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MARKUS MARIA JANSEN

Alles in Butter

MARKUS MARIA JANSEN

Wohl dem, der die Auswahl hat. Als Mastermind von gleich zwei Bandprojekten (M. Walking On The Water und Jansen), Theater-Kompositeur und nicht zuletzt bildender Künstler und Freigeist hat Markus Maria Jansen ja nun wirklich keine Mühe, die erzwungene Auszeit der Corona-Krise mit Sinn und Inhalt zu füllen. Da kann es dann auch sein, dass das Eine zum Anderen kommt – beispielsweise das Aufräumen von Festplatten, Spazieren gehen, Blumen betrachten – und schon kommt dabei ein Album heraus. Einen Plan gab es jedenfalls nicht für „Baby Beuys und die Rücksichtslosigkeit der Hasen“, das erste Solo-Album von Markus Maria Jansen. Alles fing an, als Markus beim Spazierengehen einen brotförmigen Kieselstein fand.

„Ja, das war aber noch lange vor der Platte“, erklärt er, „ich habe tatsächlich einen länglichen Rheinkiesel gefunden und da ich zur Zeit auch viel Kunst mache – meine Frau hat Textilkunst und -design studiert und irgendwann habe ich dann mitgemacht – habe ich den Kiesel dann in Stoff eingenäht und dieses Objekt gemacht. Und dann habe ich noch ein Kreuz genäht und das alles mit Butter vollgeschmiert und das habe ich dann 'Baby Beuys und die Rücksichtslosigkeit der Hasen' genannt und das ist dann das Cover geworden.“

Okay – und wenn man dann weiß, dass diese Hasen dann ein Synonym für die „Braunen“ (also die Rechten und Nazis) sein können, dann ist Baby Beuys vermutlich ja der Meister selbst, oder?

„Nein – das ist alles sehr kryptisch“, widerspricht Markus, „als ich den Stein eingenäht hatte, sah der irgendwie aus wie ein Baby. Und ich weiß auch nicht wie das alles so kommt mit dem Fett und dem Kreuz. Vielleicht hängt das mit meiner Erziehung als katholischer Ex-Messdiener zusammen und deswegen kritisiere ich gerne mal die Kirche. Dann haben wir auch viel auf der Terrasse gesessen – dazu hat man ja jetzt Zeit im Corona Lockdown – und da stand noch ein Topf mit Stiefmütterchen, die jetzt auf dem Cover sind. Und was die Hasen betrifft, ist das rein assoziativ – und das möchte ich auch jedem selbst überlassen. Für mich ist das ganz lustig und das erste Stück war ja Stück 'Virus', das sich mit dem Nationalsozialismus beschäftigt.“

In der Tat veröffentlichte Markus im Mai zum Jahrestag des Ende des zweiten Weltkrieges in Europa ja das 11-minütige Stück 'Virus', in dem er das Verhältnis zum Nationalsozialismus im Nachkriegsdeutschland thematisiert.

„Ja, das ist ja ein explizit politisches Stück – wobei ich solche Themen ja ansonsten gar nicht so klar anspreche wie in diesem Song. Deswegen habe ich das übrigens auch nicht gesungen, sondern eher vorgetragen. Das kam dann alles zusammen und entstand durch Diskussionen mit meiner Frau und Filme und Radioberichte und passte alles irgendwie zusammen und ich habe mir überlegt, was mit unseren Familien zu dieser Zeit passiert ist.“

Virus war dann der Startpunkt – aber ansonsten kam das Album eher zufällig zustande.

„Ja, das war alles sehr spontan“, berichtet Markus, „als ich den Track 'Virus' aufgenommen habe, habe ich noch mal meine Festplatten durchgeschaut und dabei gesehen, dass ich da noch ein paar Songs aus dem Theaterstück 'Besuch der alten Dame' von Dürrenmatt in Krefeld hatte, zu denen es schon Texte gab – wobei wir allerdings nur die Musik verwendet hatten. Dann gab es noch ein paar Stücke, von denen ich nicht mehr wusste, wann ich sie gemacht hatte, die aber noch keinen Text hatten. Dazu habe ich dann etwas geschrieben, was mir halt so gefiel. Und da dachte ich mir: Das ist ja mal ein bisschen anders – vielleicht passt das ja zusammen. Dann habe ich die alle mal zusammengestellt und noch ein paar ganz neue Songs gemacht, die ungefähr in die Richtung ging und die dann alle ans Label geschickt – und da meinten die: Da müssen wir 'ne Platte rausbringen. Das war dann alles in einer Woche fertig und sehr spontan und assoziativ - ohne dass da viel inhaltlich nachgedacht wurde.“

Das heißt also, dass die Musik aus vorhandenen Beständen verwendet wurde?

„Ja, ich habe vorhandene Musik verwendet und verbessert“, berichtet Markus, „dann habe ich ja teilweise neue Texte geschrieben und gesungen sowie zwei Stücke ganz neu gemacht.“

Dafür hört sich das Album aber sehr schön rund und schlüssig an.

„Schön, dass Du das sagst – aber das finde ich eigentlich gar nicht“, zögert Markus, „ich habe die Stücke zwar neu gemischt, aber gerade bei den Tracks von dem Theaterstück auf der ersten Seite hatte ich mich ganz grob mal am Sound von Gang Of Four orientiert, weil der Andy Gill damals verstorben war und ich ein großer Fan von dem war. Das ist ja sehr krachig und reduzierte Gitarrenmusik und auf der zweiten Seite habe ich andere Sachen verwendet, um das für mich stimmig zu machen, weil ich immer sehr viel Wert auf die Form lege.“

Was müsste man denn noch über dieses Projekt wissen – also außer, dass es zunächst mal als LP und dann später ggf. noch als Digital-Version erscheint?

„Ich mach' jetzt hier einen Vinylbringdienst für meine Sonderauflage in Krefeld“, freut sich Markus, „also, man kann mich kontaktieren, dann bring ich mit der alten Vespa das gute Stück nach Hause. Hab ja genug Zeit im Moment.“ 
Noch zur Beruhigung für die Fans: Jansen und M. Walking On The Water sind natürlich nach wie vor aktiv. Das neue Album von M. Walking On The Water (das sozusagen im Quarantäne Modus im Patchwork-Verfahren entstanden ist) ist auch schon fast fertig; auch wenn sich Markus das Material seit einem Monat nicht mehr angehört hat – was aber vielleicht ja gar nicht so schlecht ist, da ihm so ja vielleicht später, wenn es um den Feinschliff geht, dann noch neue Ideen einfallen ...


Aktuelles Album: Baby Beuys und die Rücksichtslosigkeit der Hasen (rent a dog)

Foto: Maike Jansen

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