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KHRUANGBIN

Der Pate

KHRUANGBIN

Der im Titel des dritten Albums des texanischen Trios Khruangbin besungene Morchechai ist ein Freund von Bassistin Laura Lee – und letztlich dafür verantwortlich, dass es auf fast allen Tracks nicht nur Stimmen, sondern auch Texte zu hören gibt. Das ist insofern ungewöhnlich, als dass das Trio aus Houston – abgesehen von der Kollaboration mit dem Neo-Soul-Prodgy Leon Bridges auf der EP „Texas Sun“ - bislang vor allen Dingen als instrumental agierendes Ensemble auf sich aufmerksam machte.

Was war also geschehen? Nun: Der besagte Mordechai lud Laura Lee ein, mit seiner Familie zu einem Wasserfall zu wandern und von diesem herunterzuspringen. Dieses war für Laura dann eine derart starke spirituelle Erfahrung, dass sie diese als Taufe, Wiedergeburt und Erleuchtung zugleich empfand – und sie dazu anregte, ihre Gedanken in Notizbüchern festzuhalten aus denen heraus dann Textideen für die nun vorliegenden, neuen Songs zu entwickeln. Morchechai ist also demzufolge der Taufpate für das erste Khruangbin-Album auf dem Inhalt und Form sich zumindest gleichwertig annähern.

Wie es dazu kam, erläutern Gitarrist Mark Speer und Drummer DJ Johnson – die natürlich auch von der Corona-Situation beeinträchtigt sind.

„Ja, so schnell werde ich wohl kein Flugzeug mehr besteigen können“, erläutert Mark, der in Oakland festsitzt, „zur Zeit kann ich außer Essen machen und Brot backen nichts tun, um geistig gesund zu bleiben.“

Dabei haben Khruangbin insofern besonderes Glück gehabt, als dass die Inspiration für die Songs der neuen Scheibe in einer Auszeit entstanden, die momentan gar nicht möglich war. In dieser Auszeit traf Laura Lee dann auch den besagten Morchechai.

„Es ist fair zu sagen, dass er der Grund dafür ist, dass es nun mehr Texte auf dem Album gibt“, erläutert Mark, „er hat sozusagen alle 10 Stücke auf diesem Album zu verantworten.“ 
Was hat Khruangbin denn daran gereizt, dieses Mal mehr mit Texten zu arbeiten – bzw. warum war das bislang nicht so wichtig?

„Wir versuchen eigentlich einfach nur die aufrichtigste Musik zu machen, die wir machen können“, erklärt DJ Johnson, „und werden dabei selbst von der Musik beeinflusst, die wir mögen. Natürlich kommen diese Sachen dann auch in unserer Musik zum Ausdruck und wir möchten natürlich auch den Künstlern, die wie mögen, Tribut zollen.“

Und dazu gehören auch solche, die mit Texten arbeiten – wie zum Beispiel der Kollege Leon Bridges?

„Ja - es gibt ja eine Unzahl an Möglichkeiten, sich innerhalb unseres Settings zu bewegen“, fügt Mark hinzu, „es gibt insbesondere viel Raum in unserer Musik. Es geht uns darum, diese Möglichkeiten und Räume zu erforschen – und dazu gehören auch Texte.“ 
Wie entstehen überhaupt die Songs von Khruangbin. Es klingt ja, als entstünden die Stücke – ob mit oder ohne Vocals – aus relaxten Jam-Sessions heraus.

„Wir jammen eigentlich weniger“, schränkt Mark ein, „es gibt selten mal Situationen, in denen wir einfach drauflos spielen. Alle unsere Stücke basieren auf Drum & Bass-Mustern. Meist schickt DJ ein paar Drumparts rüber, zu denen Laura dann Basslinien einspielt und erst dann schaue ich mit der Gitarre, was daraus machen lässt. Es gibt Tricks und Techniken, das zu erreichen – die ich aber gar nicht verraten möchte, weil das einen Teil der Magie ausmacht.“

Was ist dabei die Herausforderung? „Oh – es ist furchterregend, wenn Du keine Zeit hast, Musik zu schreiben“, gesteht Mark, „wenn man auf der Tour ist, denkt man immer, dass man Zeit genug hat – das stimmt aber nicht. Manchmal habe ich nicht mal Zeit zu üben – geschweige denn Zeit zu schreiben.“
Obwohl es bei den Texten bei „Mordechai“ nicht um klassisches Storytelling geht, gibt es aber doch ein inhaltliches Thema, und das ist die Erinnerung.

„Ja, das stimmt“, bestätigt DJ, „wir möchten aber nicht wirklich erklären, worum es in den einzelnen Songs geht. Es geht im Allgemeinen um die Erinnerung, die Zeit, und sich bestimmte Sachen aufzuschreiben, damit man sie nicht vergisst. Das ist der rote Faden, der sich durch alle Songs zieht – die dann aber natürlich auf ihre Weise schon ziemlich verschieden sind.“ 
Kurzum: Obwohl es auf „Mordechai“ nun im Vergleich deutlich mehr Worte gibt, als auf den vorangegangen Khruangbin-Alben, ist sich das Trio in musikalischer und konzeptioneller Hinsicht dann doch wieder eher treu geblieben.
Aktuelles Album: Mordechai (Dead Oceans / Cargo)



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