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M. WARD

Gefühle haben Wert

M. WARD

Matthew Ward ist ja nun wirklich niemand, der sich mit dem Thema Langeweile auseinandersetzen müsste. Denn nicht nur als Gitarrist und Songwriter unter eigenem Namen ist der Mann aus Portland, Oregon schließlich gut im Geschäft, sondern auch als Mitglied der Projekte She & Him (mit Zooey Deschanel) und mit der Supergroup Monsters Of Folk (mit Jim James und Conor Oberst), als Produzent etwa für Jenny Lewis oder Mavis Staples und als Gastmusiker für so unterschiedliche Acts wie Neko Case, Cat Power, Howe Gelb, Norah Jones, The Minus 5 oder My Morning Jacket. Ab und an findet er jedoch die Muße, wieder mal eine Songsammlung für sein Solo-Projekt M. Ward einzuspielen. Das aktuelle Werk, ´Migrant Stories´, widmet sich dabei einem Thema Migration - dass sich in Zeiten wie diesen je geradezu aufdrängt.

„Nun ich lese Zeitungen und schaue jeden Tag die Nachrichten“, berichtet Matt, „ich bin natürlich von dem betroffen, was in dieser Hinsicht speziell in Amerika gerade passiert. Ich bin ja nun wirklich kein Experte auf diesem Gebiet, aber ich meine doch, dass wir mit den Migranten mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede haben. Die faszinierende Geschichte der Einwanderung ist so alt, wie die Zeit, oder? Ich bin sicherlich nicht clever genug, irgendwelche umfassenden politischen Lösungen parat zu haben – aber ich habe stets eine emotionale Reaktion auf das Schicksal einzelner Individuen. Und daher kommen meine Songs auf 'Migration Stories'. “

Warum ist es als Songwriter wichtig, sich auf einzelne Personen zu konzentrieren? „Speziell als Texter ist es gut, ein konkretes Bild vor Augen zu haben“, erläutert Matt, „ein spezifisches Detail, an dem man sich festhalten kann. Davon abgesehen betrachte ich meine Texte als Verlängerung der Poesie – einfach weil ich seit meiner Highschool-Zeit Gedichte geliebt habe. Worauf ich aber eigentlich ziele, ist der berühmte Film, der noch gar nicht existiert. Der Vorteil der Musik gegenüber dem Film ist aber der, dass man mit Musik abstrakte Räume eher erfassen kann, als mit Bildern.“

Ist Matt Ward in diesem Sinne dann vielleicht auch ein Klangmaler?

„Ich fühle mich von zumindest von der Malerei beeinflusst“, überlegt er, „und ich denke beispielsweise viel über Licht und Schatten nach. Es vermischt sich da alles ein wenig. Es gibt da einen Komiker namens Dave Chapelle. Er sagt zum Beispiel, dass er Comedy als Möglichkeit betrachte, seine Meinung frei zu äußern und so Klassifizierungen zu umgehen. Er findet, dass seine Kunstform die beste der Welt ist – und für mich ist das eben die Musik. Ich bin in der glücklichen Lage, Musik mit Worten erschaffen zu können.“

Ist das vielleicht auch der Grund, warum Matts Musik so viele Interpretationsmöglichkeiten bietet?

„Ich denke schon“, bestätigt er, „ich liebe es z.B. mit Journalisten oder Menschen, die meine Musik gehört haben, zu sprechen, weil jeder seine eigene Interpretation hat. Das ist ein interessanter, aufregender Aspekt meiner Musik – dass sie ein offenes Ende hat.“

Wonach sucht der Meister dabei?

„Ich suche nach einem Gefühl“, führt er aus, „Songs, die für mich nicht funktionieren sind dabei nicht etwa gut oder schlecht. Es ist nur so, dass – wenn ich nichts dabei fühle – der Song für mich nicht funktioniert. Es ist ja auch unwahrscheinlich, dass etwas, was mich nicht berührt, andere Leute berühren könnte.“

Das heißt also, dass man Musik nicht bewerten sollte?

„Für mich gibt es keine gute oder schlechte Musik“, überlegt Matt, „wenn Musik ein Gefühl vermittelt, dann hat sie auch einen Wert. Wenn zum Beispiel ein Junge an der Highschool Power-Chords übt, die niemand hören will, dann hat diese Musik doch einen Wert – wenn sie diesem Jungen hilft, etwas zu entdecken, zu erforschen oder zu erfahren. Zum Beispiel auch, wenn es um das Scheitern geht.“ 
Nun, vom Scheitern ist M. Ward sicherlich weiter entfernt denn je. Im Herbst kommt er mit der neuen Scheibe dann auch auf Tour.
Aktuelles Album: Migration Stories (Anti / Indigo) Vö: 03.04.

Foto: Wrenne Evans

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