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JONÁŠ ZBOŘIL

Flora

(Edition Kommode im mairisch Verlag, 184 S., 22,00 Euro)

Die Welt, in der Sára und Adam leben, ist vor allem eines: surreal. Im besten Fall. Im schlimmeren ist sie eine Möglichkeit für zukünftige Realität. Denn auch dystopisch ist diese Welt, es gibt seltsame Bereiche in ihr, in die man besser nicht geht, zumindest nicht im Dunklen. Was Sára und Adam aber doch tun; Zäune sind auch hier Aufforderungen, keine Hindernisse. Bei einem ihrer Ausflüge in die "Steppe", das "Niemandsland", finden sie im Buschwerk ein Wesen: "Der Körper ist klein, fragil. Wir wissen nicht, wo er anfängt und endet, was dazugehört und was nicht. Dünne Schläuche, verflochten mit den Ranken des Gestrüpps, verheddert wie Kopfhörerkabel. Ein Stück Fleisch, oder nur ein Lumpen. Ein tierischer Geruch." Elterliche Reflexe scheinen die beiden zu ergreifen, sie nehmen das Wesen mit und nennen es "Flora". In der alten Laube von Adams Oma nähern sie sich dem Fremden an, wobei in Sára mütterliche Gefühle groß und größer werden – in gleichem Maße wächst Adams Skepsis. Die Geschichte geht weiter und ob sie gut ausgeht, verrate ich nicht. Auch, weil ich es gar nicht weiß (was ist schon "gut"?). Man kann hier (z.T. recht direkte) Anklänge an Lem’s "Solaris" finden oder sich an das "Picknick am Wegesrand" der Strugatzkis erinnert fühlen (aus dem Tarkowski mit "Stalker" einen der großartigsten Filme aller Zeiten halluzinierte) und doch ist dies kein SF-Roman. Sondern einer über Ambivalenz, über Träume und Wünsche, Hoffnungen und Ängste. Aus dem Tschechischen übersetzt hat den Text Sophia Marzolff und die schöne Aufmachung mit den in die Seiten gestreuten Illustrationen tut ein Übriges: wenn die Flechten aussehen, als wüchsen sie im, vielleicht sogar aus dem Papier, bewegt sich das Bild auf dem gleichen hypnotischen Level wie der Text. Surreal; schön und verstörend.
Weitere Infos: www.mairisch.de/programm/jon%C3%A1%C5%A1-zbo%C5%99il-flora/


Oktober 2026
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