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ROMANO - Es geht um Liebe

Wir haben uns an ihn gewöhnt, diesen etwas anderen Rapper, diesen bezopften Metal-Fan, der irgendwie am falschen Kraut zu naschen scheint. Aber halt, nix da! Romano ist einfach Romano. Auch auf Album Nummer zwei legt Köpenick's finest die Messlatte hoch und wie gewohnt die Scheuklappen ab. Mit klarer Sicht geht der Herr durchs Leben und besingt erneut eine Welt, die größer nicht sein könnte.

„Ich bin auf jeden Fall ein weltoffener Mensch. Meine Schranken sind ganz weitläufig. Ich finde, alles auf diesem Planeten hat eine Berechtigung, da zu sein. Klar kann man sagen: Das gefällt mir nicht oder dies gefällt mir, aber trotzdem ist es ja da. Und das ist okay so. Klar, es gibt auch Kriege, total fürchterlich, aber halt auch viel Positives. Es geht um Liebe. Und darum, dass jeder das lieben kann, was er mag.“

So minimalistisch sein Stil auch sein mag – Romano liebt musikalisch gesehen eben die Vielfalt. So verstörend manchem sein Metal- und Schlager-Faible anmuten mag – es ist letztlich doch ganz normal.

„Ich hab mal so ein Bild entworfen, das mich und meine Musik ganz gut beschreibt. Für jede Musikrichtung, die ich in meinem Leben gemacht habe, gibt es ein Schiff, und die sind alle unterschiedlich groß: Da ist ein Rock- und Metal-Schiff, ein Schiff Drum' n'Bass, ein Schiff Elektro und Techno, ein Schiff Schlager – und die liegen alle im Hafen Romano und feiern ´ne Mords-Party, und zwar mein zweites Album. Es kann sein, dass sich ein Schiff in Zukunft vom Hafen löst, vielleicht wird auch noch eins gebaut, aber momentan ist es halt diese Mischung.“

Und es ist keine wirklich zufällige, denn ´Copyshop´ ist so etwas wie die Geschichte seines Lebens, wie der Berliner berichtet:

„Ich hab nach ´nem Thema für das Album gesucht, und weil ich die Leute an einem Teil aus meinem Leben teilhaben lassen wollte, bin ich auf den Copyshop gekommen. Ich habe tatsächlich acht Jahre meines Lebens im Copyshop gearbeitet – ganz klassisch Mediengestalter für Medientechnik gelernt, also den neumodischen Drucker mit Digitaldruck und allem, was dazu gehört. Ich war so ein richtiger Allrounder: Von Postern und Flyern über Heftung, Spiral- und Taschenbuch-Bindung, Weiterverarbeitung aber auch Kundendienst – ich war sehr umtriebig.“

So führte also der Weg zum Videodreh des Titeltracks also nicht zufällig nach Hongkong, sondern direkt und unmittelbar in die Hochburg der Kopie.

„Da wurde ein Traum wahr, ja. Die Polenmärkte an der Grenze kennt man ja und dort ist es eigentlich ähnlich, dass man gute von schlechter Qualität schnell trennen kann. Die Stadt ist unwahrscheinlich spannend, die Menschen leben auf engstem Raum und da es nur noch in die Höhe Platz gibt, existieren da so abstrakte Bauwerke, die hier kein Bauamt durchwinken würde. Und diese Masse an Klimaanlagen, überall diese blinkende Werbung – selbst nachts um 4 hast du da Tagesbetrieb. Es wirkte oftmals wie eine Phantasiewelt des Kapitalismus, die ins extrem gehoben wurde – immer die gleichen Geschäfte mit immer den gleichen Sachen, ein riesiges Einkaufscenter mit Dingen, die sich stetig wiederholen.“

Wie heimatverbunden Romano ist, wissen wir ja seit seinem Debütalbum. Die offene Ehrerweisung für Mutter und Vater dagegen macht das vermeintliche Kunstobjekt Romano ungleich menschlicher. ´Meine Mutti´ besingt er da augenzwinkernd und im abschließenden ´Karl May´ wird’s ob der eindeutigen Jugend-Referenzen gar sentimental.

„Der Song wurde von Mutti höchstselbst abgenommen. Es ist ein Loblieb an sie und ihre Eigenarten, ein Zeugnis der Liebe – und ich hoffe, das verstehen auch viele genau so. Und diese Winnetou-Geschichten... na, die waren natürlich auch in meiner Kindheit ganz groß. Wir waren viel draußen in der Natur und der erste große Held war der Papa. Und dann geschieht so viel im Leben, die Pubertät, das Entfernen von der Familie und dann irgendwann wird der Held der Kindheit im besten Falle zum engen Vertrauten und guten Freund mit Ecken und Kanten – das ist die Geschichte, die ich in ´Karl May´ erzählen wollte, und die hoffentlich viele mit mir teilen.“

Aktuelles Album: Copyshop (Universal) VÖ: 08.09.
© 01. September 2017  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
September 2017

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