| Zwei- und dreidimensionale Arbeiten, die dem Boden nahe sind oder zur Raumdecke streben. Das Museum Kurhaus zieht nach fünfzehn Jahren in Deutschland erstmals wieder eine Bilanz, die den amerikanischen Künstler Carl Andre (*1935 in Quincy/Massachusetts) als einen Revolutionär der Skulptur ausweist und ihn quasi zurück holt ins Rheinland, das ihn einst berühmt machte. Mehr als zwanzig Skulpturen, die den Raum, korrekter: die jeden Raum verändern, entzaubern, fragmentieren und bagatellisieren. Denn die Skulpturen von Carl Andre markieren den Raum, sie berühren elementare Seiten seiner Architektur, sie überzeugen durch klare und einfache Linien und Formen. |
 Das Museum Kurhaus Kleve und die Stiftung Museion – Museum für moderne und zeitgenössische Kunst in Bozen (Italien) konzipierten gemeinsam diese Ausstellung, die an die in Kleve konsequent verfolgte Programmlinie, international bedeutende Vertreter des Minimalismus und der Konzeptkunst – etwa Richard Long und Alan Charlton, On Kawara und Giovanni Anselmo – zu zeigen, anknüpft. Anfang Mai 2011 erhielt Carl Andre in Zürich einen der renommiertesten Kunstpreise in Europa, den Roswitha Haftmann-Preis. |
Carl Andres Bedeutung und Berühmtheit nahm vom Rheinland aus eine stetig ansteigende Kurve, die eng mit der Galerie Konrad Fischer in Düsseldorf verbunden ist. Durch Fischer, der 1967 seine Galerie mit einer Einzelausstellung von Carl Andre eröffnete, führte den Künstler in Europa ein, die Resonanz seiner Kunst in den USA wurde dort erst durch die europäische Wegbereitung verbreitet. Die Klever Ausstellung erhöht den Reiz der Ausstellung, weil die Skulpturen von Carl Andre in der Museumsarchitektur von Walter Nickels eine ganz besondere Qualität entfalten und in unmittelbarer Nachbarschaft historisch-antiker Skulpturen (direkt neben der Minerva) einen faszinierenden Kontrast bilden.
Mit dem elf Meter langen Objekt „Sheath“ (1980) setzt Carl Andre einen Klotz in den Raum, der wie ein Tunnel sein Inneres im Dunklen verbirgt und in der Klever Anordnung die Figur der Minerva vom Tiergartenpark trennt, in dem die Bodenskulptur „Wirbelsäule“ wie ein weißes Marmorband Natur und Kunst verbindet. „Philemon“ und „Baucis“ symbolisieren durch das Material Holz die männlich-weibliche Geschlechterzugehörigkeit der beiden Figuren der griechischen Mythologie, die am Ende ihres Lebens in eine Eiche und eine Linde verwandelt werden. Den Weg dazwischen suchen, die Gedanken dazwischen erkennen und reflektieren - „Sand-Lime Instar“ besteht aus acht auf dem Fußboden arrangierten, jeweils durch hundertzwanzig Kalksandsteine zweilagig angeordneten Rechtecken, deren Form (Länge bzw. Breite) scheinbar unterschiedliche Volumenverhältnisse andeuten. Die ab 1960 begonnene „Element Series“, in der Andre sich auf das Elementare, Einfache konzentrierte, fand ihre Inspiration durch den Besuch des englischen Mythenortes „Stonehenge“ im Jahr 1954. Diese Reduzierung auf das elementare Prinzip des Künstlers wird besonders deutlich in der Arbeit „Henge On Threshold“.
