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JAZZJANZKURZ - JAZZJANZKURZ

 
JAZZJANZKURZ
Es sind wieder viele ungefährlich "middle of the road" reisend im JazzLand unterwegs, etwa GEORG RIEDEL, der sich für seine von einem p-vib-sax/cl-dr-b-Quintett solide eingespielten"Secret Songs"(Diesel) von Django, Bartok und Klezmer gleichermaßen inspirieren ließ. 3
Django Reinhardts Geist durchzieht auch "Feuerlicht"(o-tone) vom DIKNU SCHNEEBERGER TRIO. Sohn Diknu spielt die GypsyGitarre, Vater Joschi zupft den Bass und Martin Spitzer steuert etwas Rhythmusgitarre bei. Wenig neu, aber gut gespielt. 3
Klezmer, Jazz und Moderne will die "Kammerweltmusik" des TRIO LACCASAX (acc/p-sax/git-b) mit "In Music At Home"(GLM) verbinden. Das gelingt und hat sogar etwas "Easy Swing". 3
Zwischen Dramatik und Entspannung wechselt der Luxemburger p-b-dr-3er REIS - DEMUTH – WILTGEN auf "Once In A Blue Moon"(Cam Jazz) gekonnt hin und her, inkl. sehr schöner, die Harmonik des PopKlassikers fein analysierender "Both Sides Now"-Fassung. 4
Auch Klarinetten-Legende ROLF KÜHN eröffnet seine aktuelle CD mit einer Version dieses Joni-Mitchell-Schätzchens, der man ebenso wenig wie dem Rest von "Yellow+Blue"(MPS) anmerkt, dass Kühn nächstes Jahr 90 wird. Der Mann sprüht noch immer von innovativen Ideen über und schält aus jedem Standard das Besondere. 5
Durchaus als Band versteht sich das JULIAN SIEGEL QUARTET, das mit "Vista" Brasil-Legenden und Blues-Helden huldigt und dabei doch einen sehr freundlichen ts/ss/bcl-p-dr-b-MainstreamJazz spielt. Die schön geschichtete "Pastorale" ist besonders schick. 4
Auch ZHENYA STRIGALEV schöpft beim "Blues For Maggie"(beide Whirlwind) aus zahlreichen Quellen. Hier ein verzerrter ReggeaGroove, dort eine effektgeladene "Wondering About Swing"-Klarinette, ein über einen flotten BassBeat hüpfender "Little Struggle" da. 4
Nettes Gitarrengefrickel erwartet den Hörer bei FRANK WINGOLDs "Entangled Music"(Berthold), die tatsächlich mit vielen Verschränkungen spielt. Bass und drums folgen der Gitarre nur zu gern durch diverse Quantentunnel. 4
"Carpe Diem"(Tǔk) empfielt das PAOLO FRESU DEVIL QUARTET. Ich mag Fresu und sein Flügelhorn sehr, hier scheint er mir aber – auf noch immer recht hohem Niveau - etwas in anbiedernde Gefälligkeit abzugleiten, die Musik ertrinkt oft in melancholischer Süßlichkeit. 3
Ähnliches gilt für "Within A Dream"(Skip) vom EMIL BRANDQVIST TRIO (dr/perc/synth-p-b plus fl/cl-Gastspiel). Auch hier regiert bloßer Schönklang und die Schärfe, die aus Hintergrundberieselung interessante Musik macht, fehlt. 2
BRED MEHLDAU kann mit seinem Trio da re-justieren. "Seymour Reads the Constitution!" heißt das neue Werk des Meisters, auf dem neben betörenden Eigenkompositionen auch Interpretationen von Popsongs (McCartney, Wilson) erklingen. Mit Larry Grenadier (b) und Trommler Jeff Ballard hat Mehldau ausgewiesene Könner an seiner Seite, die mit ihren Soli das phänomenale Klavierspiel stützen. 4
JOSHUA REDMAN spielte letztens mit Mehldau eine schöne Duo-Scheibe ein, nun legt der Saxophonist mit "Still Dreaming"(beide Nonesuch) den Beweis vor, dass er auch ein klassisches sax-tr-b-dr-Quartett zu leiten versteht. Stilistisch retro, aber voller kleiner Entdeckungen. 4
SoulGroove in den Jazz bringen NICOLA CONTE & SPIRITUAL GALAXY mit "Let Your Light Shine On"(MPS), das jenen smoothen FutureJazzBarAfroSwing feiert, wie er in den 90ern in London mal so angesagt war. 4
STILL IN THE WOODS heißt die Kapelle, die auf "Rootless Tree"(Neuklang) ziemlich aufregenden popdurchsetzten JazzSoulFunk spielt. Groove regiert, aber auch den Texten darf man gern nachspüren: "you can never be sure about anything in this world". 4
JIMI TENOR mutierte über die Jahre vom Techno-Mann zum anerkannten Jazzer, mit "Order Of Nothingness"(Philophon) gibt er sich 70ies-mäßig bunt und blumig, lässt seine Querflöte im krautigen FusionJazz-FreakOut kulminieren und kultiviert weird-hippieskes mind-travelling. 4
Noch heftiger langt das WORLDSERVICE PROJECT zu. "Serve"(RareNoise) verbindet "Disziplin und Chaos" und kann durchaus als Fortführung der Blurt-Idee von PunkJazz mit ganz anderen Mitteln gelten. Rockprinzipien treffen auf freie Saxophone treffen auf Fuzz-Bass-Attacken. Manchmal sind mir die Synth-Sachen zu 70ies-gniedelig, aber sonst: prima Platte. 4
Wunderbar frei agieren FRED LONBERG-HOLM und SIMON CAMATTA auf "Crazy Notions"(Umland). FLH lässt sein Cello klagen, krächzen und schreien, wozu Camatta mit gewohnter Klasse sein drum-set traktiert. Das klappert und scheppert, es riecht nach Krach und ist doch wohlorganisiert. 5
Beats und Neue Musik – das geht nicht miteinander. Doch! Die "Nodding Terms"(col legno) des in Indien geborenen Perkussionisten und Komponisten KETTAN BHATTI verbinden dank der kundigen Mithilfe von Jan Brauer und Paul Frick die vom Ensemble Adapter eingespielten NeuTöne mit clubgeborenen Grooves. Das alles aber ohne peinliche Anbiederungen in die eine oder andere Richtung, sondern allein im Dienste guter Musik und deshalb völlig zu recht auf einem renommierten Klassiklabel. 5
Wie das Gegensätze verschmelzen nicht funktioniert, zeigen uns zwei relativ bekannte Musiker. Der klassische Bassbariton THOMAS QUASTHOFF beweist mit "Nice'n'Easy"(Okeh), dass eine ausgebildete Stimme nicht für akzeptablen Jazzgesang taugt, wenn ihr das Gespür für die Seele dieser Art von Musik abgeht. Umgekehrt hat Manfred Krug (dessen Jazzplatten bekanntlich fast durchweg brillant sind) mehrfach gezeigt, dass auch ein weniger geschultes Organ bei hinreichend Einfühlungsvermögen Großartiges leisten kann. 1
Auch NIGEL KENNEDY hat sich auf dem Feld der klassischen Musik berechtigte Meriten erworben; zumindest gelang es ihn, mit Können und extravagantem (Talkshow)Auftreten, viele Pop-Hörer an z.B. Vivaldi heranzuführen. Als Jazzer versagt er leider – "Kennedy Meets Gershwin"(Parlophone) bleibt seltsam unentschlossen auf halbem Weg zwischen Klavierkonzert und Kaffeehausgeigen hängen.
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>>>Fear No Jazz>>>
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