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BONSAI KITTEN

Leben und rocken lassen

BONSAI KITTEN

Zu Anfang nannte Tiger Lilly Marleen den Stil ihrer Band noch „Killbilly“ - eine eigene Wortschöpfung, um das ersten Albums ´Done With Hell´ zu beschreiben. „Da wir mit Punk- und Billy-Elementen gespielt haben und auch einen Kontrabass im Line-Up hatten, aber musikalisch trotzdem nicht komplett in einer Szene verankert waren, hat auch das Wortspiel dazu Spaß und Sinn gemacht.“

Doch über die Jahre kamen mehr Rockelemente dazu, der Kontrabass wurde durch den E-Bass ausgetauscht und der Sound und die Texte haben sich verändert.

Deshalb nennt sie die Musik von „Love And Let Die“ nun auch „Riot Rock“ - in den noch Blues- und Metal-Elemente gemischt werden. Bonsai Kitten waren eben schon immer eine Band, die in Bewegung geblieben ist.

„Ich halte persönlich nichts von Traditionen“, beschreibt die Frontfrau die Sache. „Sie beschneiden meiner Meinung nach die natürliche Neugier. Ich liebe Veränderung.“

Geplant waren die Veränderungen deshalb aber nicht – sie sind einfach passiert. „Schon allein, durch die neuen Mitglieder, die über die Jahre dazukamen und ihren Stil eingebracht haben.“

Und wo und wie hat sie ihre neusten Jungs gefunden?

„Ich habe Wally im Sommer 2018 nachts um halb drei vor dem Wild At Heart in Berlin kennengelernt. Dort geht man ja immer gerne nochmal hin, wenn man schon durch alle anderen Kneipen in der Wienerstrasse getingelt ist.“

Sie haben viele Gemeinsamkeiten entdeckt und als sie ihm erzählte, dass sie gerade keinen Gitarristen und Schlagzeuger hat, aber bald Konzerte anstünden, bot Wally an, zu helfen. Er war es auch, der Marc Reign als Schlagzeuger vorschlug, der damals noch in der Death-Metal-Band Morgoth war. Bassist Spoxx kennt Marc Reign noch aus den Zeiten, in denen sie zusammen bei Feeling B, spielten und „Spoxx ist ja nun schon seit fünf Jahren Bonsai Kitten Mitglied“.

Wally selbst hat mittlerweile, wie er sagt, das Lager gewechselt.

„Bei den V8Wankers bin ich seit Ende vergangenen Jahres endgültig raus und bei meinen schwedischen Freunden von Psychopunch helfe ich weiterhin aus, wenn sie mich brauchen.“

Er fühlt sich bei Bonsai Kitten ausgesprochen wohl.

„Wir haben alle ein sehr freundschaftliches und auch professionelles Verhältnis untereinander und das findet man heutzutage im Egosumpf der Mucker doch recht selten.“

Einziges Problem für das aktuelle Line-Up: Sie wohnen nicht alle in einer Stadt, denn Wallys Zuhause ist Mannheim und nicht Berlin. Ein Drama ist es aber trotzdem nicht:

„Wir haben uns darauf eingeschossen, jeder für sich zu proben und die Songs dann vor den Konzerten beim Soundcheck kurz durchzugehen. Das klappt super gut bis jetzt und spart sehr viel Zeit“, erklärt Tiger Lilly Marleen. Wally dazu: „Ich habe in Bands gespielt, die regelmäßig geprobt haben und bei weitem nicht so eine fantastische Energie und Spielfreude an den Tag gelegt haben, wie dieser verrückte Haufen hier.“

Mit dieser professionellen Einstellung, gingen dann auch die Aufnahmen schnell – sie haben nur vier Tage gebraucht.

Wally: „Jeder hat sich alleine vorbereitet und wir haben die Dinger dann einfach eingespielt. Es wurde nix nachbearbeitet oder gepfuscht.“

Er liebt alle Ecken und Kanten der Platte und glaubt fest, das die Fans es auch mögen werden. Besonders, weil alles auf Band aufgenommen wurde und Sound-Designer Alexander Brusencev die Scheibe analog, vor Ort in den Frankfurter Cream Studios, gemischt hat. Dieser ehrliche Klang macht dann auch den Charme von ´Love And Let Die´ aus.

Wenn sie jetzt auf Tour gehen, werden sie aber trotz des langes Weges der Band auch Songs aus den frühen Phasen spielen.

„Sie klingen durch die Besetzung ganz automatisch anders als im Ursprung“, erklärt Wally.

„Ich meine, mit Marc am Schlagzeug hat die Geschichte richtig Dampf auf dem Kessel und das macht tierisch Spaß.“

Die Chefin kann das nur bestätigen: „Ja, die alten Bonsai Kitten Songs bekommen durch Wallys ideenreiches Gitarrenspiel und Marcs ungebändigte Schlagkraft jetzt eine unglaubliche Variabilität, Temperament und Geschwindigkeit.“

Aktuelles Album: Love And Let Die (Sunny Bastards / Indigo) Vö: 13.03.



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