Fast archaisch bearbeitete Carl Andre am Anfang seiner künstlerischen Karriere das Material, das er auf Baustellen in Downtown Manhattan (New York) aufsammelte und mit einfachsten Werkzeugen (Sägen und Bohrer) bearbeitete. Sein Verhältnis zum Material schildert Andre selbst so: „Holz ist die Mutter aller Dinge. Wie alle Frauen, die von Männern geschunden und gefoltert wurden, erneuert sie sich selbst durch ihre Hingabe, gibt sich hin durch ihre Erneuerung. Holz ist die Braut des Lebens im Tod, des Todes im Leben. Sie ist die Kühle und der Schatten des Waldes. Sie ist Funke und Hitze, Glut und Traum des Herdes.“ Etwas weniger pathetisch beschreibt ein Satz des Künstlers die Ehrfurcht vor dem Material und die Demut vor den Elementen der Natur: „Mir wurde klar, dass das Holz besser war, bevor ich hineinschnitt, als danach. Ich hatte es in keiner Weise verbessert.“
Neben den raumbeherrschenden Arbeiten zeigt die Ausstellung eine Serie von Textarbeiten, die durch ihre strenge geometrische Anordnung auf dem weißen Papier wie ein Spiegelbild der Skulpturen von Carl Andre wirken. Einzelne, vielfach hinter einander geschriebene Wörter, in Blockbuchstaben oder auf der Schreibmaschine getippt, erscheinen wie Felder, die keine Geschichte erzählen sondern völlig autonom den Gedanken einen Ruheplatz anbieten. Klaus Hübner
Carl Andres Bedeutung und Berühmtheit nahm vom Rheinland aus eine stetig ansteigende Kurve, die eng mit der Galerie Konrad Fischer in Düsseldorf verbunden ist. Durch Fischer, der 1967 seine Galerie mit einer Einzelausstellung von Carl Andre eröffnete, führte den Künstler in Europa ein, die Resonanz seiner Kunst in den USA wurde dort erst durch die europäische Wegbereitung verbreitet. Die Klever Ausstellung erhöht den Reiz der Ausstellung, weil die Skulpturen von Carl Andre in der Museumsarchitektur von Walter Nickels eine ganz besondere Qualität entfalten und in unmittelbarer Nachbarschaft historisch-antiker Skulpturen (direkt neben der Minerva) einen faszinierenden Kontrast bilden.
Mit dem elf Meter langen Objekt „Sheath“ (1980) setzt Carl Andre einen Klotz in den Raum, der wie ein Tunnel sein Inneres im Dunklen verbirgt und in der Klever Anordnung die Figur der Minerva vom Tiergartenpark trennt, in dem die Bodenskulptur „Wirbelsäule“ wie ein weißes Marmorband Natur und Kunst verbindet. „Philemon“ und „Baucis“ symbolisieren durch das Material Holz die männlich-weibliche Geschlechterzugehörigkeit der beiden Figuren der griechischen Mythologie, die am Ende ihres Lebens in eine Eiche und eine Linde verwandelt werden. Den Weg dazwischen suchen, die Gedanken dazwischen erkennen und reflektieren - „Sand-Lime Instar“ besteht aus acht auf dem Fußboden arrangierten, jeweils durch hundertzwanzig Kalksandsteine zweilagig angeordneten Rechtecken, deren Form (Länge bzw. Breite) scheinbar unterschiedliche Volumenverhältnisse andeuten. Die ab 1960 begonnene „Element Series“, in der Andre sich auf das Elementare, Einfache konzentrierte, fand ihre Inspiration durch den Besuch des englischen Mythenortes „Stonehenge“ im Jahr 1954. Diese Reduzierung auf das elementare Prinzip des Künstlers wird besonders deutlich in der Arbeit „Henge On Threshold“.
Fast archaisch bearbeitete Carl Andre am Anfang seiner künstlerischen Karriere das Material, das er auf Baustellen in Downtown Manhattan (New York) aufsammelte und mit einfachsten Werkzeugen (Sägen und Bohrer) bearbeitete. Sein Verhältnis zum Material schildert Andre selbst so: „Holz ist die Mutter aller Dinge. Wie alle Frauen, die von Männern geschunden und gefoltert wurden, erneuert sie sich selbst durch ihre Hingabe, gibt sich hin durch ihre Erneuerung. Holz ist die Braut des Lebens im Tod, des Todes im Leben. Sie ist die Kühle und der Schatten des Waldes. Sie ist Funke und Hitze, Glut und Traum des Herdes.“ Etwas weniger pathetisch beschreibt ein Satz des Künstlers die Ehrfurcht vor dem Material und die Demut vor den Elementen der Natur: „Mir wurde klar, dass das Holz besser war, bevor ich hineinschnitt, als danach. Ich hatte es in keiner Weise verbessert.“
Neben den raumbeherrschenden Arbeiten zeigt die Ausstellung eine Serie von Textarbeiten, die durch ihre strenge geometrische Anordnung auf dem weißen Papier wie ein Spiegelbild der Skulpturen von Carl Andre wirken. Einzelne, vielfach hinter einander geschriebene Wörter, in Blockbuchstaben oder auf der Schreibmaschine getippt, erscheinen wie Felder, die keine Geschichte erzählen sondern völlig autonom den Gedanken einen Ruheplatz anbieten. |
Carl Andre (-28.08.2011)
Museum Kurhaus Kleve, 47533 Kleve, Tiergartenstraße 41
02821-75010, info@museumkurhaus.de
Di-So 11-17 Uhr
Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 3 Euro, Familien 10 Euro, Katalog: 22,50 Euro
Weitere Infos: www.museumkurhaus.de |
| © 01. Juni 2011 WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
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