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QUICKSILVER - QUICKSILVER

 
QUICKSILVER
DANIEL BRANDTs zweites Soloalbum "Channels" ist ein erstes Opfer des akuten Platzmangels angesichts der aktuellen VÖ-Flut, denn zu dieser sehr gelungenen CD sollte man wesentlich mehr sagen als: eine schöne Verquickung von Dance und Minimal, Avantgarde und orchestraler Opulenz! 5
DAVID ALLRED folgt einem ähnlichen Grundansatz, vertraut aber als Sänger natürlich vor allem seiner sanften Stimme. In Kombination mit der nicht immer aufregenden Neoklassik/Ambient-Klangtapete wirkt "The Transition"(beide Erased Tapes) zuweilen etwas sedierend. 3
Ganz anders das BYGGESETT ORCHESTRA, das "Meanwhile"(Staticmusic) dem großen Guido Lucas widmet und nach dem schwebenden 20Minüter, der die Platte eröffnet, sehr souverän zwischen ambienter Träumerei, zupackender Minimalistik und einigen lärmenden Ausbrüchen oder knisternden loops variiert. 4
Eines der "Meanwhile"-Stücke heißt "Cluster", was uns zur aktuellen Roedelius-Band QLUSTER überleitet. Deren "Elemente"(Bureau B) entstanden nach den eher pianolastigen Alben von 2015/16 auf analogem ElektroEquipment und erstmals in der Bandgeschichte übernimmt ein (sicher auch schon 40 Jahre alter) Sequenzer die Repetition. Transistorgewühl mit Gefühl, Profis eben! 4
Auch CARSTEN "EROBIQUE" MEYER darf als Profi gelten, seine "Tatortreiniger-Soundtracks"(Asexy) wildern sauber durchproduziert in vielen (Filmmusik)Genres (mit "Schotty in Manchester" verneigt sich CM gar vor'm Madchester-Ravesound). 4
LTO ist ein Elektroniker aus Bristol, dessen anhaltend zärtliches Ambient-Klapper-Klimpern sich am Ende mit dem 2.Teil des titelgebenden Stücks "Déjà Rêvé"(Denovali) zu einer fanfarengetränkte Apotheose aufschwingt.
Auch SALOLI, eine SynthieFrau aus Portland (OR), arbeitet gern allein. "The Deep End"(Kranky) besteht aus schwer verhallten, dennoch harmonischen ElektroEreignissen, deren innerer Zusammenhang genauso schwer zu deuten ist wie ihre Notwendigkeit. 3
Sehr überzeugend sind hingegen MEROPE mit "Naktés"(granvat). Der von litauischer Folklore geprägte Gesang gleitet über fragilen Grundierungen aus indischen Flöten, einer baltischen Zither und westeuropäischen electronics (samt ein wenig Gitarre) herrlich entspannt dahin. FolkAmbient, der auch schön verpackt ist. 5
INDRIDI ist ein Berliner Isländer, der auf "Ding Ding"(figureight) einen ziemlich seltsamen ElectronicAntiIndieFolk zelebriert. Weird. 3
Auch DON THE TIGER ist Berliner (aus Barcelona). "Matanzas"(Crammed) beginnt recht südamerikanisch, doch schon bald schleichen sich gefährliche Avantgardismen ein, elektronische zumeist. Die Rumba wird zur AmbientSkulptur, Schamanen entschwinden in Schaltkreisen: Pop als Boomerang. Düster und doch humorvoll – bester Crammed-Eklektizismus eben. 4
Die Beirut-Montreal-Achse von JERUSALEM IN MY HEART funktioniert auf "Daqa'iq Tudaiq"(Constellation) bestens. Sam Shalabi hat dem Duo für die A-Seite ein grandioses Orchesterarrangement eines ägyptischen Klassikers geschrieben, das 15 Leute live in Beirut umsetzten. Auf Seite B zerreiben JIMH in die Grenzen von orientalischer Tradition und PostRock dann endgültig zu Staub. 5
