
Als das fabelhafte Gastspiel von Horsegirl im vollbesetzten Doornroosje in Nijmegen um kurz vor halb elf zu Ende geht, hat das liebenswerte Trio aus Chicago all das geboten, was schon seine beiden Alben "Versions Of Modern Performance" und "Phonetic On And On" ausgezeichnet hatte. Frei nach dem Motto "Always leave them wanting more" haben die drei knapp eine Stunde lang handverlesene Inspirationen – Yo La Tengo, Sonic Youth, Pavement, Camera Obscura, The Velvet Underground, Stereolab und die Television Personalities wurden an anderer Stelle bereits genannt – mit einem bewusst minimalistischen, streckenweise geradezu hypnotischen Sound ins Hier und Jetzt transportiert und bisweilen dissonant-noisige Gitarren mit unprätentiösen, oft melancholischen „Deadpan“-Gesangsharmonien und kindlich-verspielten Ohrwurm-Refrains zusammenfließen lassen. Abseits des allgegenwärtigen Hochglanz-Pop haben Horsegirl so auf eine willkommen kompromisslose DIY-Ästhetik und authentische Imperfektion gesetzt, mit alten und auch einer Handvoll brandneuer Songs zwischen verträumter Nostalgie und jugendlicher, ungezähmter Dringlichkeit begeistert und sich als erfrischende Antithese zum überproduzierten (Indie-)Mainstream empfohlen. Was das Konzert jedoch zu einem ganz besonderen Highlight macht, ist der charmante DIY-Spirit von Nora Cheng, Penelope Lowenstein und Gigi Reece – mit Gaffatape festgeklebte Keyboard-Tasten für das richtige Drone-Feeling inklusive. Die eigentlich sehr geräumige Bühne im Doornroosje verkleinern Horsegirl mit dem Aufbau ihres Equipments auf Proberaumgröße und sorgen so vom ersten Ton an für Intimität und eine gewisse Heimeligkeit. Zudem wirken die drei an diesem Mittwochabend in Nijmegen sympathischerweise immer noch so, als wäre das, was sie da tun, gar nicht real – etwa, wenn sie sich während und zwischen den Liedern immer wieder verstohlen anlächeln oder Lowenstein beim Betreten der Bühne angesichts des praktisch bis auf den letzten Platz besetzten Konzertsaals ernsthaft überrascht wirkt. Die jugendliche Leichtigkeit, die auch ihre Songs auszeichnet, strahlt in diesen Momenten besonders hell, oder anders gesagt: Wie leicht doch alles sein kann, wenn man das, was man macht, wirklich gerne tut!
Weitere Infos: https://www.horsegirlmusic.com/

