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QUICKSILVER - QUICKSILVER

 
QUICKSILVER
Lose auf Philip K. Dicks grandioser DrogenDystopie "Der dunkle Schirm" (bzw. "A scanner darkly") basiert "New Path"(DFA/PIAS) vom kanadischen ElektroDuo ESSAIE PAS. Die warm pluckernden Sequenzer wecken bei mir im Zusammenwirken mit den teilweise französischen vocals eigenartige Assoziationen: ist das eine freche Version von Visage (wenn die überhaupt noch jemand auf dem Schirm hat)? Das beat-programming ist dafür aber dann doch etwas zu hart. Schöne Scheibe und das Buch müsst ihr unbedingt mal lesen! 4
Auch schick der "Brand New Abyss"(Womanproducer), in den sich die beiden New Yorkerinnen von THE BLOW stürzen. Flott blubbernde electronics, komplexe beats, sehr angenehmer Gesang - mal erzählend, mal melodiös jubilierend. Avantgarde mit Spaß - die deshalb und auch wegen der thematischen Ausrichtung des bandeigenen Labels durchaus an den wundervollen Monika(Enterprise)-Kosmos erinnert. 4
Mit The Blow verbindet SUNFLOWER BEAN nur die NYC-Herkunft, denn für "Twentytwo In Blue"(Lucky Number) wurde offenbar Suzie Quatro reanimiert. Stumpf-breitbeiniger Rock ohne jeden Druck, der nur ganz selten (z.B. beim verhalten-shoe-gazenden, Heart-Throbs-mäßigen "Any Way You Like") etwas(!) interessant wird. 2
Mit ihrer sexy-RockBitch-Attitüde hätte die singende Gitarristin MALINA MOYE vielleicht in den 90ern bei Prince Karriere machen können, auf "Bad As I Wanna Be"(Leopard) präsentiert sie sich jedenfalls als eine Art Candy Dulfer der E-Gitarre. Finsterste semi-funkige Quietsch-Soli über stampfendem 0-8-15-SoulRock - schlimm! 2
Aus London kommt BARBAROSSA, ein falsett-jaulender Elektro-SiSo-Mann, der seine Lebensweisheiten über angebrochene beats gießt. Mal ehrlich, sowas wie "Lier"(Memphis Industries) ist vielleicht ganz nett, aber auch total langweilig. Oder? 3
Ebenso wenig aufregend ist der gitarrezupfend die gleiche Baustelle bedienende Schwede KRISTOFFER BOLANDER (sonst Sänger bei Holmes). "What Never Was Will Always Be", soso. 3
Bei aller Begeisterung für den ostwestfälischen Fast-Weltweit-Kosmos (im letzten Sommer haben wir hier die "Jetzt!"-re-issue gefeiert): DIE TIME TWISTERS wussten sicher eine Menge über klassischen SchrammelPop, aber ihre Werkschau "Guten Morgen Sommer!"(beide Tapete) wirkt 35 Jahre später einfach zu schwachbrüstig. 3
Da zeigen uns GUTS PIE EARSHOT & NOMI AND AINO mit ihrer Filmmusik zu "Deckname Jenny"(Majorlabel) schon eher, was geht: mehrere sehr gelungene Interpretationen von Brecht/Weills "Seeräuber-Jenny" und weitere, zwischen ElektroPunk und IndieCore schillernde Schätzchen voller Kraft. 4
Oder der kantig-böse BluesPunk vom österreichischen VIECH: "Heute Nacht nach Budapest"(Phonotron) will gar nicht ironisch-hipsterig sein und ist doch ganz weit vorn. Dreckig, ungehobelt und ruppig, aber extrem packend und auch klanglich sehr brachial. Wenn "ehrlich und handgemacht", dann bitte so. 4
Während Richard Pinhas aka. HELDON 1974 auf seinem Debutalbum "Electronique Guerilla" noch in erkennbarer Freude über seinen damals defintiv state-of-the-art-Maschinenpark etwas arg ins King-Crimson-huldigende Daddeln geriet und das highlight aus heutiger Sicht vielleicht doch der Umstand ist, dass auf einem Stück Gilles Deleuze einen Nietzsche-Text spricht, ist der Nachfolger "Allez-Teia"(beide Bureau B) deutlich fokussierter. Neben weiteren Fripp/Crimson-hommages gibt es kluge und va. konzentrierte SynthStudien, Mellotronflächen und etwas FuzzGitarre. Insgesamt also durchaus re-issue-würdig. 3/4
Einen Einblick in die aktuelle litauische AvantgardeSchule gibt "Horizons"(Music Information Centre Lithuania). Die Erkenntnisse der in New York lebenden Komponistin ŽIBUOKLE MARTINAITYTE reichen dabei von Strawinsky-Verehrung bis zu Ligeti-trainiertem ElektronikKrach, von liturgischen Chören bis zur zarten Violin-Studie. 4
Das belgische ECHO COLLECTIVE hat schon Erasures "World Be Gone" semiklassisch nachgespielt und macht auf "Plays Amnesiac"(7K!) das gleiche mit der 2001er-Radiohead-Platte. Insbesondere weil ich schon das Original nicht besonders schätze, stellt sich hier einmal mehr die Frage nach dem "Warum"? Aber mit einem "Neoklassik"-sticker verkauft sich momentan ja selbst der größte Schwachsinn. 2
Lassen wir das Motzen und tanzen lieber. Das geht bei "Balfron Promise"(Cooking Vinyl) vom palästinensischen ArabGrime-Projekt 47 SOULS ganz prima. Als eine Art update von Transglobal Underground finden hier aktuellste beats und traditionelle percussion zueinander - schrille SynthSounds und raplines passen eben auch zu Dabke & Co. 4
Wenn Lou Reed eine Frau mit haitianischen Wurzeln gewesen wäre, hätte sein "Walk On The Wilde Side" vielleicht wie der opener von MÉLISSA LAVEAUX' "Radyo Siwèl"(No Format) geklungen. Leichtfüßig federt die in Kanada Aufgewachsene auf westlichen IndiePopmelodien durch das musikalische VoodooErbe der Karibik, man kann hier zugleich genußvoll hören und relaxt dahintanzen. 4
Eine in ein mit lustigen Collagen gespicktes artwork verpackte Ladung Kologo-Power liefert AYUUNE SULE mit "We Have One Destiny"(Makkum/Rebel Up) ab. Sule hat sein Handwerk in der Band des legendären King Ayisoba gelernt und wer sich dem Groove von z.B. "Eye Vim" entziehen kann, dem ist nicht mehr zu helfen. 4
Aus dem frostigen Finnland kommt JOHANNA JUHOLA, die unser Herz aber mit "Diivan Jäljet"(Westpark) schnell erwärmt. Flinkfingeriges Akkordeonspiel zu elektronischen Grundlagen, auch etwas Piano, Mandoline und Harmonium ist dabei, wenn hier weit mehr als nur der finnische Tango-Gedanke neu definiert wird. 4
Wer erinnert sich noch an LIO? 1980 sorgte sie mit dem LolitaPlasticPopDing "Amoureux solitaires" bei vielen für ein peinliches Lieblingslied, 37 Jahre später huldigt die Brüssel großgewordene Portugiesin mit "Lio cante Caymmi"(Crammed Discs) dem brasilianischen Songwriter-Gott Dorival Caymmi. Dominiert von akustischem Gitarrenzauber und zarter percussion, etwas Meeresrauchen und viel "saudade" zeigt Lio, dass sie über die Jahre zu einer sehr ausdrucksstarken Sängerin geworden ist.
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