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QUICKSILVER - QUICKSILVER

 
QUICKSILVER
Die grandiosen Easy-Listening-Orchester-Songs, die die damals gerade 30jährige NANA MOUSKOURI unter der Ägide des genialen Bobby Scott für Fontana aufnahm, haben mit dem "Guten Morgen Morgenschein"-Tralala für BRD-Kleinbürger wenig zu tun. "Nana - Arranged & Conducted by Bobby Scott"(Universal) wird deshalb völlig zu recht wiederveröffentlicht (inkl. 6 Bonustracks). Und auch wenn die teilweise arg brutalen Blenden manche Lieder regelrecht "abwürgen" - hier gibt's handwerklich perfekte Breitwand-Arrangements ohne Kitsch. 5
Auch GWYNETH GLYN, eine junge Frau aus Wales, ist mit einer angenehmen Stimme gesegnet. Und weil sie in der Weltmusikszene ganz gut vernetzt ist, wird "Tro"(bendigedig) z.B. von Seckou Keitas Kora bereichert, was dem angenehm undogmatischen KlangBild weitere Farbtupfer hinzufügt. Nichts für Celtic-Puristen, aber ein großer Tip für Freunde ruhigen high-quality-FolkPops. 4
Bleiben wir bei Frauen mit schönen Stimmen: LEA W. FREY hat uns bisher zumeist mit jazzigen (Indie)Pop-Covers erfreut. Mit "Plateaus"(enja/yellowbird) setzt sie stärker auf die Trumpfkarte "ElektronikPop" und die spielt ihre Band (2/3 vom Melt Trio + Notwist-Trommler Haberl und Liz Kosack aus Brooklyn an den Synths) sehr souverän. Vor 20 Jahren hätten hier alle "TripHop" gerufen! 4
Genau wie bei "Tamagotchi"(AdP) vom polnischen Duo COALS, das mit etwas Radio-1-Hilfe in diesem Sommer auch in Berlin weltbekannt wurde. Keine Sensation, aber solide ElektroWehmut. 3
PATTY MOON lässt auf "Head for Home"(Traumton) ihre zarte Mädchenstimme über ein herrlich sentimentales Streichquintett fliegen. Dazu einige Zärtlichkeiten vom Flügel und zuweilen noch zwei Hörner - fertig sind 10 fragile PopKleinodien für Kerzenschein-Stunden: "We are experts of the darkness". 4
In einer ganz anderen Abteilung bedient die mir bisher eher als Klezmer-Interpretin bekannte LENKA LICHTENBERG. "Masaryk"(ARC) heißt ihre Sammlung neu-gedeuteter FolkSongs aus dem Böhmisch-Mährischen. Trotz sanfter Modernisierung bleibt hier vieles sehr traditionell. 3
Klappernden MariacchiFolk mit einer Prise LatinPop und etwas Indiespirit spielen JENNY AND THE MEXICATS. Ihr schon im letzten Februar erschienenes Album "Open Sea/Mar Abierto"(GMO) kommt jetzt in einer "extended version". 3
Deutlich spröder, aber mit feinem Satzgesang zu recht komplexen Violine/Harfe-Melodien suchen die beiden Schottinen von TWELFTH DAY die "Cracks In The Room"(Beste! Unterhaltung). Mal dezent Avantgarde, mal sehr folkloristisch, wächst dieses Album beständig. Gut für die anstehenden Herbstabende. 4
Die WEAVES aus Toronto packen (noch) etwas fester zu und versorgen mit "Wide Open"(Memphis Industries) die Freunde von wavigem TrashPop mit Nachschub. Ein wenig wie KatieJane Garside, die besoffen mit The Cure Slade-Songs spielt. 4
Diverse Gastsängerinnen lud sich Ralph Kiefers für das zwischen ElektroSoul, NeoDub und FutureFunk schillernde Album "Two"(Agogo) seine Studioprojekts THE SOUL SESSION ein. Blitzsauber und schlau produzierte Songs mit großartigen vocals. 4
