interviews kunst cartoon konserven liesmich.txt filmriss dvd cruiser live reviews stripshow lottofoon

QUICKSILVER

QUICKSILVER

QUICKSILVER

Der CD-Stapel erreichte auch in diesem Monat bedrohliche Höhen und beinahe jede der folgenden Platten hätte eine ausführliche Beurteilung verdient. Es gibt zwar eher unnötige Dinge wie das etwas angestrengte und gar zu sehr das underdog-Image des heftigen Liedermachers bedienende Debut "Gossenhauer" (Traumton/Indigo) von STROM & WASSER oder die permanent-penetrant in's (wenn auch geglückte und per se ja auch wirklich nicht üble) Selbstzitat verfallende neue GARY NUMAN namens "Jagged" (Cooking Vinyl/Indigo). Auch ERASUREs "Union Street" (Mute/EMI) mit überraschenden, auf Dauer dann aber doch langweiligen Akustik-Versionen alter Hits überzeugt nicht wirklich (dass Elektro(pop)-Klassiker auch auf diese Art funktionieren, hat z.B. Anne Clarke schon vor langem gezeigt). MAXENCE CYRIN ist gelernter Pianist, wurde aber aber von Techno infiziert und verfolgt auf "Modern Rhapsodies" (F-Communications/PIAS) ein ähnliches Konzept: Elektronik-Standards unplugged, hier (natürlich) auf'm Klavier. DeMo, Aphex Twin, Massive Attack in neuem Gewand - die Originale sind besser und dass... (siehe oben). NICK CAVE hat zusammen mit seinem alten Kumpel WARREN ELLIS die Musik zu dem Australo-Western "The Proposition" (Mute/EMI) geschrieben. Zäh-spartanischer Anti-Country, gespickt mit Kirchengesangs-Fragmenten und Geigen-Loops. Aber ehrlich - wäre's nicht der Meister, würden sich wohl nur wenige darum scheren. "Snow On Mass On Stone" (Fat Cat) mag ja mit guten Texten versehen sein, aber ich bin meist schon nach wenigen Sekunden eingeschlafen und verpasse so die Höhepunkte, bei denen DROWSY die Wanderklampfe zur Seite legt und mit Synthie oder Melodica etwas Pfeffer in die Suppe wirft. Und von ROCKET FREUDENTHAL liest man ja viel Gutes. Live fand ich's schon nicht so umwerfend und auch die neue CD "Wir leben wie Gespenster" (Trikont/Indigo) enthält (abgesehen vom Titelstück) nichts, was mich beeindrucken würde. Wahrscheinlich bin ich für diesen autoreferentiellen Kindergartenpunkfolk schon zu senil und konservativ (??). Schade. Ganz schlimm die neue WUMPSCUT: "Cannibal Anthem" (BetonKopf Media/Soulfood) will mit Menschenfressermotiven optisch und akustisch massiv schocken und ist (gerade deswegen) noch nicht mal anstößig, sondern nur peinlich. Dabei hat Rudi R. (aka Wumpscut) auf seinem (Sub)Label einige dunkel schimmernde schwarze Diamanten: CEREBRAL APOPLEXY schmecken auf "Cold Heart" ihren technoiden Gruftpop mit (bekannten) Störgeräuschen und Filmsamples ab, servieren (nicht übermäßig intelligente, aber auch nicht zu dämliche) deutsche Texte, erinnern zuweilen an Sabotage q.c.q.c. und machen sicher den Düsterdisko- und Gothic-Treffen-Besuchern einigen Spaß. Auch "Playdoll" (beide Mental Ulster Forces) von YENDRI ist eine der besseren Dark-Pop-Veröffentlichungen, hier vereinen sich sogar 70er-Disco-Sounds, ein DeMo-Cover und düstere Grooves zu einem durchaus bezaubernden Bastard, der auch für zartere Ohren zugänglich sein dürfte. Aber - hier greifen wir den Faden vom Beginn wieder auf - es gibt auch wirkliche Schmäckerchen in der Kiste: "Roommates" (Schinderwies/Broken Silence) vereint 13 Stücke aus dem Schinderwies-Kosmos, der bekanntlich von wundersam-zarten Pflänzchen wie Uwik und Mikrofisch besiedelt wird, die alle vom fruchtbaren Dünger aus Gitarre, Elektronik