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MONIKA MARON - Munin oder Chaos im Kopf

 
S. Fischer Verlag, 222 S., 20,00 EUR
Monika Maron hat schon mit ihrem Debutroman "Flugasche" bewiesen, dass sie den Konflikt nicht scheut, ihn aber nur dort sucht, wo man ihm nicht ausweichen darf. 1981 ein Buch über die Umweltsituation in Bitterfeld zu schreiben war ähnlich mutig, wie 2018 einen Roman über den gerade ja allgegenwärtigen Volkszorn. Jener steht im Mittelpunkt von "Munin", was im übrigen der (von Odins Raben (nicht Krähen) geliehene) Name einer einbeinigen Krähe ist, bei der die Journalistin Mina Wolf, zum Gin-Tonic Droste-Hülshoff-Balladen auslegend, (Selbst)Erkenntnis sucht. Dass in einer beschaulichen Westberliner Straße die gewohnte Ordnung aus dem Lot gerät, hat einen banalen, wenn auch Nerven strapazierenden Grund – die Folgen aber sind paradigmatisch. Distinguiert-irritierte Altbaubewohner vs. aggressiv-desorientierte Neubaumieter – an einer zivilen Lösung scheitern beide Seiten. Nebenher muss auch ein Essay über den 30jährigen Krieg geschrieben werden, was angesichts vermuteter Parallelen zu weiterer Verunsicherung führt. Leben auch wir in einer Vorkriegszeit, zerbricht die zarte Hülle Zivilisation unterm Ansturm des Fremden? Dass weder Mina Wolf noch Monika Maron Antworten haben, dass sie nicht Position beziehen wollen und können in diesem (vermeintlichen?) KulturKampf, ist keine Schwäche dieses aufschlussreichen Texts, sondern bietet dem Leser Anreiz zur Selbstreflexion.

Weitere Infos: www.fischerverlage.de/buch/munin_oder_chaos_im_kopf/9783100488404
© 01. Juni 2018  WESTZEIT ||| Text: Karsten Zimalla ||| Datenschutz
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