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QUICKSILVER

Natürlich ist es komplett uncool, PATRICIA KAAS zu mögen, aber ich stehe zu meinen Schwächen. Deshalb finde ich auch die best-of-Kopplung "19"(Ariola/Universal) ganz prima. "Dix-Neuf" enthält die meisten Hits der Elsässerin, einige auch in Live- oder Alternativfassungen. Für Fans vielleicht weniger spannend, aber auf diese Weise fällt beim heimlichen Verehrer die vermeintliche Geschmacksunsicherheit im CD-Regal nicht so auf. 4
Eine ganz reguläre und viel kreditablere Wiederveröffentlichung ist "Tonspuren"(Bureau B/Indigo) von Dieter MOEBIUS. Mit Cluster ist er auch heute noch ganz vorn, aber dieses Soloalbum von 1983 (sein erstes) gehört leider nicht zu seinen Sternstunden. Etwas zu statisch, zu konstruiert und so auch zu leblos. 2
Auf wieder andere Weise beschäftigt sich die Münchener Qualitätsmarke Trikont mit Wiederentdeckungen. Der Loblieder auf den Einfallsreichtum bei den thematischen Bezügen sind genug gesungen, aber auch "Murder, Songs Form The Dark Side Of The Soul", das sich Liedern rund um den Totschlag aus niedrigen (manchmal aber vielleicht sogar nachvollziehbaren) Motiven widmet und neben vielen (mir) völlig unbekannten Barden auch diverse Stars (darunter Billie Holiday, Bessie Smith, Louis Armstrong) über Mord aus Geldgier, Eifersucht oder blanker Wut sinnieren lässt. Auch "Django's Spirit"(beide Trikont/Indigo) bietet gewohnte Vielfalt: G. Rag, Biréli Lagrène, Hoo Doo Girl und Mama Rosin sind nur die einige von denen, die Gitarrenzauberer Django Reinhard auf dieser CD ihren Respekt erweisen. 4
Den Namen für sein Projekt fand Ashley Beedle bei Mavis Staples: MAVIS verschickte für das gleichnamige Album (!K7/Al!ve) von den Staples Singers inspirierte Instrumentals an ausgewählte Sangeskünstler und so entwickelten sich die Stücke in den Händen von Kurt Wagner, Cerys Mathews oder Edwyn Collins u.v.a. in ganz verschiedene, zumeist aber höchst erfreuliche Richtungen. Pop für Erwachsene. 4
Keine re-issue, eher eine Hommage an's gute alte Shoegazing ist "Bourgeois Beat"(SVC Rec./Broken Silence) des US-Duos THE SKY DROPS. Melodie- und lärmverliebte sweetness, der man natürlich auch Rückwärtsgewandtheit oder Einfallslosigkeit vorwerfen könnte. Aber wer wird schon so gemein sein. 3
Das gilt noch mehr für "The Struggle For Utopia"(Parlour Rec./Broken Silence) von PROJEKT:KOMAKINO, die ohne jeden Skrupel Joy Division kopieren. 2
PHALLUS DIE hingegen kopieren sich selbst. Auch "A Day In The Life Of Brian Wilson"(Big Blue Rec./Broken Silence) ist eher softer, trotzdem düsterer, hier durch die Gastgesänge von (Scott) Walker-Brother John auch mit etwas crooning aufgehübschter Postindustrial. 3
Da finde ich das von NEO PHLEGMA selbstverlegte "Illuminatus"(One Take) trotz des natürlich sehr plakativen Umgangs mit vermeintlichen (modernen) Mysterien erfrischender. Bei diesem FraktalPop würde wohl viele "Yeah!" rufen, käme er aus Brooklyn statt von der Saar.
Die Wienerin FANTAS SCHIMUN geistert schon eine ganze Weile durch Onkel Alfreds Portfolio, ein Song von ihr gab gar der schicken Kompilation "Bis auf weiteres eine Demonstration" den Namen. Ihr Debut kommt nun gleich doppelt, denn die schon 2002 entstandenen "Variationen über die Freiheit eines Anderen" teilen sich die Doppel-LP-Hülle mit "Der Himmel ist blau - ein Alptraum in Stereo"(ZickZack/Broken Silence). Allerdings tue ich mich schwer mit diesem zwar zuweilen auch spannenden, oft aber sehr spröden AustroPopAvantFolk mit Hörspieleinschüben, denn das Ganze wirkt etwas zerfahren oder überambitioniert dilettantisch. 3
Viel zu hektisch sind die SUPER 8 BIT BROTHERS auf "Brawl"(The End Rec./Soulfood), einem MashUp von PC-Spiel-KlimperIndie und SoundkartenOverkillPop. Cyber Space Sirens/Computer Casanovas - OK. 2
Auch mit "Bird Brains"(4AD/Beggars/Indigo) kommt das gestresste Gehör nicht zur Ruhe, denn für das Typografie-bewußte Projekt tUnE-yArDs schraubte Merrill Garbus diverse Aufnahmen ihres Digitalrekorders zusammen. Das reicht von Gesprächsfetzen und Party- oder Kindergetümmel-SoundClash bis zu richtigen Melodie(skizzen) und Harmonie(ideen). Könnte Kunst sein. 3
Nochmal Kunst kommt von DAKOTA SUITE, wo man sich aber eher mit (neo)romantischer Klavier/Cello/Elektronik-Schönheit, verziert mit etwas weirdness, befasst. Interessanterweise handelt es sich bei "The Night Just Keeps Coming In"(Karaoke Kalk/Indigo) aber trotz des recht einheitlichen Gesamteindrucks um Remixe von Machinefabriek, Hauschka, Elegi und etlichen mehr. Schwarzbunt melancholisch avanciert - Tschüss. 4

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