| Das Image des Rock- und Popstars wird nicht nur durch seine künstlerische Leistung geprägt. Fast noch wichtiger ist sein öffentliches Erscheinungsbild, seine im Bild archivierte Duftmarke. Die Fotografische Sammlung des in einem Neubau untergebrachten Museum Folkwang zeigt als Hauptprojekt der Kulturhauptstadt RUHR2010 die Sonderausstellung „A Star Is Born. Fotografie und Rock seit Elvis“ mit circa einhundert Objekten aus sechs Jahrzehnten Rock- und Popmusik. |
 Ob penibel arrangierte Studio- oder dokumentarische Liveaufnahme – ein Foto schafft mehr Nähe zum Star als jede noch so kompetente, tiefschürfende Abhandlung. Wer sein Image als Musiker dauerhaft in die Köpfe der Menschen und in die Herzen seiner Fans einbrennen will, der kommt an einem einprägsamen, jederzeit der Wiedererkennung dienenden Bild nicht vorbei. Mehr als dreihundert Ausstellungsstücke wie Fotografien, Autogrammkarten, Plattencover und Zeitschriften zeugen von Bildern, die sich in die Alltags- und Erinnerungskultur fest eingebrannt haben.
Die prallen Lippen von Mick Jagger, der Entengang von Chuck Berry, das Stagediving von Kurt Cobain, der Hüftschwung von Elvis Presley – wäre das alles ohne die Fotografie, ohne das auf Zelluloid gespeicherte Abbild der Stars? Es sind diese Gesten und Bewegungen, die Posen und präsentierten Schokoladenseiten von Menschen, die in einem kurzen Augenblick für die Ewigkeit festhalten wurden. Von Fotografen wie Jim Rakete, Olaf Heine, Annie Leibovitz, Mark Seliger oder Astrid Kirchherr, Didi Zill und Gered Mankowitz, die allesamt nahe dran waren an den Stars und sie bis in die letzten Zipfel der Individualität ausgeleuchtet und fotografiert haben. |
Ein Foto: Streng und skeptisch schaut der Mann in die Kamera, seine Hände sind mit weißen Bändern umwickelt, Schweißperlen kugeln über die nackte Brust, die ausgeprägten Muskeln unterstreichen der mageren, ausgezehrten Körper, die Haare fallen in langen Strähnen auf die Schulter. Dieser Körper erscheint wie modelliert, wie ein Entwurf von Rodin. Doch dieser Körper ist in einem komponierten Augenblick festgehalten und macht seinen Inhaber unsterblich: Iggy Pop, fotografiert von Olaf Heine. Ein anderes: Fünf junge Männer in schwarz-weiß in einer sich in die Tiefe verjüngenden Reihe sitzend, jeder einzelne Blick in die Kamera gerichtet, ernst, fast maskenhaft, Rollkragenpullover und hochgestellte Mantelkragen deuten auf die kalte Jahreszeit. Es zeigt die noch ziemlich jungen Rolling Stones mit Charlie Watts, Bill Wyman, Brian Jones, Keith Richard und Mick Jagger in den sechziger Jahren in einer Aufnahme von Philip Townsend. Ein drittes: Ein am Bühnenrand kniender Mann mit sehr kurzen Haaren, die rechte Hand in Richtung Publikum ausgestreckt, der Kopf etwas gesenkt, in einem gelblichen Lichtkegel verharrend. Der Standort des Fotografen David Belisle befindet sich im hinteren Bühnenbereich, so daß der Rücken des Sänger, es ist Michael Stipe von R.E.M., zum Fotografen zeigt und das Publikum mit erhobenen Armen und en face in Richtung Kamera schaut, ohne sie bewusst wahrzunehmen. Insbesondere diese Fotografie besitzt einen Hauch von religiöser Andacht, die auf diese Band passt wie die Faust auf das Auge.
Die Abteilung „Bildung und Vermittlung“ des Museums unterhält während der Ausstellung ein Rockbüro, das interessierten Jugendlichen Hilfestellung bei kreativen Gestaltungsprozessen in der Fotografie, bei Video, Grafik und Kommunikation bietet. Es dient als Treffpunkt und als Ort von Workshops und bietet eine Probebühne.
Eine Kooperation mit den Essener Filmkunsttheaternnnn präsentiert in einem umfangreichen Kinoprogramm unter anderem die Filme „Led Zeppelin – The Song Remains The Same“, „Tom Waits – Big Time“ und „Julian Temple – The Great Rock'n'Roll Swindle“.
Bis 10.10.2010
Museum Folkwang, Museumsplatz 1, 45128 Essen
Tel.: 0201-8845160
Geöffnet: di-so 10-18 Uhr, fr 10-22.30 Uhr
Eintritt: 8/6 Euro
Katalogbuch: 30 Euro |
| © 01. August 2010 WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
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