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LAMBCHOP

Ein Brief von Kurt

LAMBCHOP

Nicht erst seit dem letzten Album ´Flotus´ - auf dem erstmals elektronische Elemente im Zentrum der Betrachtungen standen - ist im Hause Lambchop eine Änderung des musikalischen und formalen Konzeptes zu beobachten. Auch auf dem neuen Album ´This (is what I wanted to tell you)´ experimentiert der Lambchop-Mastermind Kurt Wagner wieder mit Klängen, Arrangements und musikalischen Stilen – und führt dann alles in einer erstaunlich schlüssigen Synthese zusammen.

Von der Idee des aus möglichst vielen Personen bestehenden Kleinorchesters hat sich Kurt jedenfalls nun wohl endgültig verabschiedet. Heutzutage hält Kurt offensichtlich nicht mehr so viel davon, sein Universum ständig expandieren zu lassen, sondern konzentriert sich eher auf das Wesentliche.

„Genau“, bestätigt er, „denn die Verfügbarkeit der Technologie hat es mir ermöglicht, mehr Sachen in meinem eigenen Dunstkreis machen zu können. Genau genommen als einsames Bemühen eines Einzelnen. Und zwar über die Idee hinausgehend, mit der Gitarre und dem Cassettenrecorder zu arbeiten. Ich kann heutzutage viele Dinge überhaupt erst wegen der Technik, die mir heute zur Verfügung steht, verwirklichen.“

Das neue Album ´This´ gefällt insbesondere durch einen verspielten Flow, der fast so klingt, als sei da Improvisiert worden.

„Teilweise ist das auch so“, verrät Kurt, „ich habe das Ganze von vorneherein so angelegt, dass solche Elemente möglich waren. Das ist aufregend – weil das ein neues Element bei den Aufnahmen ermöglicht.“

Hat das irgendwas mit Jazz zu tun?

„Auf jeden Fall“, bestätigt Kurt, „die jazzige Spielweise kommt natürlich von den Musikern, aber die Möglichkeit, solche Elemente einzubringen, habe ich von vorneherein so festgelegt. Ich bin auch glücklich damit, dass sich das Ganze zuweilen regelrecht wie ein klassisches Piano-Jazz-Trio anhört.“

Der Titel des neuen Albums legt nahe, dass sich Kurt hier direkt an den Zuhörer wendet – etwa in der Art eines vertraulichen Gespräches oder eines Briefes. Ist das so?

„Ja, durchaus“, bestätigt Kurt, „aber es geht nicht um einen Brief an einen Freund, sondern einen Brief an den Hörer. Nicht die Hörer, wohlgemerkt sondern den Hörer - denn es ist alles sehr persönlich. Ich hatte mir die Sache als eine Art Konversation oder besser einen Vortrag oder einen Gedankenaustausch für einen einzelnen Zuhörer vorgestellt.“

Im Vorfeld stellte das Label die Texte des neuen Albums zur Verfügung. So richtig hilfreich war das aber nicht, denn worüber Kurt dann genau spricht, ist für Außenstehende schließlich kaum zu entschlüsseln.

„Das stimmt wohl“, räumt Kurt ein, „das mache ich aber absichtlich so. Meine Methode ist es, Ideen, Gedanken und Zitate zu sammeln und diese dann in eine Form zu bringen, die sich für mich richtig und passend anfühlt. Das wirklich letzte, worum ich mir Sorgen mache, ist die Frage, ob das Ganze Sinn macht. Für mich zählt nur, ob das alles intuitiv OK ist. Ich weiß selbst nie, warum ich etwas so oder so ausdrücke. Das Einzige was die Sache zusammenhält ist der Zeitraum, in dem ich diese Elemente versammelte und zusammen setze. Es ist dann eine Art nicht lineares Sachbuch für mich.“

Woraus ergibt sich für Kurt überhaupt das Thema des jeweiligen Albums?

„Das ist eine Sache, die erst nach dem Fakt entsteht“, erläutert Kurt, „ich schaue mir das dann an und suche nach einem roten Faden.“

Ist das auch der Grund, warum Kurt politische Aussagen in seinen Werke vermeidet.

„Nun ich vermeide offensichtliche politische Aussagen“, schränkt er ein, „aber selbstredend ist die Politik ein Teil meines Lebens. Am Offensichtlichsten wurde das auf dem letzten Album, das ja auf das Jahr 2016 zurück blickte. Dort, wo ich lebe, wird man ja bekanntlich täglich mit dem puren Wahnsinn konfrontiert. Und wie sollte einen das nicht beeinflussen? Jedenfalls auf eine unterschwellige Art.“

Aktuelles Album: This (is what I wanted to tell you) (City Slang / Rough Trade)



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