
(Kremayr & Scheriau, 156 S., 25,00 Euro)
Die Geschichte um die geheimnisvolle Frau mit den grasgrünen Augen spielt 1975 in Wien und im Burgenland. Und in Antwerpen, denn von dort erreicht die von zwei hochgebildeten Studienabbrechern betriebene Detektei ein Brief einer verzweifelten Mutter. Man möge doch nach ihrer Tochter suchen, am ehesten vermutlich in der Kommune dieses Otto Muehl, von der man selbst in Belgien schon viel gehört hat. Und darunter wenig Gutes, jedenfalls wenn man seine Tochter dort vermuten muss. Doch bei aller Intellektualität des namenlosen Detektivs und seines Partners Martin (besser Matti, denn jener liebt alles Finnische) bleiben Wiener Aktionismus und Kommunengründer Muehl hier eher (notwendige) Staffage, genau wie altmeisterliche flämische Malerei und finnische Literaturnobelpreisträger. Auch ist diese Geschichte nicht an ihre Zeit gebunden, sondern könnte (von) immer und überall erzählt werden. Was ausdrücklich positiv gemeint ist, genau wie mein Verweis auf die (typisch österreichische? Hallo Klischee!) Behäbigkeit, die aus manchen Zeilen spricht. Dann wieder geht alles sehr schnell, die Dinge überschlagen sich geradezu. Und genau diese Tempowechsel machen eine besondere Qualität dieses Textes aus. Wie auch die schwarz(nicht immer humorig)en Abgründe, die sich da und dort auftun. Denn wenig ist hier wie es scheint, die Verschwundene ist womöglich gar nicht die Gesuchte und auch nicht die Gefundene. Klingt an dieser Stelle vielleicht wirr, ist im Roman aber doch ziemlich (psycho)logisch. Genau wie die körperlose Liebe, in die unser Detektiv stürzt (den erotischen Teil übernimmt später Matti) – aber der plot dieses Romans ist so raffiniert, dass wir auf keinen Fall zu viel verraten dürfen von Nachtclubs und Unfällen, Erpressungen und grausamer Rache. Gute und schlaue Unterhaltung, das!Weitere Infos: www.kremayr-scheriau.at/bucher-e-books/titel/die-gruenen-augen-der-liza-de-mink/

