| Schlicht und ergreifend, im schlicht-ergreifenden Rollkragenpulli allein auf der Bühne sitzend – so verkündete Steve Jobs verkündete in regelmäßigen Abständen revolutionäre, seligmachende Hardware für seine treue Mac-Usergemeinde im weltweit verknüpften Apple-Imperium. Die 1976 von ihm, Steve Wozniak und Ronald Wayne gegründete Computerfirma entwickelte sich zu einem gigantischen Kult-Unternehmen – zeitweise schien der Hype um die Produkte und ihr Design wichtiger zu sein als die technischen Grundlagen und Weiterentwicklungen (die Apple Inc. gelegentlich sogar zu verpassen drohte). Zwölf Jahre Jahre lang, von 1985 bis 1997, stand Steve Jobs nicht an der Spitze des Unternehmens, das während dieser Zeit stürmische Seen zu durchqueren hatte. 1997 kehrte Jobs an die Apple-Spitze zurück, nach dem ein Deal mit Microsoft das Unternehmen rettete. |
 Der Designbegriff auf technischer Ebene und Apple bilden spätestens seit 1997, als Jonathan Ive für die Gestaltung aller Apple-Produkte verantwortlich wurde, eine nahezu natürliche Symbiose. Von der Philosophie eines revolutionären Industriedesigns und seiner historischen Vorläufer und Ideengeber handelt die Ausstellung „Stylectrical. Von Elektrodesign, das Geschichte schreibt“ im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Im Zentrum der Schau steht das Design des „Senior Vice President for Industrial Desgin“ Jonathan Ive (*1967). Eingerahmt werden die zahlreichen Geräte und Zubehörteile aus dem Apple-Haus in Cupertino/Kalifornien von Exponaten aus der Sammlung des Museums. Darunter befinden sich teils bahnbrechende Arbeiten und Entwürfe von Designern wie Dieter Rams, Peter Raacke, Tobias Grau, Hans Gugelot oder Michele De Lucchi.
Jonathan Ive entführte durch seine gestalterischen Eingriffe und Ideen den Computer aus einer überwiegend technisch gedachten, funktionalen Arbeitsumgebung in eine minimalistisch reduzierte, mal poppig bunte, mal metallisch-kühle Ästhetik, die das Arbeitsmittel Personal Computer (und nachfolgende Peripheriegeräte und andere Produkte der Informationsbearbeitung) „zu einem wichtigen Alleinstellungsmerkmal im wirtschaftlichen Wettbewerb“ (Sabine Schulze im Katalog) machte. Der Ausstellung geht es jedoch nicht darum, einfach eine Jubelshow für die zunehmende Fangemeinde der Apple-Benutzer anzubieten, sondern „Stylectrical“ möchte darüber hinaus eine Erklärung dafür liefern, wie Design grundsätzlich funktioniert. Belegt werden ineinander greifende Entwicklungsprozesse des industriellen Elektrodesigns durch einen kulturwissenschaftlichen Kontext, in dem eine graue (Computer)Maus durch ihre Formverwandlung zum Sinnbild für Innovation und Modernität steht oder ein Metallgehäuse, in dessen Innenleben Kabel, Platinen, Schrauben, Elektroden, Glühbirnen und Schalter aneinander gereiht wurden, fast eine Massenhysterie auszulösen vermögen.
Der historische Hintergrund des Apple Design steht insbesondere mit der deutschen Firma „Braun“ in Zusammenhang, die in den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf dem Gebiet der Hi-Fi-Geräte, Filmkameras und Rasierapparate gestalterische Maßstäbe setzte. Mit dem Namen Braun ist untrennbar ein Mann verbunden, der dem Design des Radio- und Schallplattenherstellers den Stempel aufgedrückt hat: Dieter Rams. In zehn Thesen verbreitete Rams seine Philosophie für gutes Design, der er im zehnten Abschnitt die Krone aufsetzte. „Gutes Design ist so wenig Design wie möglich.“ Diese Maxime hat Ähnlichkeit mit einer Formulierung von Albert Einstein, die Apple auch zur Firmenphilosophie übernehmen könnte: „Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden, aber nicht einfacher.“
Jonathan Ive wählte nicht Einstein sondern Dieter Rams zu seinem voraus denkenden Guru, dessen Gedanken ihn Abschied nehmen ließ von der lollipopbunten Apple-Welt der neunziger Jahre und einen Schwenk hin zu den minimalistisch gestylten, innovativ-fortschrittlichen Hightech-Produkten heutigen Aussehens. Dieter Rams nimmt es als Kompliment, daß Jonathan Ive und Apple seine Entwürfe für das Unternehmen Braun als Ideenquelle nutzten. Dem Apple-Designer ist es gelungen, durch das Vorbild ästhetisch überzeugender Alltagsgebrauchsgüter wie Haartrockner und Reisewecker für elektronische Geräte eine Marke zu etablieren, die oft weniger durch ihre gebrauchsfähige Präsenz überzeugt als vielmehr ein großes Identifizierungspotential mit eben dieser Marke ausschöpft. Ob iPod oder MacBook, iPad oder iPhone, Ohrhörer oder Tastatur: Apple Design bestimmt in vielen Bereichen das Bewusstsein. Der Katalog aus dem Verlagshaus Hatje Cantz dokumentiert und ergänzt in herausragender grafischer Aufbereitung und mit interessanten, auch kritischen Texten dieses Phänomen unserer Zeit.
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Stylectrical (-15.01.2012)
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Steintorplatz, 20099 Hamburg
Tel.: 040-428134-880
Geöffnet: di - so 11 - 18, do 11 -21 Uhr,
Heiligabend und Silvester geschlossen
Eintritt: 8/5 Euro
Katalog (Hatje Cantz): 39,80 Euro
Weitere Infos: www.mkg-hamburg.de |
| © 01. Oktober 2011 WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
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