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FOX AND BONES

Auf die smarte Tour

FOX AND BONES

Mit ihren betont persönlich gefärbten Modern-Vintage-Songs im Dunstkreis von Folk und Pop waren Sarah Vitort und Scott Gilmore alias Fox And Bones in den vergangenen Jahren auch auf deutschen Bühnen gern gesehene Gäste. Auf seinem dritten Album ´American Alchemy´ öffnet sich das charmante Duo aus Portland, Oregon, nun mit einem oft spürbar wuchtigeren, merklich dynamischeren Bandsound seiner Rock-Vergangenheit, während die Texte jetzt stärker die aufwühlenden Zeiten widerspiegeln, in denen wir derzeit leben.

Fox And Bones haben sich ihren Erfolg auf die altmodische Art erspielt. Allein seit ihrem letzten Album ´Better Land´ haben die zwei, die auch abseits der Bühne ein Paar sind, Hunderte Konzerte auf beiden Seiten des Atlantiks gespielt und sich dabei in mühseliger, aber letztlich lohnender Kleinstarbeit eine beständig wachsende Fangemeinde aufgebaut – und nur die COVID-19-Pandemie konnte sie stoppen. Trotzdem bewerten die zwei, die an anderer Stelle bereits als „ansteckend optimistisch“ beschrieben worden sind, ihre derzeitige Situation durchaus positiv. „Wir sind derzeit in einer Phase, in der wir die Früchte der harten Arbeit der letzten fünf Jahre ernten und entscheiden können, wie unsere Zukunft aussehen soll“, erklärt Sarah im Westzeit-Interview. „In den ersten vier Jahren unserer Karriere haben wir praktisch jedes Konzert gespielt, was uns angeboten wurde, bezahlt oder unbezahlt, mit Publikum oder ohne, um uns einen Namen zu machen. Inzwischen haben wir eine solide Anhängerschaft und sind auch als Musiker gewachsen. Deshalb können wir es uns nun erlauben, mehr Auszeiten einzulegen und letztlich nur qualitativ höherwertige Auftritte mit besserer Bezahlung zu absolvieren. Wir lernen gerade, smarter, nicht härter zu arbeiten und nur zu den Angeboten ´Ja´ zu sagen, die sich mit unseren Zielen vereinbaren lassen. Das ist aufregend, aber auch nervenaufreibend, weil wir damit Neuland betreten. Gleichzeitig haben wir das Gefühl, dass unser neues Album unsere bisher beste Arbeit ist und wir uns endlich ´unserem Sound´ annähern.“

Dass die zwei dafür das heimelige Folk-Pop-Terrain, auf dem sie sich mit ihren ersten beiden Alben bewegt hatten, ein Stück weit hinter sich lassen, kommt nicht von ungefähr. Schließlich spielten sowohl Sarah als auch Scott in waschechten Rockbands, als sie Fox And Bones 2016 ursprünglich nur als Nebenbeschäftigung ins Leben riefen. Als ihre Arbeit als Duo immer mehr in den Fokus rückte und damit auch ihr Traum von einer Vollzeit-Musikerkarriere in Erfüllung ging, war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Rock-Elemente auch bei Fox And Bones einschleichen würden. Mit ´American Alchemy´ erreicht die angestrebte Symbiose aus Folk-Gegenwart und Rock-Vergangenheit nun ihren vorläufigen Höhepunkt. Markante Namen aus dem Roots-Revival-Lager wie Nathaniel Rateliff, Lake Street Dive, Delta Rae oder Dawes dienten ihnen dabei als leuchtendes Beispiel.

Tatsächlich hatten Fox And Bones auch in der Vergangenheit schon Songs mit dezenter Bandbegleitung aufgenommen, wenngleich die Songs stets auf die Performance der beiden Protagonisten konzentriert waren. Die neue LP dagegen entstand im Team mit Produzent Matt Greco sowie Mitstreitern an Bass, Schlagzeug und Gitarre. Das energiegeladene Klangspektrum der kompletten Band ist dabei vielmehr integraler Bestandteil der Lieder, anstatt nur schönes Beiwerk. „Genau so ist es!“, sagt Sarah. „Diese Songs waren von Anfang an für eine komplette Band konzipiert, und bevor die Pandemie zuschlug, haben wir auch deutlich mehr Shows gebucht, in denen wir nicht mehr nur zu zweit aufgetreten sind. Während der Pandemie sind wir dann zum Duo-Format zurückgekehrt, aber das Ziel, in Zukunft mit kompletter Band zu spielen, haben wir nicht aus den Augen verloren. Das ist der einzige Weg, diesen neuen Liedern gerecht zu werden.“

Hatten die zwei auf ihrem Debüt ´The Remarkable Adventures Of Fox And Bones´ vor allem ihre eigene Liebesgeschichte und auf ´Better Land´ dann ihre gemeinsamen Tourneeerlebnisse vertont, machen sie nun auch textlich einen Satz nach vorn und schauen über den berühmten Tellerrand, wenn sie ihre Themen im gesellschaftlichen Umbruch in ihrem Heimatland (´A Changing Of The Guard´) oder in persönlichen Tragödien in ihrem Umfeld (´Brandon’s Song´) finden. „In letzter Zeit ziehen uns vor allem Lieder an, die allumfassend sind, mit aussagekräftigen Texten, einem Rhythmus oder Beat, bei dem man nicht stillsitzen kann, und einer Produktion, die man nicht mehr aus dem Kopf bekommt“, sagt Sarah. „Ich wollte die Eingängigkeit des Pop und die Tiefgründigkeit des Folk gleichermaßen, und genau darauf haben wir bei diesem Album abgezielt. Persönliche Erfahrung zu verarbeiten ist prima, aber wenn du einen Weg finden kannst, ihnen auf clevere Art und Weise Allgemeingültigkeit zu verleihen, und so die Leute gleichzeitig zum Nachdenken, Tanzen und Rocken bringst, dann ist das für mich musikalische Perfektion!“

Man könnte auch sagen: Wenn am Ende mehr dabei herumkommt als die Summe der einzelnen Teile, dann ist das Alchemie, genauer gesagt ´American Alchemy´.



Aktuelles Album: American Alchemy (Dutch Records) VÖ 7.5.


Weitere Infos: foxandbones.com


Mai 2021
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