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THE TREMOLO BEER GUT

Dogmen für die Charakterbildung

THE TREMOLO BEER GUT

Willkommen zurück, Tremolo Beer Gut! Dreizehn Jahre nach dem letzten Studiolebenszeichen mit eigenen Songs veröffentlicht die skandinavische Instrumental-Combo mit ´You Can´t Handle…´ ein neues Album, auf dem der Weg von der Garage zum Strand nie weit ist und Spaß großgeschrieben wird, nicht zuletzt, weil dieses Mal viele illustre Gäste mit dabei sind, darunter Sune Rose Wagner (TBG-Gründungsmitglied und später bei The Raveonettes), Jon Spencer und Cristina Martinez (Boss Hog), Evan D. Foster (The Sonics und Boss Martians), The Courettes, Chris Barfield (The Huntington Cads), Jarno Varsted und Patrik Bartosch (Eggstone).

Es war eine lange Auszeit, die sich Tremolo Beer Gut gegönnt haben, zum Glück hat sich nicht wahnsinnig viel verändert. Das Faible für garagigen Surf-Rock ohne große Worte, der von John Barrys Soundtracks und den Pixies genauso beeinflusst ist wie von den frühen Helden des Genres und für die Band aus Kopenhagen seit jeher eine wichtige Rolle spielte, ist auch auf ´You Can´t Handle…´ spürbar, denn wie sagt Schlagzeuger Yebo im Westzeit-Interview so treffend:

„Surf-Rock eignet sich ziemlich gut, um zwei bis drei Minuten zu verbringen!“

Dabei gehört es für viele Künstler doch heute längst zum guten Ton, sich regelmäßig neu zu erfinden. Hatten die Musiker von The Tremolo Beer Gut eigentlich nie den Wunsch, mal alles über Bord gehen zu lassen und sich an etwas komplett anderem zu versuchen?

„Wenn wir uns zu unserem traditionellen Weihnachtsessen treffen, setzen wir uns stets neue Ziele, zum Beispiel eben auch, neues Terrain zu erobern“, verrät Gitarrist The Great Nalna. „Alben mit Gesang, neue Genres, viele Gäste und jede Menge anderer Blödsinn ist dabei genannt worden. Am Ende landen wir aus irgendwelchen Gründen immer wieder in Instrumental-Sphären – auch wenn wir dieses Mal tatsächlich viele Gäste dabei haben.“

In der Tat macht die beachtliche Gästeliste auf ´You Can´t Handle…´ den Unterschied. Stand dabei der Wunsch der Band im Mittelpunkt, neue musikalische Impulse zu erhalten, oder ging es doch eher darum, speziell in den tourneelosen Zeiten der Pandemie den Kontakt zu all den alten Weggefährten nicht abreißen zu lassen?

„Beides!“, antwortet Schlagzeuger Yebo. „Dass alle Gäste unsere Freunde und natürlich auch supercoole Menschen sind, hat eine Menge ausgemacht. Ich denke, wir haben uns aber dieses Mal auch gefragt: Was brauchen die Songs, was wir selbst ihnen nicht geben können? Das gilt für Patriks und Jarnos Akkordeon und Mundharmonika bei ´Date At The Slow Club´ und ganz besonders auch für die Killerstimmen von Spencer und Martinez. Dass Evan bei ´Jive Jimmie Juma´ dabei ist, war obligatorisch, denn von ihm stammt der Ausspruch, der zum Titel wurde. The Courettes sind als Band und Paar einfach toll und haben großartige Gesangsarbeit beigetragen. Sie schuldeten uns eh noch einen Gefallen, weil wir zuvor Hintergrundgesang für sie gemacht hatten."

Letztlich mag das Band die Arbeit innerhalb eines abgesteckten Rahmens, innerhalb dessen sie in den zwei Jahrzehnten nun wirklich jede erdenkliche Ecke beleuchtet haben.

„Wir wenden bei der Arbeit einige unausgesprochene Dogmen an, bleiben dabei aber den Beschränkungen unseres Genres treu”, erklärt Bassist Per Sunding, der mit dem zweiten Gitarristen Jengo das Quartett komplettiert. „Es ist unabdingbar, deiner Kreativität freien Lauf zu lassen, ohne dass du deshalb an einem Ort landest, an den dich niemand begleiten möchte."

Auch Yebo sieht die Vorgaben keinesfalls als Hindernis und erklärt das herrlich verrückte Credo der Band noch etwas ausführlicher:

„Die Band ist so ausgelegt, dass es in erster Linie darum geht, Spaß beim Spielen zu haben. Zudem bestehen wir auf ein paar strikten Regeln, etwa, dass wir nur mit richtig gut aussehenden Mikros aufnehmen, nie Musikvideos machen, (fast) nie proben und uns ein gewisses Maß an Fehlern im Studio wie live erlauben, damit die Energie und der Spaß des Rock´n´Roll im Vordergrund stehen. Wir benutzen jede Menge Bühnennebel und fast ausschließlich rotes Licht. Als wir unser erstes Pressefoto und Cover hatten, haben wir beschlossen, nie wieder neue zu machen, sondern immer das gleiche Bild für unsere Veröffentlichungen zu benutzen – was wir bis heute tun! Diesen Dogmen zu folgen und zu sehen, was wir innerhalb der vorgegebenen Grenzen anstellen können, war anfangs eine interessante kreative Herausforderung, inzwischen hat es sich längst zur Lebensart der Band entwickelt. Man könnte auch sagen: Es hilft bei der Charakterbildung!"

Aktuelles Album: You Can´t Handle (Crunchy Frog / Membran)


Weitere Infos: › www.facebook.com/thetremolobeergut Foto: Jessica Tolf Vulpius


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