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Küsse für Fittipaldi

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Wenn einer 100 Gründe weiß, eben diesen (Grund) zu küssen und einen so assoziationsreichen Titel in freiem, minimalistischem, aber enorm facettenreichem Noiserock vertieft, ohne fertige Erklärungen schon in der (grafisch sehr gelungenen, weil ähnlich zurückgenommenen, dabei trotzdem klaren und beziehungsreichen) Packungsbeilage mitzuliefern - dann ist es (wieder) höchste Zeit für einen klärenden Anruf bei Gitarrist und Sänger Berger in Dresden.

Die Band hat ihre Wurzeln im DDR-Untergrund, ihr Vorläufer "Need A New Drug" erlangte in den 90ern einigen Ruhm - auch und gerade bei Kritikern, war aber stets von Besetzungsnöten und somit auch Provisorien geprägt. In Jörg Schneider (von der längst aufgelösten Rheinland-Legende "Les Hommes Qui Wear Espandrillos) hatte man nach langem Suchen einen geeigneten Trommler gefunden (und mit ihm schon 2003 "Amusement Park" eingespielt). Nun ist aus dem über Deutschland Ost (Dresden) und West (Hückelhoven) verstreuten Dreier ein Doppel geworden.



Habt ihr jetzt ein Bass-Problem oder braucht ihr keinen mehr?



Das war am Anfang die Frage. Inzwischen ist es so angelegt, dass wir keinen Bassisten mehr brauchen. Die Stimme übernimmt einen wichtigeren part. Die Shows, die wir bisher in dieser Besetzung gespielt haben, waren ziemlich gut und es hat eigentlich niemand einen Bass vermißt.



Und die 700 km, die zwischen der Band liegen, sind kein Problem?



Wir arbeiten dadurch konzentrierter. Ich komme für 10 Tage zu Jörg und wir machen in diesen 10 Tagen kontinuierlich Musik. Das ist etwas anderes, als mal 3, 4 Tage für einige Stunden in den Proberaum zu gehen.



Geschwindigkeit spielt bei euch ja gar keine Rolle. Langsam, aber mit voller Wucht. Für klassischen Kifferrock ist es aber zu vertrackt und bei aller Reduziertheit auch zu vielschichtig.



Unsere Musik ist sicher auch für Leute, die sonst weniger Rockmusik hören, interessant, weil's eine andere Art von Rockmusik ist. Bei uns liegt diese Intensität mit drin. Diese Platte lässt viel Freiraum, schon mit dem Beginn, dieses freie Gitarren- und Schlagzeugspiel und am Ende diese Strandgeräusche, die so auslaufen. Das drückt vielleicht auch eine gewisse Sehnsucht aus. Wir können das selbst gar nicht so begründen, es ist weniger gewollt. Gewollt ist nur Klarheit und Intensität.



Welchen Stellenwert haben denn die fieldrecordings. Davon gibt es ja einige, die Strandaufnahmen bei "ende + aus" oder diese fluchenden Russen am Schluss von "We Will Do What We Can".



Nee, das war in Wien auf'm Parkplatz.



Allzuviel Kalkül scheint auch gar nicht dahinter zustecken, denn viel mehr kriege ich zu diesem Thema nicht 'raus. Mit Guido Lucas habt ihr ja eine Idealbesetzung für euren Sound am Start. Wie groß war sein Einfluss?



Er ist ein wirklich guter Soundmann, sicher einer der besten auf diesem Gebiet. Aber eine Produzententätigkeit oder so war das nicht.



Auch die Songtitel sind ja sehr vielfältig und interpretationsfähig, bei einem schleppenden Noisestück wäre z.B. "Emmerson Fittipaldi" das letzte, was mir einfallen würde.



Er ist einer der wenigen Formel-1-Fahrer, die mir im Gedächtnis geblieben sind. Als Kind war ich ein großer Fan von ihm, schon rein von seinem outfit her. Der musste verewigt werden.



Die Platte läuft gut 40 Minuten - die klassische LP-Länge.



Meine Konzentration hört beim Plattenhören nach einer dreiviertel Stunde auf. Aber für unsere Musik muss man sich dann diese 40 Minuten auch nehmen und sie einfach hören. Ein Musikmagazin hat es abgelehnt, sich mit uns zu befassen, weil es "Musik zu sein scheint, mit der man sich näher befassen muss". Dazu fällt mir dann nichts mehr ein.



Mir auch nicht - außer vielleicht, das man eben auch die richtigen Musikmags lesen muss, um wirklich auf dem laufenden zu bleiben!



Weitere Infos: › www.gaffa-music.de

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