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SNAIL MAIL (20.06.2026, Columbia Theater, Berlin)

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Lindsey Jordan ist erwachsen geworden: Auf dem herrlich ambitionierten aktuellen Album "Ricochet" stößt das Snail-Mail-Mastermind die Tür zum Mainstream weit auf, tut das aber so kunstvoll und organisch, dass man sich problemlos einbilden kann, dass es hier allein um künstlerisches Wachstum geht und nicht etwa um den Versuch, radiofreundlich die heute entscheidende Kundschaft jenseits der Indie-Bubble zu erschließen. Auch bei ihrem einzigen Deutschland-Gastspiel im Berliner Columbia-Theater macht die 27-jährige Amerikanerin deutlich, dass in Sachen Indierock zwischen Nostalgie und Zeitgeist derzeit kein Weg an ihr vorbeiführt. Zwischen Grunge und Gefühl wird ihr 75-Minuten Auftritt so zu einer emotionalen Berg- und Talfahrt zwischen Katastrophen und Katharsis. Deshalb erlebt das Berliner Publikum auch kein makelloses, steriles Pop-Konzert, sondern eine bisweilen beeindruckend rohe Demonstration von musikalischer Reife und unbändiger Gitarren-Power. Musikalisch eröffnen Jordan und ihre vier Mitstreiterinnen und Mitstreiter mit der leuchtenden Indie-Hymne "Tractor Beam". Vom ersten Moment an wird dabei deutlich, dass sich Snail Mails Sound im Jahr 2026 spürbar verändert hat. Wo früher jugendlicher Herzschmerz regierte, stehen heute existenzielle Fragen über Sterblichkeit und das Älterwerden im Raum. Auch live rücken mit "Cruise", "Light On Our Feet" immer wieder Songs in den Fokus, die auch klanglich den nicht selten nachdenklich gestimmten Texten Rechnung tragen. Weil dank der leider im hinteren Bühnendrittel versteckten Multiinstrumentalistin Isadora Knutsen live die auf der Platte so prägenden Streicher nicht fehlen, entfaltet der Song auch auf der Bühne cineastische Weite und lässt darüber vergessen, dass Jordan live gesanglich nicht ganz an die Makellosigkeit der LP-Version herankommt. Manchmal hat sie aber auch einfach sichtbar Freude daran, ihr Publikum bei alten Favoriten wie "Valentine" oder - passend zum heißen Sommerwetter draußen - "Heat Wave" mit altmodischer Indie-Rock-Urgewalt regelrecht zu überfahren. Auch zwischen den Songs zeigt sich Jordan bestens gelaunt. So drückt sie lachend ihre Freude über den Besuch in der deutschen Hauptstadt aus, weil „Berlin so etwas ist wie das europäische Version von Baltimore“ und sie sich hier deshalb wie zu Hause fühlt oder verrät, dass sie in der Highschool Deutsch-Kurse hatte, aber leider inzwischen bis auf „Gute Nacht“ und „Auf Wiedersehen“ alles wieder vergessen hat… Anders gesagt: Während Jordan zu Beginn ihrer Karriere durchaus gerne mal in Selbstmitleid badete, verwandelt sie nun all die Frustration und die Selbstzweifel inzwischen in pure, krachende Energie - und das macht dem Publikum im Columbia Theater mindestens so viel Spaß wie ihr.


Weitere Infos: https://www.snailmail.band/


Juli 2026
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SKULLCRUSHER, JO FROM SCHOOL (10.06.2026, Die Wohngemeinschaft, Köln)
SNAIL MAIL (20.06.2026, Columbia Theater, Berlin)
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