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JOSH RITTER

Der unoriginelle Weltenerschaffer

JOSH RITTER

Quasi über die Hintertür – nämlich über Irland, wo er seine ersten Erfolge einfahren konnte – baute sich der US-Songwriter Josh Ritter im Laufe der Jahre eine solide Karriere zusammen, die ihn zuletzt mit den Großen des Genres zusammenbrachte und auch zu einer massenkompatiblen Präsenz im US-Fernsehen führte.

Nun legt er mit "So Runs The World Away" sein fünftes Album vor – und es ist eines geworden, dass aufgrund seines universellen Appeals und der musikalischen Vielseitigkeit das Potential eines Instant-Klassikers in sich birgt – nicht nur, aber auch, weil Josh hier den Rahmen des klassischen Bedsitter-Images gänzlich sprengte. Dabei sieht er die Sache selbst sehr viel bescheidener:

"Ein wirklich guter Song muss nicht originell sein", erklärt Josh, “denn viele schlechte Songs werden geschrieben, weil sie originell sein wollen. Baue lieber auf etwas Schönem auf und die Leute werden Dir schon folgen.“

Es kommt natürlich drauf an, wie man "originell" definiert, aber Joshs Songs sind zumindest alle sehr unterschiedlich und liebevoll (um nicht "originell" sagen zu müssen) arrangiert.

„Ja, ich habe wieder mit Sam Kassierer, meinem Pianisten zusammengearbeitet und wir wissen ja langsam, was wir voneinander erwarten können”, erzählt Josh, “wir wollten den Songs dieses Mal etwas mehr 'Fleisch' geben, aber auf dem aufbauen, was wir bisher gelernt hatten. Ich wollte, wie bei meinen Texten, keine Details auslassen und die Songs zu kleinen Filmen machen.“

Nicht nur, dass die neuen Songs „fleischiger“ klingen, sie klingen auch sehr spezifisch und ungewöhnlich. War das Teil des Ansatzes?

„Defintiv“, bestätigt Josh, „ich war zum Beispiel sehr daran interessiert, synthetische Instrumente mit organischen zu kombinieren. Sagen wir mal Drumsamples und Live-Drums, um einen ungewöhnlichen Sound zu bekommen oder einfach meine Gitarre zu entfernen – etwa bei 'Bloodbath'. Es ist nämlich eine sehr kreative und gute Sache, Dinge manchmal einfach nicht zu tun. Manchmal muss man auch rumprobieren. 'Orbital' haben wir zum Beispiel auf drei verschiedene Arten aufgenommen, bis wir etwas Passendes gefunden haben. Das ist aber gerade das Spannende. Ich meine: Du kannst Dich immer auf die Bühne stellen und den Song auf Deiner Gitarre vortragen. Das ist aber nicht die Art, eine Scheibe zu machen. Dabei geht es darum, eine neue Welt zu erschaffen.“

Dieses Kombinieren von ungewöhnlichen Elementen scheint ja in der Familie zu liegen. Das macht seine Frau, Dawn Landes ja auch.

„Ja, das stimmt wohl. Ich habe diesbezüglich eine Menge von Dawn gelernt. Sie hat mich dazu gedrungen, mein Instrument besser zu lernen und mehr zu versuchen. So spiele ich heute zum Beispiel Keyboard auf der Bühne – was ich früher nie gemacht hätte. Aber dieses 'versuchs doch mal'-Prinzip mag ich sehr. Hinzu kommt, dass wir sehr wettbewerbsorientiere Menschen sind: Wenn sie etwas ausprobiert, muss ich das auch tun.“

Zum Beispiel auch unkonventionelle Instrumente zu verwenden?

„Ja, wir haben zum Beispiel Flügelhorn, Omnichord und Geige eingesetzt. Und viele Effekte dazu. Oder wir haben auf dem Herd in der Küche herumgetrommelt. Wir haben versucht, die Instrumente so klingen zu lassen, wie sie normalerweise NICHT klingen.“

Gab es einen musikalischen Masterplan?

„Nein, es gab kein Konzept – nur allgemeine Ideen, wie uns selbst herauszufordern oder so was. Ich traue Konzeptalben nicht wirklich. Songs kann man nur schwer verbiegen oder irgendwo reinpressen. Das gelingt manchen Leuten zwar – nicht aber mir.“

Vielleicht ist das auch gut so, denn gerade die so entstehende Vielseitigkeit zeichnet das Werk des Josh Ritter aus.

Aktuelles Album: So Runs The World Away (Pytheas / Cargo)

Foto: Sam Kassirer

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