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RICHARD HAWLEY

The Importance Of Being Ernest

RICHARD HAWLEY

Das neue Album von Richard Hawley, der vielen immer noch am ehesten als Gitarrist von Pulp bekannt sein dürfte, heißt „Lady's Bridge“ und ist - konzeptionell, stilistisch und musikalisch - eine ganz klare Fortsetzung seines letzten Werkes „Cole's Corner“. Wie „Cole's Corner“ ist auch „Lady's Bridge“ eine Landmarke in Richards Heimatstadt Sheffield. Entgegen etwaiger Vermutungen ist das aber kein romantischer Treffpunkt - wie zum Beispiel die Musik des neuen Albums assoziieren würde - sondern ein konkreter Ort, den Richard des symbolischen Gehalts wegen als Titelmotiv wählte.

„Heutzutage ist es dort eher gefährlich“, warnt er „ich war mal unter der Brücke, als das noch möglich war. Es gibt dort Katakomben, die ich mit einem Freund untersucht habe - was sehr spannend. Die Brücke hat auch die große Flut in Sheffield von 1864 überstanden. Davon handelt auch der Song ‚Roll River Roll' - es geht da um die Opfer der Flut.“

Es fällt sowieso auf, dass in Richards neuen Texten eine Menge Wasser fließt und sogar der Ozean eine gewisse Rolle spielt.

„Ich bin halt durstig“, meint Richard lakonisch - ohne das weiter auszuführen. Aber auch wenn er gelegentlich Einzeiler wie diese von sich gibt - und auch unter dem Gesichtspunkt, dass die Musik auf dem neuen Scheibe zuweilen recht lebhaft und heiter wirkt: Richards Texte beschäftigen sich nach wie vor mit eher düsteren Aspekten.

„Nun, ich bin ja kein Komödiant“, schmunzelt er, „mir liegt es nicht über heitere Themen zu schreiben.“

Aber noch mal zum Thema: Verbindet die „Lady's Bridge“ denn eher, oder trennt sie?

„Es ist ein ganz einfaches Bild“, erklärt Richard, „Man geht von einer Seite der Brücke auf die andere und lässt dabei Dinge zurück - freiwillig oder aus Notwendigkeit, die man nicht gerne zurücklassen möchte. Historisch war die Lady's Bridge zunächst eine Sicherheitsbrücke, die das Kastell auf der einen Seite mit dem Umland verband. Später war es dann eine Brücke, die den armen vom reichen Teil der Stadt verband. Heutzutage verbindet sie den Geschäfts-Bereich mit den Wohngebieten. Es ist sehr, sehr geschäftig dort.“

Das letzte Album bezeichnete Richard selbst ja noch als ziemlich düster. Wie sieht es denn mit diesem aus?

„Das sind zwei Seiten derselben Brücke, um es mal so auszudrücken“, meint Richard „die eine Seite ist düster und die andere optimistisch, Es gibt da diesen Song ‚Lady Solitude', der davon handelt, Dinge zurückzulassen, wie ich es eben beschrieb. Genau darum geht es.“

Das neue Album hat dabei ein gewisses mediterranes Feeling. Hat das mit Richard's Vorliebe für das italienische Duo Santo & Johnny zu tun?

„Daran habe ich gar nicht gedacht - es ist aber eine interessante Idee“, überlegt er, „es hat sich aber eigentlich alles von selber entwickelt. Ich habe einige der Songs auf Tour geschrieben - z.B. ‚I'm Looking For Someone To Find Me' in einem Van in Norwegen. Die Melodien sind dann aber meist im Studio entstanden. Ich entwickele Songs ja nicht im klassischen Sinne, sondern nutze dem Impuls, den mir das Studio vermittelt. Ich bin nämlich ziemlich faul, und deswegen muss ich immer eine Art Druck haben - zum Beispiel durch Deadlines.“

Dabei ist Richard vergleichsweise produktiv: So spielte er auf Jarvis Cocker's Solo Album mit, schrieb ca. 10 Songs zu einem noch nicht veröffentlichten Spielfilm - in dem er dann auch gleich selber eine Rolle übernahm. Ob Richard allerdings weiter als Schauspieler arbeiten wird, steht noch in den Sternen.

„Das hat eine Menge Spaß gemacht - immerhin habe ich ja mit Faye Dunaway gespielt; aber wir müssen erst mal den Film abwarten. Vermutlich bin ich ja ziemlich schlecht …“

Nun ja, wenn er nur halb so gut ist, wie als Musiker und Songwriter, dann brauchen wir uns da keine Sorgen zu machen.

Aktuelles Album: Lady´s Bridge (Mute / EMI)

Foto: Steve Gullick

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