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MAPLE GLIDER

Gespeicherte Erinnerungen

MAPLE GLIDER

Neu im Geschäft ist die australische Songwriterin Tori Zietsch nicht wirklich: Bereits 2018 veröffentlichte sie zusammen mit ihrem Jugendfreund Daniel Pinkerton unter dem Projektnamen Seavera erste eigene Songs. Da sich die musikalischen Visionen aber im Folgenden als zunehmend inkompatibel erwiesen – nicht zuletzt, da Daniel elektronische Produktionsweisen bevorzugte, während sich Tori zu akustischen Klängen hingezogen fühlte – wurde das Projekt aufgegeben und Tori nahm sich eine Auszeit um zu reisen und sich über ihre Zukunft klar zu werden. Nach einem längeren Aufenthalt im britischen Seebad Brighton hatte sie genügend Material und Ideen für neue Songs gesammelt und die Entscheidung getroffen, ins heimatliche Melbourne zurückzukehren und dort zusammen mit ihrem Kollegen Tom Iansek (der auch als Musiker und Produzent - z.B. für The Paper Kites oder Lisa Mitchell - arbeitet) für ihr Debüt-Album „To Enjoy Is The Only Thing“ unter dem neuen Projektnamen „Maple Glider“ einzuspielen. Ein „Maple Glider“ ist dabei ein kleiner, indigener Flugbeutler, der Tori nachdrücklich beeindruckte.

In einem Interview verriet Tori einmal, dass sie ihre Songs als Erinnerungen betrachtet – was eine interessante Idee ist, denn schließlich gibt es keine mechanische Möglichkeit, Erinnerung wirklich zu dokumentieren und aufzubewahren – und wie uns die Psychologie lehrt, können wir und diesbezüglich auf unsere Hirne alleine ja nicht verlassen.

„Ja, das habe ich gesagt“, bestätigt Tori, „es ist allerdings gar nicht immer meine Absicht, Erinnerungen auf diese Weise festzuhalten, denn wenn ich einen Song schreibe, dann um mir Klarheit über etwas zu verschaffen oder um etwas zu verarbeiten. Die Tatsache, dass man auf diese Weise aber auch Erinnerungen, Erfahrungen oder Gefühle bewahren kann, ist natürlich trotzdem herrlich. Das ist dann so, als könntest Du in der Zeit zu diesen Momenten zurückkehren und dich Fühlen, wie damals. Das ist sehr ungewöhnlich und interessante Sache, die man so machen kann.“

Ist dieser therapeutische Aspekt die Sache, die Tori bewogen hat, sich mit der Musik zu beschäftigen – oder gibt es dafür auch musikalische Gründe?

„Das ist eine interessante Frage“, überlegt Tori, „denn ich liebe es zu schreiben. Ich hätte eigentlich jede Art von Schriftstellerin werden können, aber die Musik war auch immer etwas, was ich geliebt habe. Ich habe viel Musik gehört, als ich aufgewachsen bin und habe immer gesungen und mir Melodien ausgedacht. Ich habe dann auch festgestellt, dass man mit Musik einen Rückzugsort hat, um Zeit für sich selbst zu haben. Ich weiß, dass ich mich auf die Musik immer verlassen kann, wenn es darum geht, mit meinen Gefühlen klarzukommen. Das mache ich aber auch, indem ich schreibe. Es ist also wohl so, dass ich all diese Funktionen auf für mich hilfreiche Weise miteinander verbinde."

Wie dem auch sei: Klassisches Storytelling kann so natürlich nicht entstehen. Stattdessen entblößt sich Tori in ihren Songs – zumindest in emotionaler Hinsicht - mehr oder minder. Gibt es irgend etwas über sich selbst, was sie NICHT in ihre Songs einfließen lassen würde.

„Hm - vielleicht“, meint sie schmunzelnd, „ich weiß bloß noch nicht so recht, was das sein könnte, weil ich es bislang nicht gefunden habe."

Musikalisch hat sich Tori für ein akustisch geprägtes Folk- und Dreampop-Setting entschieden, wobei sie zusammen mit Tom Iansek mit auf das Wesentliche reduzierten Arrangements dann auch alles selbst einspielte. Was ist denn für Tori das Wichtigste den Sound ihrer Musik betreffend?

„Oh – ich weiß gar nicht, ob ich das beantworten kann“, zögert Tori, „denn vieles, was ich mache ist sehr intuitiv. Das, was ich tue, basiert nicht auf Wissen, welches ich erlernt habe. Wie ich meine Instrumente spiele oder etwas mit meiner Stimme versuche ist das, was sich für mich in dem Augenblick richtig anfühlt. Ich weiß also gar nicht wirklich, was ist tue und verlasse mich da ganz auf meine eigene Urteilsfähigkeit. Das ist es dann auch schon. Ich verlasse mich darauf, Sounds und Melodien zu finden und wenn sie sich richtig anfühlen, dann bleibe ich dabei. Es ist alles nicht irgendwie geplant. Ich bin da sehr fließend, was meinen Ansatz betrifft."

Vielleicht ist es aber auch gerade dieses unkalkulierte, organische Element, was Toris Musik auszeichnet, denn nur auf diese Weise gelingt es ihr, ihren Gedanken und Emotionen auf intuitive Weise Ausdruck zu verleihen – und das macht sie nahbarer als viele ihrer Kolleg(innen).

Aktuelles Album: To Enjoy is the Only Thing (Partisan) VÖ: 25.06.


Weitere Infos: Video „Baby Tiger“ https://www.youtube.com/watch?v=MDVcE_wLOjM Foto: Bridgette Winten

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