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JAZZJANZKURZ - JAZZJANZKURZ

 
JAZZJANZKURZ
Wir beginnen mit Schönklang-Klängen: der Neuseeländer Pianist ARON OTTIGNON wurde zwar durch ein The Necks-Konzert erleuchtet, aber seine eigene Musik besteht auf "Team Aquatic"(Blue Note) v.a. aus minimalistischen Klavier-patterns und grooves von steel drums oder aus'm Rechner. Nett, aber - wenn nicht wie im Titelsong energischer bearbeitet - etwas banal. 3
Auch wenn er im Ruhrgebiet aufwuchs, seine 2. Platte widmet Thomas Kudela aka. STERNLUMEN einem Kopenhagener Kiez. Die "Nørrebro Nights"(Totta Leela) schwelgen in (Solo)Klavierwolken bester Melnyk-Tradition und das ist hier ausdrücklich lobend gemeint. Jeder Vergleich zu Max Richter oder Nils Frahm nimmt dem imposanten Werk etwas von seiner konzentrierten Würde. 4
Nochmal Solo-Piano, jetzt aber intellektueller, vielleicht sogar verkopfter: Nicolas Hodges spielt "Canons"(Wergo) des Franzosen BRICE PAUSET, bei denen einmal mehr klar wird, dass auch eine vermeintlich simple Form sehr vertrackte Ergebnisse liefern kann. Insbesondere das auf CD2 konservierte Stück mit live electronics beeindruckt dabei sehr. 4
Zurück zum Einfache(re)n: der Pianist ALEXANDRE THARAUD hat Gäste von Dominique A bis Jane Birkin vor's Mikro gebeten, um seine hommage an "Barbara"(Erato) mitzugestalten. Helmut Bergers "spoken text" verleiht dem abgenudelten "Göttingen" neue Kraft, Vanessa Paradis zeigt sich als spürbar gereifte Sängerin und die im Grunde nur durch etwas Schenkelklopfen begleitete heisere Stimme Rokia Traorés macht Gänsehaut! Anderes gleitet aber leider ins (zu) Gefällige ab. 4
Dass auch klassischer Pop als Jazz funktioniert, beweist das COLIN STEELE QUARTET mit "Diving For Pearls – Jazz Interpretations Of The Pearlfishers Songbook"(Marina). Der luftige Gitarrensound der Schotten wird in ein ebenso fluffiges Trompeten-Piano-Kleidchen gehüllt und als durchaus ernstzunehmender NeoBebop gespielt. 4
Der Meister des Bebop-Pianos bleibt für mich Thelonious Monk, dem der Schweizer Saxophonist CHRISTOPH GRAB mit "Reflections"(Lamento) zum 100. Geburtstag gratuliert. "Monk's Mood", "Round Midnight" (schickes Schlagzeug-Solo!) oder "Crepuscule With Nellie" (hier soliert ein wundervoller Bass) sehr überzeugend für sax-b-dr arrangiert. 4
TSCHINGs zwischen Swing und Weltmusik pendelnde "Taschenhymnen"(GLM) ruhen sich etwas zu sehr auf der Virtuosität von Gitarre, Sax und Baß-Cello aus. 2
Da schürft TOBIAS MEINHART mit ts und EWI schon etwas tiefer, auch wenn sich hinter den blubbernden grooves und effects auf "Silent Dreamer"(enja) am Ende doch "nur" herrlich klimpernder ModernJazz versteckt. 3
Der junge Deutsche PHILIPP GERSCHLAUER hat sich als mikrotonaler Saxofonist einen Namen gemacht und präsentiert "Mikrojazz-Neue Expressionistische Musik"(RareNoise). Mit DAVID FIUCZYNSKI (git - u.v.a. Hasidic New Wave!), JACK DeJOHNETTE (dr), dessen Zögling MATT GARRISON (b) und GIORGI MIKADZE (mikrotonale keys) an seiner Seite betreibt er nicht nur Klangforschung zwischen den Halbtönen, es wird auch schön schräg gejazzt. 4
Eine der "Utopian Tales"(Hubro), die der Slide-Gitarrist STEIN URHEIM mit seinem COSMOLODIC ORCHESTRA erzählt, heißt "Mikrotonia". Auf dieser Platte wird aber eher (und erfolgreich!) nach einer Verknüpfung von Ambient-soundscapes, fröhlichen Bläserfiguren (Trouble In Carnaticala) und Exotik gesucht. 5
Auch sehr stark die dänischen GIRLS IN AIRPORTS (natürlich 5 Männer: sax-sax/cl-key-perc-dr), die "Live"(Edition) postrockende PolyRhythmik mit versonnenen Bläsern garnieren. Aufgenommen in HH, Berlin und Dresden. 5
Gedanklich verwandt, aber deutlich wilder sind die drei Österreicher (sax-key-dr) von NAMBY PAMBY BOY. Deren "s/t" CD (Babel) unterstreicht den schrägen Witz, den der Bandname andeutet: fröhlich-expressives Gebläse zu rock-geschulten drums. Vielleicht die PostRock-Variante von Blurt? 4
TERRIE EX spielt hauptberuflich in einer UrPunkBand (The Ex) Gitarre, ist aber zugleich ein großer Jazzer. Mit dem Saxophonisten AB BAARS bürstet er auf "Shifting Sands"(Terp) den Staub aus dem Anzug und lässt seine Gitarre auch mal wie einen bösen Bass oder ein unpässliches Schlagzeug klingen. Dazu kräftiges Tröten aus Kannen aller Art und schon sind die Gehörgänge wirklich frei! 4
Wer mag (und kann), darf sich danach bei VOLKER BÖHMs "Endless Undo"(clang) entspannen. Massiv verfremdete Fender Rhodes-sounds und samples im elektroakustischen Groove - einschlafen wird hier sicher keiner!
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© 01. Oktober 2017  WESTZEIT ||| Text: Karsten Zimalla
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