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BLUSH ALWAYS & SLOE NOON (17.01.2024 Bumann & Sohn Köln)

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Sichtlich erfreut war Katja Seiffert – zusammen mit ihrer Band bekannt als Blush Always – über den Zuspruch bei ihrer ausverkauften, ersten Headliner-Show in Köln im Rahmen ihrer gerade gestarteten ersten Headliner-Tour. Besonders überraschend war der Zuspruch des generationenübergreifend breit gefächerten Publikums jetzt allerdings nicht, denn Everybody’s Indie-Rock-Darling du jour hatte ja schließlich bereits bei ihren ersten Auftritten in Köln – etwa beim letztjährigen C/O-Pop-Festival oder als Support-Act für My Ugly Clementine – bewiesen, dass sie mit ihrem dem Zeitgeist verpflichteten, aber handwerklich Old-School-mäßig in Szene gesetzten Selbstfindungs-Rock ein gewisses Erfolgskapital anzuzapfen versteht. Für geringere wäre es sicherlich ein Wagnis gewesen den Support-Slot an einen Lokalmatadoren-Act zu vergeben, der ungefähr die gleiche musikalische Nische besetzt, wie der Headliner. In dem Fall ging das aber total in Ordnung, denn Anna Olive (Böke), die zusammen mit ihrem Kollegen Dennis Mielke das Indie-Pop-Projekt Sloe Noon betreibt (und in Köln sogar mit ihrer kompletten Band aufspielen konnte) hat eine gemeinsame Historie mit Katja Seiffert, denn beide wohnten am Anfang der jeweiligen musikalischen Laufbahnen gemeinsam in einer Wohngemeinschaft. Tatsächlich – so erfuhren die Zuhörer dann aus dem Munde von Katja - war es Anna, die über den lobenden Zuspruch zu Katjas erstem eigenen Song „Blue“ (der natürlich an diesem Abend auch gegeben wurde) die Songwriterin erst ermutigt hatte, sich selbst cool genug zu finden, um letztlich eine Laufbahn als Musikerin konkret einzuschlagen. Dass Anna – wie eben Katja auch – eine Vorliebe für druckvollen Indie-Pop mit grungigem Einschlag hat, führte dann dazu, dass es dann ausnahmsweise mal einen musikalisch absolut passende Support-Show gab; auch wenn Anna & Co. die britischen Spielarten dieses Genres als Inspiration heranzuziehen scheinen und ihre Band obendrein in rhythmischer Hinsicht mit mehr Unerbittlichkeit zu Werke gehen, als die dann doch ambitioniert mit Dynamik arbeitende Blush Always-Combo. Ein gutes Beispiel für diesen Ansatz ist die gerade veröffentlichte, aktuelle Single „New > Old“ bei der Sprechgesang und treibender Rhythmus auf einen hinreißend/hymnischen Refrain folgen. Viele der Sloe Noon-Songs funtionieren nach diesem Prinzip. Wie üblich hielt man es vor Ort für notwendig, die Auftritte beider Bands mit ordentlich Kunstnebel einzudecken. Das wäre hier unnötig gewesen, denn besonders psychedelisch gingen beide Acts nicht vor. Tatsächlich stand in beiden Fällen eher die strukturelle Klarheit im Zentrum – und Katja lehnte auch die aus dem Publikum entgegen gebrachte Forderung, doch mal was Psychedelisches zu spielen mit dem Hinweis ab, dass sie sowas einfach nicht drauf habe. Es war zwar nur aus der Notwendigkeit geschuldet, aber es war dennoch von Vorteil, dass Blush Always das Programm der LP „You Deserve Romance“ mit dem Material der zuvor veröffentlichten EP „Postpone“ ergänzen konnten, denn so konnten sie darauf verzichten, gleich zu Beginn die Killer-Songs des Albums – allen voran natürlich „Coming Of Age“ und „Virtual For You“ - rauszuhauen, um die Fans mitzureißen. Das klappte auch mit Songs wie „Divers“ und „Postpone“ dann recht gut. Und als die „Hits“ dann dran waren, gab es systembedingt kein Halten mehr. Das stimmt allerdings nicht ganz, denn es war alles so eng gedrängt im Auditorium, dass man sich nicht wirklich gut bewegen konnte. Katja Seiffert überzeugte wie gewohnt als charmante Plauderin und erzählte zwischen den Songs, worum es in den Songs geht: Darum, dass – wie ihr LP-Titel ja schon sage - ein jeder Romantik verdiene; was ja nicht selbstverständlich sei, dass diese aber nicht seltsam sein müsse wie es in „Oddly Romantic“ heiße oder das man auch mal Quality-Time mit sich selbst verbringen könne, wie das ihr „Drinni-Song“ namens „At Home“ beschreibe. Dann verwies sie noch auf die neuen Backdrops (das eine mit ihren Lieblings-Emojis und das andere aus LPs gebastelt) sowie das Kuscheltier, welches sie von ihren Eltern geschenkt bekommen nabe habe und das an ihrer statt erröten könne und letztlich machte sie noch Werbung für ihre Bandmusiker, mit denen sie bei der Produktion der LP auf freundschaftlicher Basis zusammen gewachsen sei – besonders für Bassist Christian Lincke und seinen Insta-Account - weil Bassisten ja ansonsten immer im Schatten stünden, dieser aber nun mal der beste sei. Wie erwartet, war der Sound schön abrasiv und druckvoll, wobei es einen interessanten Kontrast zwischen Katja’s eher straightem Schrammel- und Grunge-Sound und dem spezifischen Digital-Effekt gab, den Gitarrist Dave Rossel selbst beim Stimmen nicht abstellen mag. Am Ende des Sets spielen Blush Always (noch) eine Coverversion als Zugaben-Rausschmeißer. In dem Fall war das der eher obskure Track „Underwater Boi“ von Turnstile. Kann man ja machen – das hätte aber auch ohne sowas alles gut funktioniert.


Weitere Infos: › www.blushalways.com


Februar 2024
ALEXIA GREDY (22.12.23 Jaki Köln)
BLUSH ALWAYS & SLOE NOON (17.01.2024 Bumann & Sohn Köln)
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