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PHILLIP BOA & THE VOODOOCLUB

Zurück in die Zukunft!

PHILLIP BOA & THE VOODOOCLUB

Nach vielen Jahren und wechselnden Formationen stabilisiert sich der Voodooclub zusehends. Am neuen Album sind abermals weitere alte Weggefährten beteiligt, konterkariert durch einen relativ jungen Producer. Im Ergebnis ergibt das 13 Tracks, die auch in 15 Jahren ihren Zauber nicht verloren haben, hofft Chefdenker Phillip Boa im WZ-Interview. Es ist ihm zuwider, in den Songs das Entstehungsjahr zu erkennen...

Natürlich bedeutet das nicht, gute Sounds aus vergangenen Tagen zu ignorieren. An Beispielen mangelt es nicht. The Velvet Underground & Nico veröffentlichten 1967 ihr Debut- Album mit dem berühmten „Bananencover“, inklusive „All Tomorrow´s Parties“. Die neue Voodooclub-CD erinnert mit „In Todays Parties“ latent an diese Zeit.

„Am Anfang war nicht viel da, bis auf die schrappelnden, VU-mäßigen Gitarren. Dazu kam die Stimmung, die mich an die Nico-Zeiten erinnerte. Ich glaube, dass mir deswegen diese Textzeilen dazu eingefallen sind. Es ist eine Hommage an die Zeit“, erklärt Boa. Anhand von „Collective Dandyism“ erläutert er weitere historische Bausteine.

„Als die Gitarristen den Song eingespielt haben, wußte ich nichts von dem Riff, dass jenem von ´Peter Gunn´ (Emerson, Lake & Palmer / Henry Mancini - Anm. D. Verf.) ähnelt. Wenn Leute sagen, es ist geklaut, dann hat es der Künstler zu 99% nicht absichtlich getan. Es gibt bereits alles, dass ist das Problem! Natürlich ist es nicht 1/1 ´Peter Gunn´. Selbst wenn, ginge es als Zitat durch. Du machst auch Musik für 18-jährige, die kennen das nicht. Das ist Kunst, du kannst machen, was du willst.“

Einer der o.g. Gitarristen ist der knapp 30-jährige Tobias Siebert (klez.e, Delbo), der zusätzlich den Producer-Job erledigt hat.

„Er kennt unsere alten Platten, und hat viel gespielt, konnte sich sehr in mich hineinversetzen. Zudem hat er eine Menge Zeit, die ein Tony Visconti (Ex-Boa-, T.Rex- u. Bowie-Producer) nicht hat. Diese Zeit brauchte ich. Es war interessant, einmal mit einer anderen Generation zu arbeiten. Tobias hat die Songs nicht verändert, aber er hat ihnen sozusagen ein anderes Kleid gegeben. Irgendwie zeitgemäßer, trotzdem zeitlos.“

Siebert arbeitete als Produzent bereits mit Hund Am Strand und Virginia Jetzt!. Letztere ließen ihr aktuelles Albumcover von Dirk Rudolph gestalten.

Seit „Decadence & Isolation“ (2005) gestaltet Rudolph (illustrierte bereits 1986 die zweite Voodooclub-LP „Aristocracie“) ebenfalls wieder die Boa-Artworks. Zu „Faking To Blend In“ kehrten kurzzeitig gar die Originalmitglieder ´The Voodoo´ und ´Der Rabe´, zeitgleich Drummer der erfolgreichen 80er-Ära,zurück.

„Vieles hat sich wieder vereinigt, aber sie haben nicht mehr die Rolle von früher. Das wäre nicht echt gewesen. ´Der Rabe´, als Vorproduzent, hat mir in einer schlimmen Phase geholfen, hat die Songs aufgepeppt. ´Voodoo´, war zufällig im Studio und hat beim ersten Lied die Voodoo-Trommeln von Tobias kaputt gehauen / gespielt.“

Originalsängerin Pia Lund, seit „C90“ (2003) wieder aktiv am Voodooclub beteiligt, verleiht dem Projekt das ureigene Profil zurück.

„Das Pia dabei ist, ist schon cool, weil man so die Melodie für sie schreiben kann. Das ist ein Extra-Potential, aus dem man schöpfen kann.“

Boa lässt alte Freunde / Geschäftspartner nicht hängen. So durfte ein langjähriger Partner die Titel verlegen, der gerade mit einem Label in unruhige Business-Gewässer geraten war.

„Carol co-verlegt die Songs! Einfach, weil er Carol ist. Er hat gerade ein bisschen Pech gehabt, da fände ich es jetzt nicht schön, wenn ich ihm die Verlagsrechte nun nicht mehr geben würde.“

Fazit?

„Die Stücke 3-13 sind die richtig wichtigen für das Album. Außer ´You Are A Parasite But I Love You´, und vor allem ´How Much Can You Swallow´, die ich weniger wichtig finde. Mein Lieblingsstück ist ´The Night Before The Last Was Saturday Night´. Das erste Lied ´On Tuesdays I´m Not As Young´ wird Single, weil es sich so anbietet. Es ist ein typisches Boa-Lied mit Hookline und Gitarren. Es ist wichtig, dass es auf dem Album ist, aber es ist für mich keins der wichtigen Stücke. ´Girl Is A Runner´ übrigens noch weniger...“.

Respekt, nicht nur für offen kommunizierte Selbstkritik!

Aktuelles Album: Faking To Blend In (Motor Music) VÖ: 03.08.


Weitere Infos: www.phillipboa.com Foto: Olaf Heine

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