Die Inderin KIRAN AHLUWALIA lebt auch in Kanada und verwebt auf "7 Billion"(Six Degrees) mit einem tiefen PopVerständnis die Gesangslinien und grooves ihres Mutterlandes mit AfroBlues, JazzRockFusion und vielem mehr. 4
Nahöstliche QuerBeats, TwangGitarren und eine Menge Psychedelic: die Türkin GAYE SU AKYOL setzt mit "İstikrarlı Hayal Hakikattir"(Glitterbeat) ihre Mission fort. Die heißt "Verschmelze BosporusPop und PostPunkSurf zu etwas, das brennt!" und ist gelungen. 4
Bald nun ist Chanukah-Zeit, da meldet sich YALE STROM’S BROKEN CONSORT mit "Shimmering Lights"(ARC) rechtzeitig zu Wort. Eine gar nicht bornierte und modern gespielte Sammlung von Sephardischem, jiddischen Freylachs und selbstgeschriebenen Liedern zum jüdischen Lichterfest. 4
YOAV stammt aus Israel (lebt aber in Südafrika) und hat eine Stimme, die jungen Mädchen sicher schlaflose Nächte bescheren kann. Sein auf "Multiverse"(popup) fixierter freundlicher ElektroPop mit dezent melancholischer Note ist im besten Sinne staatenlos. 3
Auch GÉRALD TOTO hat eine angenehm-einprägsame (relativ hohe) Stimme. Sein "Sway"(No Format) schwingt relaxt zwischen elektr(on)ifiziertem SambaBlues, saitenquietschendem DreamFolk und einem semi-a-cappella Schätzchen wie "Umbaka". 4
Der Kolumbianer FATSO beweist mit "One By One"(Jazzhaus) einmal mehr, dass die WeltMusikWelt aus vielen bunten Ländern besteht. Sein Kontrabass brummt zu santaneskem LatinRock, karibischem Offbeat, aber auch mal zu einem schleppenden Blues ("Another Taste"). Kann man gern öfter hören! 4
Bei den Italienern von MUSIC FOR ELEVEN INSTRUMENTS sind sowohl der seltsame Band- wie auch der ebenso schräge Plattenname solang, dass ich zu "At The Moonshine Park With An Imaginary Orchestra" (Dead Pop Opera) nur noch sagen kann: schöner kauziger IndiePop, der u.a. von feuerspuckenden 6-Bein-Hunden zu berichten weiß. 4
Der Iraner SIAVASH AMINI hingegen hat mit konventioneller Musik nichts am Hut. Seine LP "Foras"(Hallow Ground) wendet sich eher an Leute, die sich an 4 jeweils um die 9 Minuten langen Lektionen in synthetischer GeräuschKunde (mal nett, mal böse, oft statisch, manchmal spannend) ergötzen möchten. 3
Bei den Portugiesen von HHY & THE MACUMBAS steht Rhythmik im Fokus. "Beheaded Totem"(House Of Mythology) beginnt zwar mit einer schönen Bläserschichtung im HallRaum, wird dann aber schnell zu einer Tour de Force für 4 Perkussionisten. Die spielen schon mal (angenehm) gegen das natürliche Empfinden und verbreiten mit den zwischengeschalteten (und gleichermaßen elektronischen Einwürfen unterliegenden) "Hornisten" eine eigenartig packende Düsternis. Eine verstrahlte MarchingBand on the road to hell! 5
Die re-issue von "Roadkill"(Captured Tracks), der einzigen LP der NY-Noise-Collagisten CAPITAL PUNISHMENT erklärt sich wohl nur dadurch, dass Comedy-Star Ben Stiller anno 1982 bei diesem höchst verwirrten Flechtwerk aus Horst-Wessel-Lied-Fetzen, WeirdFolk, NoiseRockStampf und klimperndem ElektroLärm mitwirkte. Ich hab's nicht wirklich verstanden...
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