestimmten Zeit fühle“, überlegt Lina, „in dem Fall von meinem persönlichen Innenleben der letzten zwei Jahre bis heute. Dass ich die Natur immer wieder als Metapher verwende, war immer schon so – und auf diesem Album sehr stark. Da haben wir uns dann überlegt, das für alles zu nutzen – für das Artwork, für die Pressearbeit, die Songs; einfach weil das zu mir passt. Aber das war jetzt nichts Kreiertes, sondern hat sich so ergeben. Die Songs waren da und da war dann ganz viel 'Blühen' und 'Keimen' und 'Knospen' – und dann haben wir uns entschlossen, das dann auch zu verwenden."

Gibt es da vielleicht auch eine spirituelle Note? Viele von Lina's Kolleginnen (unter anderem auch die von ihr verehrte Agnes Obel) sehen ja eine spirituelle Quelle in der Natur.

"Also es ist manchmal so – und das klingt jetzt ganz spirituell – dass ich mich manchmal als Medium fühle“, meint Lina, „ich mache dann Musik und bewerte das erst mal gar nicht – und dann merke ich, dass mich das voll berührt und benutze das auch. Aber es ist nicht so, dass ich das total spirituell sehe. Nein, nein!"

Wie ist es eigentlich möglich, dass Lina's Songs heutzutage sogar noch persönlicher sind, als zu Beginn ihrer Laufbahn?

"Ich glaube, ich arbeite ein bisschen darauf hin“, gesteht sie, „weil ich auch Lust habe, Tabu-Themen zu brechen. Ich habe Lust, tiefer reinzugehen und zu gucken, wie weit ich überhaupt gehen kann. Wie persönlich kann es werden. Ich glaube, je ehrlicher man ist, desto eher bekommt man auch den Zuhörer.“ Aber legt man sich auf diese Weise nicht zu sehr offen? „Naja – ich singe jetzt zum Beispiel ja keine Namen. Weil – das wäre dann ja doof."

Wie ist das eigentlich, wenn Lina in ihren Songs zu jemandem singt – was sie häufiger tut: Singt sie dann nicht auch zu sich selbst, um sich sozusagen den besungenen Sachverhalt zu erklären?

"Ich singe auch für andere Personen“, zögert Lina, „ich habe zum Beispiel Songs für Personen geschrieben, die gar nicht mehr in meinem Leben sind, und wenn ich die Songs dann singe, erinnere ich mich wieder an diese Personen. Oder an den Schmerz, die Liebe oder die Freundschaft. Ich denke nicht so sehr an mich, wenn ich singe, sondern an die Situationen. Wenn ich Musik mache, habe ich aber natürlich auch Erkenntnisse über mich. Ich brauche das also für mich als therapeutische Maßnahme – oder wie man das beschreiben will – aber wenn ich auf der Bühne stehe, dann singe ich den Song für jemanden."

Die Musik produzierte Lina dieses Mal ohne Band, aber in Zusammenarbeit mit Florian Sievers, der zuvor mit seinen Projekten Talking To Turtles und Das Paradies bekannt geweorden ist. Wie sah diese Zusammenarbeit aus? Ging es da darum, einen passenden Rahmen für Lina's Texte zu finden?

"Ich habe das Album mit Florian Sievers zusammen produziert – beide als Produzenten“, erinnert sich Lina, „ich habe alle Tasten eingespielt und die Chöre gesungen und er hat Percussion und Samples beigesteuert. Wir waren dann wirklich nur zu zweit im Studio. Die Songs habe ich selbst geschrieben – bis auf zwei ältere Sachen, die ich vorher mit jemand anderem (Marco Lesche und Maxim) zusammen angefangen hatte. Florian hat dann die Songs musikalisch erweitert. Das heißt: Er hat teilweise die Musik mitgeschrieben – aber den Text nicht."

Gibt es denn irgendwelche Visionen oder Pläne für die Zukunft?

"Oh ja“, meint Lina, „ich möchte zum Beispiel mal Songs in verschiedenen Sprachen machen. Die sollten dann aber auch richtig gut werden, deswegen habe ich das bisher noch nicht getan. Ich habe bislang ja nur deutsche Songs geschrieben, weil das ja auch irgendwie Sinn machte, aber es wäre schon reizvoll auch in anderen Sprachen zu schreiben. Ach ja: Und mit einem Orchester zu arbeiten wäre sicherlich aus sehr, sehr interessant. So etwas würde ich sehr gerne ein Mal machen. Und auch Kollaborationen mit Leuten, die vielleicht nicht aus meinem engsten Kreis stammen würden mich reizen. Ich würde auch gerne das Genre verlassen und etwas Jazz-mäßiges machen. Ich höre nämlich auch sehr viel Jazz. So etwas gibt mir auch sehr viel kreative Kraft, weil man sich gegenseitig so viel zeigen kann."

https://www.lina-maly.de/

Aktuelles Album: Nie zur selben Zeit (Drei Tulpen Records / The Orchard)



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