Der in Dland aufgewachsene Chilene MATIAS AGUAYO zaubert sich mit THE DESDEMONAS ein "Sofarnopolis"(Crammed Discs) zurecht. Das hat mit seiner Kompakt-Historie wenig zu tun, sondern wechselt munter zwischen klappernden ElektroFrickelein, stampfendem AvantPop, clusterigen SampleSpielchen und düsterem DystopiaFunk. Oder ist das eine Art Tuxedomoon-hommage? 4
SEAN NOONANs Debut "Man No Longer Me"(Haldern Pop) kann man nicht besser zusammenfassen, als es der Waschzettel aus der "Begeisterungsmanufaktur" von Steffen Reichmann (dem ich immer noch dankbar bin, dass er mir vor über 20 Jahren mal den Weg in ein ausverkauftes Residents-Konzert ebnete) tut: "... als würden Captain Beefheart, John Zorn, Lou Reed, Bela Bartok und Frank Zappa zu einer romantischen Nacht aufbrechen, auf der Suche nach einer guten Strassenschlägerei." 4
ASKEHOUG gibt uns einen feuchten "French Kiss"(Ulysse Prod.), der die neochansoneske Komfortzone verlässt, bevor die überhaupt richtig erreicht wurde. Elektronisch-rockig wird hier bei allem Bezug auf das französische Bardentum vieles umgekrempelt, was sich allzu bequem eingerichtet hatte. "Ces petites phrases m'interessent", genau. Was macht eigentlich Dominique A gerade? Hier kommt Konkurrenz! 4
Experimentelles gibt’s auch: Das in einer Berghütte in Montana aufgenommene "Familiar"(Bureau B) von MOEBIUS STORY LEIDECKER beginnt mit wildem KlickerKlacker, schlängelt sich dann durch diverse Sample-, Hüllkurven- und drumprogramming-Schikanen und wächst zu einem feinen Stück groovender Elektroimprovisation. Historie (von Cluster bis Negativland) nicht als Routine, sondern Können! 5
Zwischen Tonschleifen, purem Krach und Sprachfetzen blitzt auch auf JASON GIERs in ein Gerhard-Richter-Cover verpackter "Demonstration Disc"(Human Ear Music) gelegentlich reine Schönheit auf, etwa in der fein abstrahierten Marimba-Timpani-(sample?)-Etude "6". Unter den vielen Gästen ist auch die von mir hochgeschätzte Lucretia Dalt! 4
Dagegen wirkt die "Comprehension Of Light"(130701/Fatcat) des Russen DMITRY EVGRAFOV überambitioniert. Was mit einem asketischen "A Gleam" begann, wächst sich schnell in spießige PseudoNeoKlassik der Einaudi-Frahm-Gonzales-Schule aus. Schmalzige Streicher, Piano, in "Kintsukuroi" gar sanft-wagnerianische MelanchoBläser. Dabei geht es doch stringenter, wie in "Rootedness", wo zunächst seltsame Orgeltöne elektronisch umschwirrt werden, bevor sie in kitschigen Streicherwolken versinken. 2
Da war JON HASSEL schon vor 27 Jahren deutlich weiter. Seine epochale "Dream Theory in Malaya: Fourth World Volume Two"(Glitterbeat/tak:til), im Original 1981 auf "Editions E.G." erschienen, verknüpft die exotischen Rhythmen malayischer Regenwaldvölker mit einer avancierten elektronischen Klangsprache und sollte dringend neu entdeckt werden. 5
DAVID LEE MYERS (früher auch als Arcane Device unterwegs) hat für die MC "Superpositions"(Crónica) seine feedback-Apparate in den "sanft"-Modus versetzt und und betreibt eine spartanische, aber konsequente Klangsynthese. Relativ wenige Ereignisse aus schmatzenden Schaltkreisen, diese aber bestens organisiert. Kein reines Experiment, sondern durchaus auch "Musik". Für Menschen mit offenen Ohren.
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© 01. Oktober 2017  WESTZEIT ||| Text: Karsten Zimalla
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