| Regisseur Michael Cimino wählte für seinen Vietnam-Film „Die durch die Hölle gehen“ (mit Robert de Niro, Christopher Walken, John Savage, Meryl Streep) als Kulisse das Stahlwerk „Mingo Junction“ im US-Bundesstaat Ohio aus. Dort lebten und arbeiteten die drei (Film-)Freunde Michael, Nick und Steven, bevor sie in Vietnam die persönliche und kriegerische Hölle erlebten. Dort fotografierten 1979 Bernd und Hilla Becher das Stahlwerk; zwei dieser Fotografien zeigt das Josef Albers Museum . Quadrat Bottrop in der mehr als hundert Aufnahmen umfassenden Ausstellung „Bergwerke und Hütten“, die Teil des Projektes „Mapping The Region“ im Programm der Kulturhauptstadt Ruhr2010 ist. |
 Ein anderes Bild, ein Bild aus Stahl und Backstein vor einem rotglühenden Horizont werden die Menschen im Ruhrgebiet nicht mehr los: Zechen, Fördertürme, Hüttenwerke, Abraumhalden. Obwohl, sagt Hilla Becher, diese Stätten einer untergehenden Industrie so ausradiert sind, „dass auch kein Archäologe mehr graben kann, denn da ist gar nichts mehr übrig. Heute steht da vielleicht ein Supermarkt oder eine Ladenkette.“ Was dort noch heute steht ist, so Hilla Becher, „guter Schrott, also sehr wertvoll.“ Grundsätzlich jedoch wird von den Industrieanlagen wenig übrig bleiben, gegenwärtig existiert das Ruhrgebiet, wie es auf den Becher-Fotografien zu sehen ist, schon nicht mehr. Da spielen die Fotos der Bechers eine bedeutende Rolle, in dem sie einen historiografischen Status einnehmen, der über die Funktion der Dokumentation hinaus geht.
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Wie fing es an mit dem Fotografieren von Industrieanlagen, zunächst im Ruhrgebiet später auch im Ausland? Wann zeigte sich, dass die thematische Beschäftigung des Ehepaares Becher mit Gasometern, Fördertürmen, Schloten, Kokereien der Lebensinhalt sein würde, das nichts anderes mehr von fotografische Bedeutung war als Schwarzweißaufnahmen in Industrieregionen herzustellen? Für Bernd Becher war es eine Kindheitsangelegenheit, denn er ist im Siegerland 1931 geboren worden und dort aufgewachsen und mit Zechen und Stahlwerken um sich herum gewachsen. Alle in seiner Familie waren Bergleute. Was besonderes wichtig war im Siegerland: man konnte in alles hinein sehen, anders als im Ruhrgebiet, man konnte von einem erhöhten Standort aus in die tiefer gelegenen Areale der Bergwerke und Zechenanlagen hinein fotografieren. Bernd Becher begann als Maler, legte Pinsel und Palette aber alsbald zur Seite und entdeckte die Fotografie, als er 1957 von Stuttgart an die Kunstakademie in Düsseldorf wechselte. So schnell, wie die Industrieanlagen abgerissen wurden, konnte er mit dem Zeichenstift gar nicht mithalten. In Düsseldorf lernt er die 1934 in Potsdam geborene Hilla Wobeser kennen und heiratet sie 1961. Hilla Becher war es, die 1958 an der Düsseldorfer Hochschule die erste Fotoabteilung einrichtete, nach dem sie, als gelernte Fotografin, in Sanssouci die Schlösser und Skulpturen fotografisch dokumentiert hatte. Hilla und Bernd Becher wurden zu einer Institution innerhalb der zeitgenössischen Fotografie, der Begriff „Becher-Schule“ war weltweit bekannt. Bernd Becher starb 2007.
Hilla Becher weiß Namen und Orte der Fotografien noch auswendig. Was die Fördertürme betrifft, egal, ob im In- oder Ausland. „Bei Wassertürmen ist es etwas schwieriger.“ Auf Qualität und einheitliche Bildgestaltung legten die Bechers von Anfang an großen Wert. „Es muss die Fotografie sein wie die richtig scharfe des neunzehnten Jahrhunderts, so wie früher die sehr scharfen und präzisen Aufnahmen der Industrie auch waren.“ Ohne Konzept hinter der gewaltigen Aufgabe, die das Ehepaar Becher sich selbst gestellt hatte, wäre dieses Monument des Festhaltens von dem, was unterzugehen droht, nicht möglich gewesen. Die Epoche des schwarzen Goldes, der Kohle, ist noch nicht ganz vorbei, neigt sich aber immer weiter dem Verschwinden entgegen. Wie das alles war, zeigt die Ausstellung in Bottrop, mit Fotografien von Hilla und Bernd Becher aus Deutschland, Belgien, Großbritannien, den Vereinigten Staaten von Amerika. Die schönste Fotografie der Ausstellung, und das ist sehr subjektiv gesehen, zeigt eine Industrieanlage in der Industriestadt Ensley/Alabama aus dem Jahr 1982. Vor den wie leblos wirkenden stählernen Gebäuden stehen auf hoch gewachsenem Gras diverse Automobile. Sie versammelten sich auf einem Autofriedhof auch als Rest einer Epoche, der der sogenannten „Straßenkreuzer“. Als noch niemand von Abwrackprämie sprach, strandeten die Blechkisten in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Anlagen, die ebenfalls aus einer anderen Zeit zu stammen scheinen. |
Bis 02. Mai 2010.
Josef Albers Museum . Quadrat Bottrop. Im Stadtgarten 20. 46236 Bottrop.
Tel.: 02041-29716
Geöffnet: di – sa 11-17 Uhr, so und feiertags 10-17 Uhr
Eintrittspreis: 6/4 Euro
Katalog: „Bernd und Hilla Becher. Bergwerke und Hütten". Verlag Schirmer/Mosel. 36 Euro im Museum. |
| © 01. März 2010 WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
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