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ADA LEA

Sähen oder Nähen?

ADA LEA

Auch wenn sich die Songs ihres zweiten Albums nicht mehr ganz so eklektisch und komplex anhören wie jene, die sie auf dem Debüt-Album „What We Say In Private“ veröffentlichte: Ein Fall für geradlinige Popmusik ist die Kanadische Songwriterin Alexandra „Ada Lea“ Levy immer noch nicht. Der Teufel liegt aber heutzutage eher im Detail oder der Nuance, einer umgedrehten Perspektive oder einer selbstironischen Phrase als in einem überambitionierten stilistischen Generalangriff. Wahrscheinlich lag es auch an Produzent Marshall Vore (der auch gleich noch Harrison Whitford und Christian Lee Hutson aus dem Phoebe Bridgers Dunstkreis als Gäste mitbrachte), dass das nun vorliegende Album mit dem rätselhaften Titel „One Hand On The Steering Wheel And The Other Sewing A Garden“ musikalisch geschlossener klingt als das Debüt. Aber lassen wir doch mal Ada selbst berichten, was es mit dem Werk auf sich hat.

„Also es war vom vorneherein geplant, das Album in den Staaten aufzunehmen“, berichtet Ada, „das war definitiv eine Herausforderung für mich – aber wir haben uns zusammengerauft und es war schon etwas Anderes, in Los Angeles aufzunehmen, als in Kanada. Marshall Vore und Harrison Whitford leben ja zusammen und dann kamen noch ein paar Freunde hinzu – wie Johanna Samuels oder Sarah-Jane Tomberlin."

Nun ist das so, dass das Album quasi ein Portrait der kanadischen Metropole Montreal geworden ist. War das so angelegt – oder hat sich das ergeben?

"Also ich habe die Songs im Prinzip im Laufe der Zeit zusammengetragen“, erinnert sich Ada, „der erste Song, den ich schrieb hieß 'Hometown'. Der hat es zwar nicht auf die Scheibe geschafft, aber das Thema vorgegeben. Das ist ziemlich früh in dem Prozess passiert, so dass ich die anderen Songs dann mit dieser Idee im Kopf schrieb."

Was will uns der zugegebenermaßen coole Titel der Scheibe „One Hand On The Steering Wheel And The Other Sewing A Garden“ sagen? Hier muss man schon genau hinschauen, denn Ada spricht hier davon, eine Hand am Steuer zu haben und mit der anderen einen Garten zu „nähen“. („sowing“ hätte hingegen „säen“ bedeutet).

"Ich habe an einem Poesie-Workshop bei dieser erstaunlichen Künstlerin Sarah Burgoyne in Montreal teilgenommen“, berichtet Ada, „sie ist eine experimentelle Poetin und der Titel entstand dann während eines solchen Experimentes. Ich mochte die Idee der freien Assoziation: Ein Wort zu nehmen, das wie ein anderes klingt aber eine ganz andere Bedeutung hat, wenn es geschrieben wird."

Ada's Songs stellen eigentlich eine Sammlung von Erinnerungen dar. Ging es ihr vielleicht sogar drum, Erinnerungen auf eine subjektive Weise festhalten zu können?

"Nun so habe ich darüber noch gar nicht nachgedacht, aber das ist eine sehr schöne Idee, denn das ist ja was, passiert ist“, meint sie, „die Kunst und die Musik sind ja die einzige Möglichkeit, Erinnerungen auf diese Weise einfangen zu können."

Wurde das dann auch für Sie zum Thema der Scheibe?

"Da ist schwer zu sagen, denn das Thema entwickelte sich ja erst während des Prozesses“, zögert Ada, „eine Idee entwickelt sich schließlich aus der anderen und deswegen ist die ganze Sache nicht so linear, wie es scheinen mag. Ich weiß auch gar nicht mehr was als erstes passierte."

Was zeichnet denn einen guten Song für Ada aus?

"Das ist eine gute Frage“, überlegt sie, „ich denke ein guter Song kann entweder ein lebendiges Bild in Deinem Kopf erzeugen – und zwar so offen, dass Du die Lücken selbst füllen kannst – oder aber statt eines Bildes auch ein Gefühl einfangen. Es gibt verschiedene Methoden, das zu erreichen – beispielsweise die eigenen Erinnerungen zu teilen und dadurch in einen ehrlichen Austausch mit anderen zu treten."

Ist es auch das, was Ada mit ihrer Musik bei ihrem Publikum erreichen möchte?

"Wenn ich von Leuten höre, dass sie einen Zugang zu meiner Musik haben, dann ist das sehr erfüllend“, führt Ada aus, „das - und Leute zu treffen und mit Ihnen über meine Musik zu sprechen. Ich habe gelernt, dass die Verbindung zu den Menschen das Einzige ist, was wirklich zählt. Es macht auch am meisten Spaß. Was ich hingegen gar nicht mag, sind die logistischen Aspekte meiner Arbeit – also Pläne und Tabellen zu machen. Das ist wirklich lästig."

Aktuelles Album: one hand on the steering wheel the other sewing a garden (Saddle Creek / Rough Trade)



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