und Sentimentalität leben. Die BETANCORBAND mit der Popette Susanne Betancor an der Spitze spürt auf "Hispanoid" (Traumton/Indigo) den iberischen Wurzeln der Frontfrau nach. Dazu gehört neben Coverversionen von Madonna und Die Sterne natürlich (auch) spanischer Gesang und die vertraute Prise Kleinkunst. Aus Frankreich kommen (erneut) angenehme Klänge: JANE BIRKIN hat sich für "Fictions" (Capitol/EMI) u.a. von The Divine Comedy, Rufus Wainwright, Dominique A und Beth Gibbons Songs auf den (hageren) Leib schneidern lassen, Neil Youngs "Harvest Moon" gecovert, sogar Johnny Marr zur Mitarbeit bewegt und so ein rundweg überzeugendes Stück Popmusik geschaffen. Mit "Nisht Azoy" (Constellation/Al!ve) verfeinert das BLACK OX ORKESTAR seine schon auf dem Debut "Ver Tanzt ?" recht überzeugende Auffassung von jüdischer Musik. Labelgerecht werden hier weniger die aus Downtown N.Y. bekannten Jazzauffassungen als eher postrockistische Elemente unter die alten Klezmer-Nign gemischt. In seiner Düsternis durchaus auch beklemmend, durch die Reduktion und den Verzicht auf simplen up-tempo-Spass aber sehr überzeugend. Damit kommen wir zur Avantgarde: GLENN KOTCHE trommelt normalerweise bei Wilco, vereint aber auf seinem Solodebut "Mobile" (Nonesuch/Warner) die repetitive Kraft des Loops mit der Schönheit organischer Marimbaklänge und entlockt überhaupt vielerlei Dingen durch Draufhauen verwirrend-wunderbare Töne. Noch verwirrender ist erwartungsgemäß "Dead Drunk" (Paw Tracks/Cargo), denn hinter TERRESTRIAL TONES verbergen sich Leute von Black Dice und dem Animal Collective. So bunt-punkig wie das digipack ist auch die (Anti-)Musik, alles durcheinander und doch strukturiert - PostWorldJazzPunk? Das CHICAGO UNDERGROUND DUO verknüpft freien Jazz mit so ziemlich allem anderen, spielt sehr konzentriert auf einer Unmenge an Instrumenten und macht "In Praise Of Shadows" (Thrill Jockey/Rough Trade) zu einer Scheibe, über die man seitenlang schwärmen möchte. Ebenso spannend die Improvisationen für Rechner und Klarinette, für die sich KAI FAGASCHINSKI & BERNHARD GÁL auf "Going Round In Serpentines" die gebotene Zeit nehmen. Schwebend-verfremdete Töne und knuspernd-drohnige Computerblöcke betören und brauchen innere Ruhe. Auch MICHAEL THIEKE und UNUNUNIUM bürsten Jazz gegen den Strich. "Where Shall I Fly Not To Be Sad, My Dear?" (beide Charhizma) ist frisch, überraschend, fordernd und sehr intelligent, ohne (über)schlau zu sein. Großer Tip! THE SAME GIRL verfolgen auf "Spare Parts & The Ideology Toolkit" (Schraum) einen ähnlichen Weg: improvisierte Musik für Computer und Getrommel, die aus dem Gegensatz zwischen Chip und Herz Energie schöpft und zwischen die Improvisationen kryptische fieldrecordings streut. Auch: Großer Tip!

Rock & Pop
›› V.A. ›› THE STREETS ›› MORRISSEY ›› JULIANA HATFIELD ›› ELEVENTH DREAM DAY ›› CHRISTIAN BRUHN ›› EL PERRO DEL MAR ›› NOVASTAR ›› DOWNPILOT ›› THE DIGGS ›› TELEVISION PERSONALITIES ›› LOOSE FUR ›› NMFARNER ›› ROBERT POST ›› ELLIOTT BROOD ›› FLAMING LIPS ›› BRITTA ›› SCHROTTGRENZE ›› THE ALARM MMVI ›› THE ALPINE ›› RACOON ›› LINDSAY LOHAN ›› OST / CHRISTIAN BRUHN ›› THORSTEN WINGENFELDER ›› THE DRESDEN DOLLS ›› WINSON ›› DENNIS LOCORRIERE ›› COLLECTIVE SOUL ›› ONEJIRU ›› FIDGET ›› RADAR BROS. ›› J MASCIS & FRIENDS ›› V. A.


Konserven
Olymp
Electronik
Fear No Jazz
Floorfashion
Hard & Heavy
Hip Hop
Reggae/Dub
Rock & Pop
Punk/Hardcore
Singer/Songwriter
Talentamt
Worldmusic