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QUICKSILVER - QUICKSILVER

 
QUICKSILVER
Zu Beginn trotz Platzmangel ein unverzichtbarer Hinweis: in WZ 12/17 habe ich meiner Begeisterung über GION MATHIAS CAVELTYs "Der Tag, an dem es 449 Franz Klammers regnete" in ungelenken Worten Ausdruck verliehen. Nun durfte ich feststellen, dass es sich bei diesem fulminanten Buch nicht nur um den letzten Teil der "Andouillette-Trilogie" handelt, sondern der ganze bunte Wahnsinn auch in Hörspielform existiert. Und das Allerschärfste ist, dass man diesen "dreifaltigen akustischen Trip" unter https://www.srf.ch/sendungen/hoerspiel/die-cavelty-trilogie-alle-episoden ganz und gar kostenfrei runterladen kann. Erleuchtet Euch! Jetzt!
Bei der einer Erleuchtung vorangestellten Meditation könnte auch LESS BELLS' "Solifuge"(Kranky) helfen. Zarter StreicherKlingelAmbient mit etwas SynthDrone von einer Dame aus Joshua Tree, California. 4
Kontrast: facettenreicher bizarr-eklektischer Alles-Geht-Elektro kommt von STUFF: "Old Dreams New Planets"(Gondwana). Herrlich verwirrend und sehr groovy. 4
Ähnliche Baustelle, aber trotz Kassettendeckgeräusche-Intro nicht ganz so spannend: "The Buffering Cocoon"(Jazzland) von NOW VS NOW. 3
Trotz Hinwendung zu Synths und Englisch bleibt SOPHIE HUNGER auch mit "Molecules"(Caroline Int.) völlig überbewertet. 2
Auf Französisch klingt sogar Rap süß. Z.B. der von SALIMA DRIDER auf "L'instant et l'instinct"(Ugop). 3
Auch der leicht gegen den Strich gebürstete Björk-Pop auf "Heart Pressed Between Stones"(ATP) vom MEX-D-Duo CAMILA FUCHS ist nicht ohne Niedlichkeit. 3
Wer old-school-New-Wave-Hektik genauso zu schätzen weiß wie düsteren NoiseBlues, ist bei "Leather"(EXAG') von den MATERIAL GIRLS richtig. 4
Überflüssig, weil komplett langweilig, ist die re-issue der "Elektronischen Musik aus Berlin 1983-1984", die LAPRE als "Auferstehung"(Bureau B) anbieten. 2
Ganz anders der von STEFAN SCHULTZE solo mit (präpariertem) Klavier, Fender Rhodes und etwas Elektronik eingespielte "System Tribe"(WhyPlayJazz). Schlaues Schichten, zartes Zählen, druckvolle Dichte. Daran sollten sich die SüßTöner der "Neuen Klassik" mal schulen! 5
Neuer Kontrast: WILJABA heißt ein Mann aus Berlin, der im "Lost Valley"(Waterfall) recht trittsicher auf den Spuren von Nikolai "Poems For Laila" Tomas wandert. Freundlicher, detailversessener, unterhaltsamer und manchmal richtig schlauer ("The Iceman"!) FolkCountryBluesPop. 4
Das Info zu "Wahnwitz und Gelegenheit"(Tap-Water) rückt MILIAN OTTO in eine Reihe mit Victor Jara und Georges Brassens. Ich denke bei dieser schlichten, aber schönen Liedermacher-CD eher an Gerhard Schöne, aber den kennt jenseits der Zonengrenze ja leider keiner. 4
LANA CENČIĆ streut auf "Sama"(Six Degrees) zwischen ihre zarten, manchmal etwas schläfrigen FolkPopSongs auch zwei Versionen von kroatischen Volksliedern, die ich sehr aufregend finde. 3
Bunten WorldPop sendet CATARINA DOS SANTOS im "Rádio Kriola"(ARC): Brasilien liegt bei Cape Verde, gleich neben Angola und Portugal. Herrlich luftig, sommerlich leicht, voller Rhythmus und mit einem beständigen Lächeln in der Stimme. 4
BrasilPop aus der Schweiz liefern REA SOM mit "arte calma"(Unit) ab. Fluffige Alpen-Sausade, die zuweilen an die späte Isabelle Antena erinnert. 4
Puristischer sind die Songs der Spanier VIGÜELA auf "A Tiempo Real"(ARC), sowohl was die Herkunft angeht wie auch die Instrumentierung und den Gesang. Exotisch, aber sehr spannend! 4
Auch die "early singles" aus den 70ern, die die Mbira-Queen (und 2fache Peel-Sessionistin) STELLA CHIWESE auf "Kasahwa"(Glitterbeat) versammelt, sind eher was für Offenohrige denn für Chartshörer, bieten aber massenweise betörende Daumenklavier-Hits, die tief in den afrikanischen Musiktraditionen wurzeln. 4
Flott hüpfen kann man beim VOLXTANZ. "Live"(DMG) ist die Blaskapelle offenkundig eine kleine Macht, auch wenn hier zwischen Balkan, Klezmer und PolkaSka nichts wirklich Neues geboten wird.
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© 01. September 2018  WESTZEIT ||| Text: Karsten Zimalla ||| Datenschutz
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