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JAZZJANZKURZ - JAZZJANZKURZ

 
JAZZJANZKURZ
Wie spannend völlig frei, aber niemals planlos improvisierte Musik sein kann, unterstreicht "fourtyfour fiftythree" von CAJLAN-WISSEL-NILLESEN. Die drei (Wahl)Kölner untersuchen die PräparationsMöglichkeiten von Klavier, Snare und Altsax auf eine Weise, die ständig neue Überraschungen verspricht, die fordert, aber auch reich belohnt und die völlig zurecht auf der (die Musiker hoffentlich zu einem (noch?) breiteren Bekanntheitsgrad führenden) Lissaboner SpezialistenPlattform Creative Sources erscheint. 5
Nun muß "spannend" nicht immer "schräg" bedeuten, das beweist die im Grunde eher introvertierte, aber doch sehr fesselnde Musik auf "Mosaicmic"(Ronin Rhythm) vom Schweizer 5er IKARUS. Neben den starken zweistimmigen VokalSetzungen bezaubert die sehr gelungene Verbindung komplexer Rhythmik mit Bass-Piano-Dialogen zwischen Minimal und Groove. Artifiziell und zugänglich zugleich entsteht hier eine sehr eigene, wunderbar meditative Stimmung. 5
Die Perkussionistin MARILYN MAZUR zieht seit Jahren ihre Kreise durch die JazzSzenen von New York bis Europa, aber dass sie tatsächlich die einzige Frau ist, die je von Miles Davis in seine Band gerufen wurde, habe ich erst jetzt (aus dem Info) gelernt. Für ihr jüngstes Werk "Shamania" hat sie dafür ausschließlich Frauen zur Mitarbeit eingeladen, dem Titel entsprechend bewegt sich die Musik zwischen Freiheit und Ritual. Eine starke BläserGruppe, dezent avantgardistischer ScatGesang und vielfältiges SchlagWerk, auch ein Hauch von Esoterik ist dabei. 3
SaxophonStreichler DAVE LIEBMAN hat "Chi"(beide RareNoise) ebenfalls mit gleich zwei Perkussionisten eingespielt. ADAM RUDOLPH (der war 2018 bei "The Unknowable" auch schon dabei) und HAMID DRAKE zischen, klopfen und schlagen in hier deutlich freierem Spiel rhythmische Bewegungen um die wundervollen MelodieFetzen. Mit seinem Bezug auf Taoismus hat auch dieses Album eine starke spirituelle Komponente, ist im SoundBild aber moderner. 4
Der Schweizer Bassist LUCA SISERA setzt mit seinem b-ts-trb-p-dr-Quintett ROOFER auf "Starlex Complex"(Nwog) auch eher freie Ideen um. Ohne ostentative FingerÜbungen, aber voller komplexer, sehr spannender Ideen macht diese Platte viel Spaß. 4
Mit JOHANNES HAAGEs DRIFT kommen wir langsam in die etwas behäbigere Ecke des JazzKellers, erste Cordsakkoträger tauchen auf. Dabei hat "Darwin's Blues"(Shoebill) durchaus wilde Momente, in denen die Gitarre richtig zupackt und b/dr sich auch nicht lumpen lassen. Dann wieder baladeske oder höchst komplex durchstrukturierte Stücke, eigentlich ein schönes Wechselspiel. 4
UdK-Jazzprofessor DAVID FRIEDMAN (vib) hat mit der Pianistin Clara Haberkamp (s. WZ 11/18!) und deren TrommelFreund Tilo Weber zwei aufstrebende Talente an Bord seines GENERATION QUARTETs geholt. Den Bass bedient der New Yorker Josh Ginsburg, aber irgendwie hebt ihr "Flight"(Malletmuse) nicht so recht ab, es bleibt recht behäbig hier. 3
"Berlin People"(Sunnyside) heißt die neue CD von TOBIAS MEINHART, aber mit der wilden ImproSzene, für die Berlins underground berühmt ist, hat das wenig zu tun. Dennoch gönnt sich die ts-g-p-b-dr-Combo einige wilde Ausbrüche aus ihrem AkademikerJazz. 3
ALEXANDER 'SANDI' KUHN arbeitet mit etwas smootheren Mitteln, sein ts-p-b-dr-4er kann bei der Suche nach "The Place In the North"(Unit) aber auch mal explodieren. 3
Vollends im warm-weichen HarmlosWohlKlang zarter sax-tr-Träumereien versinkt das "Continuum"(AMP) von BRIDGES WITH SEAMUS BLAKE. Obwohl die tr-p-b-dr-Band des kanadischen Saxofonisten zu ¾ aus Norwegern besteht, fehlt der experimentierfreudige Geist der vitalen Szene um Hubro, Sofa & Co. hier leider komplett. 3
Den Israeli YOTAM SILBERSTEIN ‎sieht mancher in einer Reihe mit Pat Metheny – soweit würde ich nicht gehen, seine "Future Memories"(Jazz&People) sind, besonders wenn Vitor Goncalves vom Piano an das Akkordeon wechselt, trotzdem recht unterhaltsam. Aufregen wird sich bei diesem git-p/acc/key-b-dr-SoftJazz aber sicher niemand. 3
Ähnliche tu-mir-nicht-weh-Musik fabriziert das JOSHUA REDMAN QUARTET (sax-p-b-dr) am Fließband. "Come What May"(Nonesuch) heißt das jüngste Werk. Gefällig und, zumindest wenn man von Jazz über bloßes Handwerk und theoretische Übung hinaus gehende Herausforderungen erwartet, völlig harmlos. 3
Trotzdem sie durch entsprechendes namedropping (Richter, Frahm, Murcof, Arnalds...) im Info in die schreckliche Neoklassik-Ecke gedrängt wird, hebt sich die Polin HANIA RANI mit "Esja"(Gondwana) angenehm von solcherlei Klebrigkeiten ab. Ihr perlendes Tastenspiel ist zärtlich-melancholisch, aber weniger banal als das der vermeintlichen Vorbilder. 4
Banalitäten sind auch nicht Sache des türkischen Pianisten FAZIL SAY. Seine "Troy Sonata"(Warner) schrieb er für das 2018er Festival in Çanakkale (nahe dem antiken Troja) und die verbindet westeuropäischen Impressionismus (manches erinnert mich Debussy) mit Traditionen rund um den Hellespont. 4
Niemand hat etwas gegen eine Melange aus elektronischem Pop und GrooveJazz, aber wenn das Ergebnis einmal mehr deart in völliger Beliebigkeit und musikalischer Anspruchslosigkeit versinkt wie bei "Flourish"(XJazz) von ROMAN SCHULER, überlassen wir diesen zweifelhaften Genuß doch lieber weiter den hedonistischen Gästen hyperstylisher Cocktailbars.
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>>>Fear No Jazz>>>
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