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KUOKO

Rau, reduziert und emotional

KUOKO

Insbesondere Hamburger Musikfreunde werden es schon mitbekommen haben: Seit einigen Jahren macht sich dort eine umtriebige Musikerin namens KUOKO bemerkbar und ist des öfteren auf den Bühnen der Hansestadt zu Gast, um dort ihre selbstgeschriebenen und produzierten E-Pop-Songs zu präsentieren. Nach der Veröffentlichung von zwei EPs - „Lost Woods“ von 2018 und „Reality Check“ von 2020 hat KUOKO nun genügend Erfahrungen (und Songs) gesammelt, um ihre ersten, selbst betitelten Longplayer vorzulegen. Hier präsentiert sie eine Sammlung atmosphärischer, zeitgemäß - aber nicht auf „hip“ - produzierter E-Pop-Songs, die zuweilen zwar auch mit lockeren Club- und Dance-Grooves bieten – bei denen aber vor allen Dingen ihr einfühlsamer Gesang, starke Melodien und nachdenkliche, zuweilen auch politisch motivierte Lyrics im Zentrum stehen.

Das interessante an KUOKOs Musik ist dann eben, dass es sich dabei zwar effektiv um ihre Art von (E)-Pop-Musik handelt, dass ihr aber eben Inhalte – auch politischer Natur – durchaus am Herzen liegen, die sie dann in ihren Songs auch thematisiert. Das ist ja insofern ungewöhnlich, dass das – zumindest in der kommerziellen Pop-Musik – ja keineswegs selbstverständlich Hand in Hand geht. Ist das ein bewusster Prozess für KUOKO?

„Na ja – ich drücke mich ja über meine Songs aus“, überlegt sie, „darüber, was mich bewegt und beschäftigt auf der Welt und für viele ist das Herzschmerz-Thema die Nummer 1 – und das kommt auch gut an – aber das ist nicht so mein Thema. Was sich über die Jahre bei mir grundlegend verändert hat, ist meine Sprache. Die ist auf jeden Fall direkter geworden. Ich glaube ich habe früher viel bildhafter – mit Metaphern – geschrieben. Das tue ich auch immer noch gerne und es hat ja auch seine Berechtigung – aber gerade mit Songs wie 'Perfect Girl' habe ich bewusst versucht, mich davon zu lösen und dann habe ich mich am Ende auch für sehr raue Textaufnahmen entschieden – anstatt vorher noch mal alles glattzubügeln oder andere Wörter zu verwenden. Ich denke, die Punchline ist für mich sehr ausdrucksstark und das tut sehr gut, diese dann auch zum Ausdruck zu bringen."

Der Song, auf den KUOKO sich da bezieht ist ein Empowerment-Statement über den Gegensatz von fremden Erwartungshaltungen und der eigenen Selbstwahrnehmung und gipfelt in der Erkenntnis: „I'll never be the perfect girl that you want me to be I'm too busy unlearning the shit that you taught me“. Wie angedeutet: Nicht unbedingt das, was man in einem catchy Pop-Song erwartet.

Ist das auch ein Stilmittel KUOKOs ernste und teilweise düstere Inhalte mit flotten Pop-Sounds zu kombinieren?

"Also ich finde 'Perfect Girl' gar nicht so fröhlich, muss ich sagen“, überlegt KUOKO, „ich finde das ist ein eher düsterer, elektronischer Song, der seinen Drive durch das Tempo bekommt. Bei 'Yellow Fever Gaze' ist das etwas für mich komplett Neues, was ich ausprobiert habe, fröhliche Musik mit ernsten Inhalten zu kombinieren. Wie ich darauf gekommen bin, weiß ich gar nicht mehr – es war aber eine gute Erfahrung."

KUOKO legt als wahre Selfmade-Woman Wert darauf, den ganzen Produktionsprozess vollständig alleine zu gestalten – und spielt dabei natürlich auch alle Instrumente selbst ein. Ihre Musik klingt dabei allerdings sehr transparent und auf gewisse Weise auch reduziert. Ist das ein bewusster Prozess?

"Ja ich finde das sehr wichtig“, erklärt KUOKO, „und ich mag das grundsätzlich gerne, wenn es reduziert ist, weil es auch einen guten Song auszeichnet, wenn er reduziert ist. Heute habe ich zum Beispiel zum ersten Mal einen Song auf der Bühne nur mit der Gitarre gespielt und dazu gesungen, um den Leuten zu zeigen, dass meine Stimme auch ohne Beat eigentlich ganz OK klingt. Es hat auch eine andere Wirkung auf den Körper, wenn man reduziert. Das ganz Reduzierte hat etwas sehr Fragiles und auch Schönes und Emotionales für mich."

Wer also mal nach einer Künstlerin aus dem E-Pop-Bereich sucht, der songorientierten Strukturen, starke Melodiebögen, konkrete inhaltliche Aussagen und Botschaften und eine originelle visuelle Präsentation wichtiger sind, als die bloße Audruchtung auf eine mögliche Club-Tauglichkeit, der ist bei KUOKO zweifelsohne an der richtigen Adresse.

Video: „Perfect Girl“ https://www.youtube.com/watch?v=i3qU80fDabI

Aktuelles Album: Kuoko (Kabul Fire Records)



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