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FRANZISKA ZU REVENTLOW

Ellen

(Reclam, 252 S., 25,00 Euro)

Franziska zu Reventlow war berühmt als die "Schwabinger Gräfin": nicht nur von Rilke umschwärmter Fixstern der zumeist Kirchenmaus-armen KünstlerSzene im München der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, sondern auch Edelhure und LebeFrau, in der sich Verzweiflung und Kampfesmut in einem unbändigen Freiheitsdrang vereinten (es gibt von der großartigen Kerstin Decker eine packen Biografie zu dieser Frau (s. WZ 12/18)). "Ellen", im Original 1903 unter dem Titel "Ellen Olestjerne. Eine Lebensgeschichte" erschienen, ist der stark autobiografische Bericht über Kindheit und Jugend einer "Tochter aus besserem Hause" im letzten Drittel des vorletzten Jahrhunderts, aus der Wut und Trauer über die strenge, lieblose und oft auch sehr handfeste "Erziehung" durch die Mutter und über den abwesenden und abweisenden Vater spricht. Aber auch Aufbegehren und Widerstand gegen die althergebrachte Schicklichkeit (über dessen Grund und Ursache sich die Autorin selbst immer wieder zu wundern scheint), die Freuden und Verstrickungen erster und viele weiterer Liebe(n), amoröses Erwachen und die Selbstbestimmung über den eigenen Körper überhaupt und eine beinahe unglaubliche Beständigkeit, mit der die Heldin allen Widrigkeiten zum Trotz ihren Weg geht, ihr Leben lebt, ihre Freiheit sucht. Besser als es die oben erwähnte Kerstin Decker hier im Nachwort tut, kann man dieses Leben und diesen Text ohnehin nicht analysieren – deshalb die unbedingten Empfehlung: lest diesen Roman einer Frau, auf deren Weg zu IHREM Leben wirkliche Widerstände lagen, die diese voller Kraft und Selbstbewusstsein überwand (selbst um den Preis der vollständigen gesellschaftlichen Ächtung und finanzieller Not) und die damit auch heute noch Ansporn und Vorbild zu sein vermag.
Weitere Infos: www.reclam.de/produktdetail/ellen-9783150116111

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