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JAZZJANZKURZ - JAZZJANZKURZ

JAZZJANZKURZ
Nicht jede Platte kann weltumstürzend aufregend sein, aber deshalb Langweile anbieten? Das KAISER QUARTETT nimmt sich auf jeden Fall wichtiger, als es die Qualität ihres s/t Debuts (PIAS) rechtfertigt. Der klassisch besetzte Streich-4er nennt in seiner Referenzliste illustre Auftrittsorte und namhafte Kollaboranten, aber die "eigene" Musik kommt (egal ob als Pop oder SemiKlassik verstanden) an keiner Stelle über den Status reiner – spieltechnisch gleichwohl solider – GefälligkeitsKunst hinaus. 2
Auch die "Open Waters"(Warner) des schwedischen Pianisten JACOB KARLZON werden nach dem anfangs ganz interessanten Titelstück zunehmend seichter. Vieles ähnelt sich hier und oft kann Karlzon sich nicht zwischen Jazz, Pop und Rock entscheiden. (V)Erschreckt wird er hier gewiß niemand. 2
Mit "Milk Wood"(Traumton) von Sänger und Bandleader MATTHIAS BOGUTH wird es langsam spannender. Eine saubere Aufnahme fängt die Magie des klassischen p-b-dr-settings gut ein, selbst wenn die Musik zumeist (noch?) traditioneller AltHerrenJazz bleibt. 3
Wie Boguth lebt auch der Chef des KENO HARRIEHAUSEN QUARTETTs in Leipzig. Der musikalische Ansatz ihrer unbenannten Debut-CD (Lakeland) ist aber schon qua Besetzung experimentierfreudig(er): p-sax-dr treffen auf Cello und diverse Schlägelinstrumente, heraus kommt lebendige Musik mit hohen Spannungsbögen, von der mir das repetitive "You Are Nowhere" besonders gefallen hat. 4
Vibraphon und Cello finden sich auch auf "Timescapes"(GLM) wieder. Wenn man es kann, funktioniert das Rezept, mit relativ exotischem Instrumentarium Standards (+ einige Überraschungen) zu spielen, fast immer. ANNA CARAWE & OLI BOTT können es definitiv: Bach, Crumb, Satie, Ellington und Lennon/Mc Cartney sind noch nicht mal alle, die hier mit Feingefühl, aber doch neu gesichtet werden. 4
Bis auf 2 Stücke von Pianist Heidtmann basiert alles auf JAZZSTONES TRIO "Plays The Rolling Stones"(shaa) auf Jagger/Richards-Ideen. Wie sich die Herren mit den Mitteln eines modernen Klaviertrios der Gassenhauer von "Ruby Tuesday" bis "Sympathy For The Devil" bemächtigten, ist außerordentlich. Die JazzStones spielen nicht platt nach, sondern interpretieren. Will sagen: Harmonik, Melodik und Rhythmik werden so gebogen und gedehnt, dass das Erkennen der Originale zuweilen nur dem theoretisch geschulten Ohr gelingt. 4
"Mrs Green"(Klaeng) nennt Kristina Brodersen die neue CD ihres KRISTINA 4-Projekts. Mit sax-tp/flh-b-dr verneigt man sich hier vor den Großen der Freien Musik, von Coleman und Don Cherry bis Albert Ayler oder Steve Lazy hinterließ hier mancher AvantImprovisateur seine ideellen Spuren. 3
Die "Halbwahrheiten"(Nwog) vom FYNN GROSSMANN QUINTETT sind gleichfalls Sax-getragen, aber im Grundansatz etwas friedlicher. Ein zart-schöner p-b-dr-Flow sorgt an den richtigen Stellen für Schub oder Verzögerung, auch die launigen Titel der Stücke (z.B. "Zeit Mal Anzurufen") darf man loben. 3
Komplett auf mit diversen Bläsern und etwas Gitarre verzierten Gute-Laune-Modern/Bar-Jazz setzt das JANOTTA-KLENZE-PROJEKT mit seiner Sängerin Natalie Elwood. 3
Weltumarmend ist die mit tollem artwork versehene CD von EVELYN HUBER & SIRIUS QUARTET: "Para un mejor mundo – für eine bessere Welt"(beide GLM) pendelt zwischen sehr feingliedrigen ExotikTräumen aus Streichern und Harfe und semi-kitschgen, dennoch nicht unangenehmen Sentimentalitäten. 4
"Schattenjazz" hat jemand zum Debut von RETO SUHNER & FABIAN M. MUELLER gesagt. Sicher weil die 2014er CD "Schattenspiel" hieß, aber auch für das Folgealbum "Am Grund"(Anuk) trifft das schöne Wort zu. Sax und Piano erzeugen einen eigenen Flow, Dialoge sind hier wirklich welche, denn Erkundung und Rückgriff, Ergänzung und Gegensatz halten sich die Waage bei dieser schönen, ruhigen Platte. 4
Jetzt aber Krach: Der einzige, nach dem mittelalterlichen skandinavischen Großkönigreich "Kalmar Union" benannten Titel der an sich namenlosen CD (Nakama) des prominent besetzten Frei-4ers THE BIG YES! entwickelt in gut 30 live im Studio eingespielten Minuten eine klassische Rondoform. Auf ein fulminantes "Alle gegen alle" folgt ein ruhig(er)es Stück zarten Schlagzeughandwerks bevor im letzten Drittel wieder die volle Wucht von sax-tb-dr-b losbricht. Sehr schön! 4
Im Januar hatte mich FRED FRITHs enttäuschender cut-up-Auftritt im Berliner Babylon-Kino zu 30 Jahren "Step Across The Border" vorsichtig werden lassen, aber 8 Wochen vorher war der Mann in den Brüsseler "Ateliers Claus" offenbar besser drauf und spielte konzentriert, doch mit seiner typischen Zerrissenheit die schöne Live-CD "Woodworks"(Klanggalerie) ein. 5
Mit 4 Hubro-Schätzen entlasse ich euch in den Spätsommer: STEIN URHEIMs "Simples Pieces & Paper Cut-Outs" sind genau das - 13 auf höchstem Niveau gespielt Akustik(Jazz)Gitarren-Etuden im wundervollen Scherenschnitt-artwork. Ganze 300 Stück gibt's von dieser schönen LP! 4
Die "Reveries and Revelations" von MATS EILERTSEN profitieren von der prominenten Besetzung (uva. Eivind Aarset und Geir Sundstol), der es hier kongenial gelingt, nordisches Avant-Klagen und ECM-Melancholie zu fusionieren. 5
Ein schönes Gleichgewicht aus Hardanger-Fidel-Traditionalität und Akkordeon-Experiment zu freudigem perc.-Klappern findet FRODE HALTLI mit "Border Woods". 4
"Et Han Mot Overklassen" heißt die CD, auf der BUSHMAN'S REVENGE Prog, Jazz und Rock samt Folk und SoundArt zu einer grandiosen Einheit verschmelzen. Die Musik ist viel(!) schöner als der häßlich-gelbe Japan-Sportwagen auf dem Cover!!!
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>>>Fear No Jazz>>>
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